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Landesgartenschau Oberhessen: Alte Bäume, besondere Klimawirkung
In den beiden historischen Parks in Bad Salzhausen und Gedern – den Hauptstandorten der Schau - steht nicht die Neugestaltung auf der grünen Wiese im Mittelpunkt, sondern die behutsame Weiterentwicklung gewachsener Freiräume und Gehölzbestände. Der vorhandene Baumbestand bildet das Gerüst der Planung und wird gezielt durch klimaangepasste Zukunftsbäume ergänzt.
Historische Großbäume übernehmen dabei weit mehr als gestalterische Aufgaben. Ihre ausladenden Kronen beschatten Wege und Aufenthaltsbereiche, reduzieren die Aufheizung der Oberflächen und verbessern das Mikroklima durch Verdunstung. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass große Parkbäume über die Transpiration erhebliche Wärmemengen an ihre Umgebung abgeben und dadurch Temperaturen lokal bis zu zehn Grad senken können. Besonders unter geschlossenen Kronendächern entstehen selbst an heißen Sommertagen spürbar kühlere Aufenthaltsbereiche. Alte Parkanlagen werden damit zu natürlichen Klimaanlagen
Historischen Bestand langfristig sichern
Die denkmalgeschützten Parks in Bad Salzhausen und Gedern werden deshalb nicht grundlegend verändert, sondern sorgfältig weiterentwickelt. Ziel ist es, den historischen Gehölzbestand dauerhaft zu erhalten und gleichzeitig die Parks an zukünftige klimatische Anforderungen anzupassen.
Im Schlosspark Gedern ergänzen rund 150 neue Bäume den Bestand. Einen Schwerpunkt bilden z.B. im Klimagarten in Gedern die Nachpflanzungen wie mit Europäische Zürgelbaum (Celtis australis), Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) sowie Tupelobaum (Nyssa sylvatica). Junge Stieleichen (Quercus robur L.) schließen die Lücken innerhalb der historischen Eichenallee. Dadurch bleiben die charakteristischen Sichtachsen und die räumliche Struktur des Landschaftsparks langfristig erhalten.
Neben klassischen Parkgehölzen kommen gezielt klimaangepasste und stadtklimaverträgliche Baumarten zum Einsatz. Gleichzeitig spielte die Biodiversität eine wichtige Rolle bei der Auswahl. Unterschiedliche Arten verringern langfristig die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten sowie klimatischen Extremereignissen.
Experimenteller Klimagarten
Ein besonderes Gehölzkonzept entstand im neuen Klimagarten zwischen Mühlgraben und Mühlbach in Gedern. Der schattige, feuchte Standort besitzt einen nahezu verwunschenen Charakter, der bewusst erhalten werden soll. Hier entschieden sich die Planer für teils experimentelle Gehölze. Dazu gehören unter anderem die Sumpfzypresse (Taxodium distichum) und der Ginkgo (Ginkgo biloba). Ergänzt werden sie durch sogenannte Coppicing-Gehölze, die regelmäßig stark zurückgeschnitten werden und anschließend mit besonders großen Blattstrukturen austreiben. Dadurch entstehen abwechslungsreiche Vegetationsbilder bei gleichzeitig geringem Pflegeaufwand. Im benachbarten Apfelhain werden zudem historische Sorten wie Heuchelheimer Schneeapfel, Gacksapfel und Grüner Fürstenapfel gepflanzt.
Nachpflanzungen im Kurpark
Auch der Untere Kurpark in Bad Salzhausen erhält zusätzliche Gehölze. Insgesamt werden dort unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Vorgaben 39 neue Bäume gepflanzt, darunter zahlreiche Birken (Betula pendula), Krimlinden (Tilia × euchlora) sowie Europäische Lärchen (Larix decidua). Sie ergänzen den historischen Bestand, ohne dessen Charakter zu verändern. Ziel ist vielmehr die langfristige Sicherung der Parkstruktur und ihrer klimatischen Funktionen.
Dass der alte Baumbestand dabei weit mehr ist als eine historische Kulisse, zeigt sich besonders an heißen Sommertagen. Gemeinsam mit Wasserflächen, Gradierwerk, Salzbach beziehungsweise Mühlbach und den neu geschaffenen Wassertretbereichen entstehen vielfältige kühlende Mikroklimate. Die Kombination aus großkronigen Bäumen, Verdunstung und Wasser macht beide Parkanlagen zu klimaresilienten Freiräumen – ein Aspekt, der künftig nicht nur für Landesgartenschauen, sondern für die Freiraumplanung insgesamt an Bedeutung gewinnen dürfte.
Info 1:
Nach Angaben der Technischen Universität München erreicht ein rund 20 Meter hoher, dicht belaubter Baum eine Kühlleistung von bis zu 40.000 Kilowattstunden pro Jahr. Das entspricht ungefähr der Leistung von zehn Klimaanlagen. Satellitendaten belegen außerdem, dass Bäume in Städten die Oberflächentemperaturen – je nach Standort und Baumart – um etwa 0,5 bis mehr als drei Grad Celsius senken können. Direkt unter dichten Baumkronen oder in großen Parkanlagen können sogar Temperaturunterschiede von bis zu zehn Grad (Quelle: Mikroklima: Bäume kühlen Europas Städte stark - science.ORF.at) gegenüber voll besonnten Flächen entstehen. Entscheidend ist dabei nicht allein die Anzahl der Bäume, sondern vor allem ihre Größe.
Info 2:
Durchführungszeitraum der Landesgartenschau Oberhessen: 22. April bis 3. Oktober 2027
Größe der drei Parks: 38 Hektar, insgesamt 1260 m² Wechselflor
Erwartete Besuche: ca. 450.000
Pflanzungen in Bad Salzhausen:
• 920 m2 Wechselbepflanzung in und um die historische Trinkkuranlage
• 2.000 m2 Stauden
Pflanzungen in Gedern:
• 340 m2 Wechselflor
• ca. 2.000 m2 Stauden und Sträucher
Blumenschauen:
• 500 m2; zwölf Blumenschauen im Wechsel in der historischen Trinkkuranlage in Bad Salzhausen
Neue Spielflächen:
• „Fachwerkbaustelle“ in Gedern
• Baumkronenspielplatz in Bad Salzhausen
• inklusives und barrierefreies Spielen in Büdingen mit Calisthenics Anlage
• darüber hinaus entstehen in Büdingen und Gedern Boulebahnen Schaugärten: 8

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