Erntesituation 2011: Starke Wetterextreme

Für die Obst- und Gemüsebauern sowie den gesamten Sonderkulturenbereich war das Jahr 2011 wieder durch starke Wetterextreme gekennzeichnet. Einem milden und bereits trockenen Januar und Februar folgten mit März, April und Mai viel zu trockene Monate, die auch deutlich wärmer waren als im Durchschnitt.

Für die Obst- und Gemüsebauern sowie den gesamten Sonderkulturenbereich war das Jahr 2011 wieder durch starke Wetterextreme gekennzeichnet. Einem milden und bereits trockenen Januar und Februar folgten mit März, April und Mai viel zu trockene Monate, die auch deutlich wärmer waren als im Durchschnitt. Die Vegetation im ersten Halbjahr ist 10 bis 14 Tage vor dem langjährigen Mittel.

Die lang anhaltende Trockenheit hatte natürlich zur Folge, dass sich die Kosten für die Bewässerung der Kulturen stark erhöht haben. Demgegenüber waren bisher in diesem Jahr die Ausfälle durch Hagel – auf das Bundesgebiet bezogen – geringer. Gleichwohl haben Hagelereignisse regional zu großen Ausfällen und damit auch zu wirtschaftlichen Schäden geführt. Dabei war in diesem Jahr das Alte Land in Niedersachsen stärker als sonst vom Hagel betroffen. Hervorzuheben sind die zwei Frostnächte vom 4. bis zum 6. Mai, die im Obst und Weinbau regional zu großen Schäden geführt haben, so u.a in Brandenburg, Rheinhessen, der Pfalz, in Württemberg und in Franken.

Obst
Nach der unterdurchschnittlichen Obsternte im Jahr 2010 fällt in diesem Jahr die Ernte auch nur durchschnittlich aus. Bei der wichtigsten Kultur, dem Apfel, haben Frost, Hagel, Trockenstress und Junifall dazu geführt, dass die Apfelernte kaum höher liegen wird als letztes Jahr.
Aufgrund der Witterung im Juli und August geht die Fruchtgrößenentwicklung beim Apfel weiter und die Erntezeiten nach Sorten dürften rund zwei Wochen früher liegen. In Deutschland wächst nach derzeitiger Kenntnis eine Apfelernte von rund 896.000 Tonnen heran (im Vorjahr 835.000 Tonnen). Das bedeutet eine um 7% größere Erntemenge als im vergangenen Jahr.
Die Europäische Apfelernte wird nach den Ergebnissen des Prognosfruit-Kongresses vom 5. August 2011 auf insgesamt 10.195.000 Tonnen geschätzt. Gegenüber dem Vorjahr mit 9.697.000 Tonnen bedeutet das auf europäischer Ebene ein Plus von 5%. Bei Birnen erwarten wir in Deutschland eine Erntemenge von etwa 40.000 Tonnen. Gegenüber dem Vorjahr mit 39.000 Tonnen bedeutet das ein Plus von 3%. In der Europäischen Union werden mit insgesamt 2.533.000 Tonnen Birnen 12% mehr erwartet als im Vorjahr mit 2.264.000 Tonnen.
Die Süßkirschenernte in Deutschland fällt ebenfalls nur leicht höher aus als im letzten Jahr und dürfte bei knapp 33.000 Tonnen liegen.
Bei Sauerkirschen dürfte die diesjährige Erntemenge bei rund 20.000 Tonnen liegen und damit wiederum nur das mengenmäßig schlechte Ergebnis des Vorjahres erreichen. Fröste und weitere Rodungen haben zu der geringen Erntemenge beigetragen. In diesem Jahr ist aufgrund der wiederum kleinen Ernte eine Vermarktung zu akzeptablen Preisen möglich gewesen. Dennoch bleibt die Sauerkirsche weiterhin eine Problemkultur. Die Pflaumen- und Zwetschgenernte dürfte nach den nur rund 49.000 Tonnen im Vorjahr wieder deutlich höher ausfallen und zwischen 60.000 und 70.000 Tonnen liegen. Nach der mengenbedingt guten Vermarktungssaison 2010 sind die Marktaussichten für dieses Jahr leicht schlechter zu beurteilen.
Die diesjährige Erdbeerernte dürfte wieder um die 160.000 Tonnen gelegen haben, nach 157.000 Tonnen im Vorjahr. Dabei hat die Ernte aufgrund der warmen Witterung deutlich früher begonnen. Ein gleichmäßiger Saisonverlauf hat zu einer guten Marktverteilung und einer ausgeglichenen Versorgungslage über die gesamte Saison geführt. Beim Beerenobst, also Himbeeren, Johannisbeeren und Heidelbeeren, sind die Erntemengen unterschiedlich zu beurteilen. Insgesamt dürften die roten Johannisbeeren leicht über Vorjahr und die schwarzen Johannisbeeren unter Vorjahr liegen und insgesamt damit bei rund 12.000 Tonnen gegenüber 11.900 Tonnen im letzten Jahr. Bei Himbeeren ist wie im letzten Jahr von rund 5.000 Tonnen auszugehen und die Heidelbeeren dürften nach 8.300 Tonnen im letzten Jahr in diesem Jahr bei 9.000 Tonnen liegen.

Gemüse
Der Gemüsemarkt 2011 war und ist gekennzeichnet durch die größte Katastrophe seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl. Die EHEC-Krise hat über vier Wochen den Gemüsemarkt fest im Griff gehabt und die Nachwirkungen spüren wir heute noch. In der Zeit vom 26. Mai bis zum 10 Juni 2011 ist der Verkauf – aufgrund der amtlichen Verzehrswarnung vom 25. Mai 2011 – von Tomaten, Gurken und Blattsalaten fast vollständig zum erliegen gekommen. Insgesamt dürfte der Gemüsemarkt in diesem Zeitraum zur Hälfte betroffen gewesen sein. Die Schäden für die Gemüsebauern liegen um 75 Millionen Euro. Mengenmäßig ist von einer nicht vermarktbaren Menge von rund 100.000 Tonnen auszugehen.
Die Gemüseanbaufläche dürfte sich nach jetziger Einschätzung im Vergleich zum Vorjahr nur wenig verändert haben.
Die Erntesaison 2011 begann bei fast allen Kulturen im ersten Halbjahr deutlich früher als im langjährigen Durchschnitt und sorgte für einen guten Start. Allerdings waren bereits im Frühjahr die Bewässerungskosten extrem hoch. Die meisten Preise lagen dabei auf dem Vorjahresniveau. Und alles deutete auf eine normale Gemüsesaison hin - eben bis zum 25. Mai.
Die Spargelernte 2011 dürfte knapp unter 100.000 Tonnen gelegen haben und damit etwa auf dem Niveau des Jahres 2009. Durch den früheren Beginn der Spargelsaison und die Möglichkeit der Erntesteuerung über die Folie, war die Spargelsaison 2011 mit dem Enddatum 24. Juni, in diesem Jahr etwas länger als sonst. Bei durchschnittlichen Preisen und kontinuierlicher Marktbeschickung ist die Spargelsaison als ordentlich zu bezeichnen. Beim Spargel war die EHEC-Krise so auch nicht feststellbar.
Die Anbauflächen von Zwiebeln wurden im Vergleich zum Vorjahr weiter ausgedehnt und liegen bei rund 9.500 ha gegenüber rund 9.000 ha im Vorjahr. Die Erntemenge bei Zwiebeln wird alleine aufgrund der ausgedehnten Flächen höher ausfallen als im Vorjahr. Die Erntemenge dürfte damit die 400.000 Tonnen-Grenze übersteigen. Anfang August stehen die Bestände auf den Feldern gut. Die regenreiche Witterung schränkt die Erntemöglichkeiten aber ein.
Bei Möhren werden voraussichtlich um 500.000 Tonnen eingefahren werden. Der Anbau von Salaten 2011 hat nun wirklich alle Höhen und Tiefen durchgemacht. Die EHEC-Krise hat gerade im Salatanbau die deutlichsten und nachhaltigsten Spuren hinterlassen. Zwar war der Saisonstart recht vielversprechend, doch aus der Krise hat sich der Salatmarkt bis zum heutigen Tage noch nicht erholt.
Im Unterglasanbau haben sich die Preise für Salatgurken und Tomaten nach der EHEC-Krise langsam gefestigt, aber der Vermarktungseinbruch über vier bis sechs Wochen ist in der Saison überhaupt nicht aufzuholen. (Quelle: DBV/BOG)

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