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Krieg in der Ukraine
Der seit 2014 andauernde und vor Kurzem eskalierte Konflikt in der Ukraine wirkt sich auf alle Teile unserer Gesellschaft und Wirtschaft aus. Auch der Gartenbau, Obst- und Gemüseerzeuger, Importeure, Maschinenhersteller und viele weitere Bereiche der Grünen Branche spüren die Auswirkungen des Krieges. Einige europäische und internationale Unternehmen unterstützen solidarisch die Ukraine und die vielen tausende Flüchtenden Menschen, die Anderenorts Schutz suchen.
Hinweis der Redaktion: In diesem Dossier finden Sie gesammelte Meldungen von Unternehmen, Organisationen oder anderen Akteuren, die im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt ihre Auswirkungen feststellen oder ihre Reaktion darstellen.
Nachrichten zum Ukraine-Krieg
Bio-Branche: Pestizide gefährden Koexistenz
Beim Anbau von Bio-Lebensmitteln ist der Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden grundsätzlich nicht erlaubt. Eine vom Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft (BEL) und dem Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) aktuell in Auftrag gegebene Kurzstudie zeigt gleichwohl, dass von 2019 bis 2022 in über 7% Bio-Rohstoffen (sogenannten Agrarprimärprodukten) Pestizide nachgewiesen wurden. „Die von der Branche selbst auferlegten Orientierungswerte für Pestizid-Nachweise wurden nur sehr selten überschritten. Dennoch zeigt unsere Erhebung, dass eine Übertragung chemisch-synthetischer Pestizide aus der konventionellen Landwirtschaft auf den Ökolandbau im relevanten Ausmaß stattfindet und eine Koexistenz dahingehend nicht funktioniert“, so Dr. Günter Lach von der Lach & Bruns Partnerschaft, welche die Kurzstudie mit Hilfe von anonymisierten Labordaten aus dem relana® Laborzirkel durchgeführt hat.
„Bio-Betriebe sind mit einem relevanten Mehraufwand und damit hohen Mehrkosten belastet, um die 'Reinheit' ihrer Produkte zu beweisen. Denn theoretisch kann jedes Produkt durch Abdrift und Ferntransport kontaminiert sein. Immer wieder kommt es auch vor, dass ganze Ernten unverkäuflich sind“, so Florian Riegel, Bio-Unternehmer und Mitglied im BEL. Gemeinsam mit dem BNN konkretisiert das BEL seine Forderung nach einem Pestizidschadenfonds, um die finanziellen Verluste auszugleichen und den Wettbewerbsnachteil des Ökolandbaus zu minimieren.
Kathrin Jäckel, Geschäftsführerin des BNN: „Unsere langjährige Erfahrung im BNN-Pestizidmonitoring zeigt einen besorgniserregenden Trend: Die Pestizidbelastungen nehmen stetig zu. Für die Biobetriebe bedeutet dies eine ständig wachsende Belastung. Sie müssen immer mehr Eigenkontrollen finanzieren, um höchste Produktqualität garantieren zu können. Das ist eine ungerechte Mehrbelastung. Wir fordern daher, dass die Verursacher, also die Hersteller chemisch-synthetischer Pestizide, endlich in die Pflicht genommen werden, diesen Nachteil fair auszugleichen.“
Jan Plagge, Präsident Bioland e.V.: „Die deutschen Behörden und die Politik sitzen seit Jahren die Abdriftproblematik aus. In der Zulassung von Pestiziden muss endlich der Schutz derjenigen Bauern in den Fokus gerückt werden, die ohne chemisch-synthetische Pestizide wirtschaften. Ich spreche hier in einem ersten Schritt von einem Anwendungsverbot besonders flüchtiger Wirkstoffe wie den beiden Herbiziden Pendimethalin und Prosulfocarb. Wir warten auch seit 2015 auf das vom BMEL versprochene staatliche Monitoring von Pestizidwirkstoffen in der Luft. Anstatt die Verursacher zu schützen, müssen diese mit in die Pflicht genommen werden. Ein Pestizidschadenfonds kann hier ein Mittel sein, darf die Politik aber nicht von ihren Aufgaben entbinden.

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