Krieg in der Ukraine

Der seit 2014 andauernde und vor Kurzem eskalierte Konflikt in der Ukraine wirkt sich auf alle Teile unserer Gesellschaft und Wirtschaft aus. Auch der Gartenbau, Obst- und Gemüseerzeuger, Importeure, Maschinenhersteller und viele weitere Bereiche der Grünen Branche spüren die Auswirkungen des Krieges. Einige europäische und internationale Unternehmen unterstützen solidarisch die Ukraine und die vielen tausende Flüchtenden Menschen, die Anderenorts Schutz suchen.

Hinweis der Redaktion: In diesem Dossier finden Sie gesammelte Meldungen von Unternehmen, Organisationen oder anderen Akteuren, die im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt ihre Auswirkungen feststellen oder ihre Reaktion darstellen.

Nachrichten zum Ukraine-Krieg

FNR: Wenn Eichen und Kiefern der Kahlfraß droht

Massenvermehrungen bestimmter Insektenarten können durch Kahlfraß – gerade in trockenheitsgefährdeten Eichen- und Kiefernwäldern – erhebliche Schäden verursachen. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist allerdings trotz Schädlingsmonitoring und Risikoabwägung umstritten.

Mit Massenvermehrungen des Eichenprozessionsspinners muss im Zuge des Klimawandels hierzulande häufiger gerechnet werden. Derartige Kalamitäten führen nicht nur zur Schwächung von Eichenbeständen, die Larven der Schmetterlingsart Thaumetopoea processionea L können mit ihren Brennhaaren bei Menschen und Tieren allergische und toxische Reaktionen auslösen. Foto: Katrin Möller.

Im Forschungsvorhaben „Artemis“, gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), haben Forschende Werkzeuge für ein anpassungsfähiges Risikomanagement entwickelt, das Waldschutz-Informationen liefert und die Forstpraxis bei Monitoring, Prognose sowie Entscheidungen für oder gegen einen Pflanzenschutzeinsatz unterstützt.

Das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde, die Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern, die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und die agrathaer GmbH starteten das Forschungsvorhaben „Artemis“ 2019 mit dem Ziel, ein adaptives Risikomanagement in trockenheitsgefährdeten Eichen- und Kiefernwäldern mit Hilfe integrativer Bewertung und angepasster Schadschwellen zu entwickeln.

Dazu analysierten sie historische Schadereignisse, katalogisierten länderübergreifende Daten in einer Geodatenbank, ermittelten in Umfragen und Interviews mit Betroffenen ein umfassendes Meinungsbild zu Waldschutz sowie Pflanzenschutzmitteleinsatz und erarbeiteten in Expertenworkshops Beispiellösungen. Neben regionalen Klimadaten wurden auch Möglichkeiten der Fernerkundung einbezogen.
Schwerpunkt war eine intensive Literaturrecherche, mit der die Entscheidung für oder gegen Pflanzenschutzmaßnahmen, also für oder gegen Kahlfraß, im Hinblick auf die Waldökosystemleistungen analysiert wurden. Anhand der artspezifischen Auswirkungen blatt- und nadelfressender Insekten wurden die Voraussetzungen geschaffen, Schadschwellen differenzierter festlegen zu können.

Webtool als Entscheidungshilfe

Im Ergebnis liegt nun ein Webtool vor, das fachlich fundiert und detailliert mögliche Konsequenzen eines Pflanzenschutzmitteleinsatzes bzw. -verzichts aufzeigt und so nachvollziehbare und schlüssige Entscheidungen fördert. Das „Artemis“-Webtool, das zudem den sachlichen Diskurs zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Forst befördert, steht auf der Projektwebseite zur Verfügung.

Daneben entwickelte das Projektkonsortium zwei neue Waldschutzverfahren, die in Bayern bereits in die Praxis überführt wurden: ein sechsstufiges Eichen-Vitalitätsmonitoring vom Einzelbaum bis zum Gesamtbestand sowie ein Fitnessmonitoring für Schwammspinnerpopulationen ab dem Kulminationspunkt einer Massenvermehrung. Zudem wurde das in Großbritannien am akuten Eichensterben beteiligte Bakterium Brenneria goodwinii erstmals in Bayern nachgewiesen. Die Ergebnisse werden derzeit verifiziert. Genetische Untersuchungen unterstützen überdies die These, dass für das seit ca. 1990 verstärkte Auftreten des Eichenprozessionsspinners in Deutschland klimatische Faktoren ausschlaggebend sind und nicht die Einwanderung oder Einschleppung aus Österreich, Frankreich oder den Niederlanden.

Zur Prävention von Massenvermehrungen des Kiefernspanners empfehlen die Projetbeteiligten die Herstellung einer geeigneten Krautschicht und die Beimischung von Laubbaumarten. Außerdem wurde die Schadschwelle für den Kiefernspanner bei der Winterbodensuche angepasst.
Zudem wurde ein automatisiertes Tool zur Erkennung von Blattverlusten in Laubwäldern anhand von Sentinel-2-Daten erstellt, um den Waldzustand in Vorjahren ohne Freilandaufnahmen zu beurteilen. Multispektrale Sentinel-2-Daten erleichtern dabei die Detektion von mittleren bis starken Nadelverlusten an Kiefern. Zur Modellierung des Nadelverlusts eignen sich LiDAR-Daten aufgrund ihrer effizienteren Prozessierung besser als Hyperspektraldaten.

Aus Sicht der Forschenden ist im Übrigen der aktuelle Rahmen des Pflanzenschutzrechts mit Aussparung der Waldränder bei der Behandlung nicht ausreichend, um Eichenwälder vor teils massiven Schäden zu bewahren. Noch im Jahr der Maßnahme kann eine Wiederbesiedelung der gesamten Waldfläche vom unbehandelten Rand her erfolgen. (FNR)

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