- Startseite
- Mehr...
- Dossiers
- Lubera auf der IPM 2026
- Cooltropics® Winterharte Passionsfrüchte...
Cooltropics® Winterharte Passionsfrüchte: Fortschritte und Ausblick bei der Züchtung von Passiflora incarnata
Das Lubera-Züchtungsprogramm fokussiert darauf, diese robuste Wildart an die Bedingungen des mitteleuropäischen Klimas und die immer kleiner werdenden Hausgärten anzupassen. Das Ziel: Winterharte Passionsfrüchte mit gutem Geschmack, die früher austreiben, kompakter wachsen, selbstfruchtbar sind und bereits im Spätsommer reifen – perfekt für moderne Genuss- und Ziergärten.
Warum ist Passiflora incarnata der ideale Kandidat für winterharte Passionsfrüchte?
Passiflora incarnata verfügt über ein weitläufiges Verbreitungsgebiet im Südosten der USA und eine entsprechend hohe genetische Variabilität. Diese Vielfalt eröffnet grosse züchterische Möglichkeiten, denn die Art bringt essbare und oft aromatische Früchte hervor – deren Qualität zwar stark schwanken kann, aber insgesamt ein vielversprechendes Ausgangsniveau bietet
Anders als die tropischen Passionsblumen wächst P. incarnata als winterharte Staude: Der oberirdische Teil der Pflanze stirbt im Herbst vollständig ab, während der Wurzelstock im Boden überdauert und im Frühjahr zuverlässig neu austreibt. Diese Anpassung macht die Art extrem frosttolerant; Temperaturen bis etwa –20 °C übersteht sie ohne Schwierigkeiten.
In Nordamerika wurde Passiflora incarnata bereits vor rund 4’000 Jahren genutzt und kultiviert. Captain John Smith beschreibt 1607 bei der Gründung der Jamestown-Kolonie die Landwirtschaft des Powhatan-Stammes, der die Art anbaute und verzehrte. Er verglich die Frucht in seinem Bericht mit einem Granatapfel. Archäologische Funde bestätigen, dass die Art über weite Regionen hinweg verbreitet war und sowohl gesammelt als auch gezielt kultiviert wurde.
Lubera Züchtungsziele für Cooltropics® winterharte Passionsfrüchte
Passiflora incarnata steht noch am Beginn des Domestikationsprozesses und besitzt aus gärtnerischer Sicht noch negative Eigenschaften von Wildpflanzen. In Lubera Züchtungsprojekt wird laufend an der Verbesserung der winterharten Passionsfrüchte gearbeitet, um sie besser an das mitteleuropäische Klima anzupassen. Folgende Züchtungsziele wurden von Lubera
definiert:
-
Guter Geschmack: Das Fruchtfleisch soll aromatisch sein und neben einem hohen Zuckergehalt auch ausreichend Säure beinhalten. Das Aroma der aktuellen Lubera-Sorten Cooltropics® ‘Snowstar’® und Cooltropics® ‘Eia Popeia’® erinnert an Zitrus und Ananas.
-
Früherer Austrieb: Die aktuellen Sorten treiben Ende Mai aus. Lubera arbeitet deshalb an Sorten, die 3-4 Wochen früher austreiben. Ein noch früherer Austrieb vor Anfang Mai ist indes wegen der Spätfrostgefahr nicht wünschenswert.
-
Frühere Fruchtreife: Aktuelle Sorten reifen im Freiland Ende September. Die Lubera-Züchtung arbeitet zurzeit an frühen Sorten, die schon im August reifen.
-
Selbstfruchtbarkeit: Die aktuellen Sorten sind auf Fremdbefruchtung angewiesen. Die Züchtungsfortschritte von Lubera lassen aber hoffen, dass neue Sorten bald auch ohne eine zweite Pflanze Früchte bilden.
-
Kompakter Wuchs: Neue Sorten sollen dank kürzerer Internodien etwas schwächer wachsen.
-
Besonders attraktive, grosse Blüten: Die aktuellen Sorten von Lubera begeistern bereits mit ihren prachtvollen Blüten. Die kommenden Züchtungen sollen jedoch mit noch größeren, eindrucksvolleren Blüten überzeugen, die sich klar von den bestehenden Sorten unterscheiden und dem Sortiment eine neue visuelle Vielfalt verleihen.
-
Samenhärte und Samengrösse: Für ein angenehmes Esserlebnis sollen die Samen möglichst klein und weich sein.
-
Ertrag und Fruchtgrösse: Die Früchte der aktuellen Sorten wiegen etwa 30–40 Gramm. Einige aktuelle Sortenkandidaten von Lubera überzeugen bereits mit deutlich grösseren Früchten.
-
Mehr Arillus (Fruchtfleisch um die Samen): Die Früchte sollen gut gefüllt sein und einen hohen Anteil an Fruchtfleisch besitzen.
-
Attraktive Färbung: Meistens bleiben die Früchte von Passiflora incarnata auch bei Reife grün, der Arillus ist meist weiss bis hellgelb gefärbt. Eine gelb gefärbte Schale und ein intensiver gefärbter Arillus würden die Früchte optisch attraktiver machen.
-
Haltbarkeit: Aktuelle Sorten halten sich etwa eine Woche im Kühlschrank. Dabei verflüchtigt sich das Aroma, die Säure wird abgebaut und der Geschmack wird schal, teilweise entwickelt sich ein unangenehmer Beigeschmack. Überraschende Variabilität auch in diesem Punkt: Einige Sortenkandidaten halten sich mehrere Wochen, ohne an Qualität einzubüssen.
Wie schmecken Cooltropics® Winterharte Passionsfrüchte?
Das wichtigste Kriterium bei der Züchtung dieser neuen Obstart ist selbstverständlich der Geschmack. Die Fruchtqualität der Früchte von Passiflora incarnata variiert, gut schmeckende Passionsfrüchte vereinen eine aromatisch-exotische Note mit saftiger Süsse und einer feinen, zitrusartigen Säure. Je nach Sorte, Reifegrad und Standort kann das Aroma variieren; manchmal erinnert es sogar an Erdbeeren, Ananas oder Banane. Für ein ausgewogenes Geschmacksprofil sind ein hoher Zucker- und zugleich ein ausreichend hoher Säuregehalt wichtig – fehlt die Säure, wirken die Früchte schnell flach und wenig spannend. Die aktuellen Sorten von Lubera zeigen bereits ein ausgezeichnetes Aroma. Neue Sortenkandidaten sollen geschmacklich mindestens an dieses Niveau anknüpfen – oder es im Idealfall übertreffen.
Welche Merkmale braucht Passiflora incarnata, um im mitteleuropäischen Hausgarten optimal zu funktionieren?
Die Herkunft aus kontinentalem Klima mit sommerlicher Hitze und winterlicher Kälte macht P. incarnata grundsätzlich robust und frosthart. Allerdings sind die Sommer in Mitteleuropa oft zu kurz und zu kühl, sodass die Pflanze nicht immer genügend Zeit für die Fruchtreife hat. Die Lubera-Züchtung entwickelt Passiflora incarnata deshalb so weiter, dass sich die Art optimal für das mitteleuropäische Klima und die zunehmend kleiner werdenden Hausgärten eignet. Dafür müssen noch einige Eigenschaften verbessert werden. In diesem Jahr konzentriert sich Lubera vor allem auf frühe Reife und Selbstfruchtbarkeit.
Früh reifende Passionsfrüchte
Das Wachstum von Passiflora incarnata beginnt erst bei relativ hohen Temperaturen – ein Schutzmechanismus gegen bittere Winterkälte im Herkunftsgebiet. In Mitteleuropa führt das dazu, dass die Pflanze oft erst Ende Mai, manchmal sogar erst im Juni austreibt. Bevor sie Blüten und Früchte versorgen kann, muss sie zunächst ausreichend Blattmasse aufbauen. Die ersten Blüten erscheinen rund vier Wochen nach dem Austrieb, und von der Blüte bis zur erntereifen Frucht vergehen weitere 90
Tage. Diese Ausgangslage führt zu folgenden Zuchtzielen: eine deutlich frühere Reife und geringerer Wärmebedarf, damit auch in Jahren mit kühlen Sommern (wie 2025) und in Regionen mit rauem Klima zuverlässig Früchte ausreifen können. Der nass-kalte Sommer 2025 erwies sich für die Selektion früher reifender Passionsfrüchte als besonders hilfreich und bot ideale Bedingungen. Als Mindestanforderung gilt in der Lubera-Züchtung, dass die Früchte im Freiland spätestens Mitte September reifen müssen. 2025 erfüllten nur vier Selektionen dieses Kriterium – vermutlich auch deshalb, weil die Pflanzen erst im Frühjahr ausgepflanzt wurden und deshalb noch nicht ihr volles Potenzial zeigen konnten.
Selbstfruchtbarkeit
Da Hausgärten immer kleiner werden und oft kein Platz für zwei Pflanzen vorhanden ist, soll eine ideale Passiflora auch ohne Fremdbefruchtung zuverlässig Früchte tragen.
Die allermeisten Exemplare von Passiflora incarnata sind selbstinkompatibel – sie können ihren eigenen Pollen also nicht zur erfolgreichen Befruchtung nutzen. Obwohl die Pflanze viele Blüten mit reichlich Pollen bildet, führt Selbstbestäubung in der Regel nicht zu Fruchtansatz. Verantwortlich dafür ist ein genetisch gesteuerter Mechanismus, der das Wachstum des eigenen Pollenschlauchs unterbindet und damit eine Selbstbefruchtung verhindert. Dieses System sichert in natürlichen Populationen die genetische Vielfalt, erschwert im Hausgarten jedoch den zuverlässigen Fruchtertrag. Für eine sichere Ernte benötigt P. incarnata deshalb normalerweise die Bestäubung durch eine genetisch unterschiedliche, zweite Pflanze, doch es gibt Ausnahmen. Um solche seltenen Individuen zu finden, haben die Züchter bei Lubera rund 1’000 Blütenknospen mit feinen Netzbeuteln eingepackt und dadurch jegliche Insektenbestäubung ausgeschlossen. Aus diesem Test entwickelten sich etwa 40 reife Früchte; einige Ansätze fielen vorzeitig ab, andere waren nicht oder schlecht gefüllt.
Dieser Selbstfruchtbarkeitstest ist ziemlich streng, da der Pollen nur von selbst oder durch Hilfe des Windes auf die Narbe kommen kann. Wir gehen deshalb davon aus, dass alle Pflanzen, die Früchte angesetzt haben, tatsächlich selbstfruchtbar sind und mit Unterstützung von Insekten im Garten auch ohne Fremdbefruchtung erst recht reife Früchte bilden.
Weitere Zuchtziele
Wenn diese zentralen Zuchtziele – frühe Reife und Selbstfruchtbarkeit – erreicht sind, konzentrieren sich die Lubera-Züchter stärker auf die übrigen Kriterien:
-
Kompakter Wuchs: Viele Passionsblumen wachsen sehr stark und bilden lange Triebe sowie weitreichende Wurzelausläufer. Für den Hausgarten brauchen wir jedoch Sorten, die kompakt bleiben und nur wenig Ausläufer bilden.
-
Samenhärte und Samengrösse: Für ein angenehmes Esserlebnis sollen die Samen möglichst klein und weich sein.
-
Ertrag: Auch wenn der Ertrag im Hausgarten weniger entscheidend ist als im Erwerbsanbau, möchten wir Sorten entwickeln, die eine gute und verlässliche Ernte ermöglichen.
-
Mehr Arillus (Fruchtfleisch um die Samen): Die Früchte sollen gut gefüllt sein und einen hohen Anteil an Fruchtfleisch besitzen.
Wer sich noch detaillierter über den aktuellen Stand der Züchtung informieren will und gespannt ist, welche Sortenkandidaten als nächstes lanciert werden, konsultiert am besten den separaten Artikel im Gärtnerbuch von Lubera Edibles.

Kommentare (0)
Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.