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Krieg in der Ukraine
Der seit 2014 andauernde und vor Kurzem eskalierte Konflikt in der Ukraine wirkt sich auf alle Teile unserer Gesellschaft und Wirtschaft aus. Auch der Gartenbau, Obst- und Gemüseerzeuger, Importeure, Maschinenhersteller und viele weitere Bereiche der Grünen Branche spüren die Auswirkungen des Krieges. Einige europäische und internationale Unternehmen unterstützen solidarisch die Ukraine und die vielen tausende Flüchtenden Menschen, die Anderenorts Schutz suchen.
Hinweis der Redaktion: In diesem Dossier finden Sie gesammelte Meldungen von Unternehmen, Organisationen oder anderen Akteuren, die im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt ihre Auswirkungen feststellen oder ihre Reaktion darstellen.
Nachrichten zum Ukraine-Krieg
Heidelbeerernte: Regional ist das wahre Bio
„Deutschland – und besonders Niedersachsen – produziert die besten Heidelbeeren weltweit“, betont Felix Koschnick, Leiter der Versuchsstation Beerenobst Langförden der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. „Nicht die größten oder schönsten, aber die qualitativ hochwertigsten – gemessen an den in Deutschland strengen Umweltauflagen, Produktionsbedingungen und Kontrollen der Offizialstellen und des Lebensmitteleinzelhandels (LEH).“
Der Ernteverlauf war in diesem Jahr alles andere als gleichmäßig: Nach einem guten Start folgte eine Hitzewelle, ehe vier Wochen Regen die Beerensträucher dauerhaft feucht hielten. „Diese Kombination hat die Organisation in den Betrieben erschwert. Wir mussten wetterabhängig pflücken“, so Koschnick. Die Ernte begann vielerorts eine Woche später als im Vorjahr und endet mancherorts früher – wenngleich bis Ende August, in späten Lagen wie der norddeutschen Tiefebene mit den späten Sorten sogar bis Mitte September, noch gepflückt wird. Gegen Saisonende fehlen häufig Erntehelfer, da viele studentische Kräfte mit Studienbeginn ausscheiden und auch die Stammpflücker mit abnehmender Erntemenge anfangen abzureisen.
Neben der Witterung belastet die wirtschaftliche Lage die Heidelbeerbetriebe schwer. Die Verbraucherpreise im Lebensmitteleinzelhandel liegen über dem Vorjahresniveau. „Trotz guter Preise kommt beim Anbauer nahezu nichts an“, kritisiert Koschnick. Handelsmargen und gestiegene Kosten im LEH zehren den Gewinn auf, die Erzeugerpreise bleiben teilweise unterhalb der Kostendeckung. Besonders der gesetzliche Mindestlohn drückt: „Heidelbeerernte ist viel Handarbeit, der Lohnkostenanteil liegt bei 60 bis 70%. Wenn wir Pflückern nicht gute Bedingungen bieten, kommen sie nicht – und mit dem geplanten Anstieg auf 15 Euro Mindestlohn wird es für viele Betriebe existenzbedrohend.“ Die Heidelbeere sei mittlerweile eine Marktfrucht und ganzjährig im Handel verfügbar, stellt Koschnick fest. „Sie wird zeitgleich zu unserer deutschen Ernte in Ländern produziert, deren Mindestlohn weit unter der Hälfte des unsrigen liegt oder es teilweise keinen Mindestlohn gibt. Damit müssen wir auf dem Markt konkurrieren!“, führt der 50-Jährige aus.
Für Koschnick steht fest: „Unsere Dauerkulturen sind klimatechnisch im Vorteil. Heidelbeersträucher bleiben über Jahrzehnte stehen, erhöhen die Biodiversität und schonen den Boden. Viele Plantagen werden meistens erst nach 25 Jahren nachgepflanzt oder umgenutzt. Hinzu kommen strenge Pflanzen- und Umweltschutzauflagen, die in vielen Herkunftsländern nicht existieren – und die Sicherheit, dass heimische Früchte ohne Kinderarbeit mit Mindestlohn, daher ethisch korrekt geerntet werden. Somit lässt sich sagen: Regional ist besser als Import-Bio aus Übersee.“
Während in den Wintermonaten große, importierte Beeren den Markt bestimmen, setzt sich auch in Niedersachsen ein Sortenwandel hin zu größeren, aber weiterhin aromatischen Früchten durch. „Unsere Beeren sind knackig, saftig und führen im Mund zu einer wahren Geschmacksexplosion“, schwärmt Koschnick. Das weiß auch der Verbraucher: Die Nachfrage bei den Direktvermarktern liegt noch über dem Vor-Corona-Niveau – dennoch bleibt die Ernte ein Drahtseilakt. Besonders Selbstpflückbetriebe spüren jeden Regentag direkt an der Kasse. „Beeren werden dann gegessen, wenn auch Eis gegessen wird“, weiß Koschnick – und hofft auf sonnige Tage, damit die heimische Heidelbeere weiter ihren Platz im Markt behaupten kann. (LPD)

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