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Im Interview: Wolfgang Becker
Herr Becker, was begeistert Sie an dem friedhofsgärtnerischen Wettbewerb auf Bundesgartenschauen?
Wir haben erstmals 2011 an einer BUGA teilgenommen, in Koblenz. Wir wohnen dort in der Nähe. Damals haben wir einiges an Lehrgeld bezahlt und viel von den Kollegen gelernt. Und man sagt ja entweder: „Einmal BUGA, immer BUGA“, oder: „Einmal BUGA, nie mehr BUGA“. Wir haben uns für die erste Variante entschieden und in uns hat sich der „BUGA-Virus“ ganz tief eingenistet. In Koblenz waren wir im unteren Drittel, aber egal - es hat Spaß gemacht. Bei der igs Hamburg 2013 haben wir uns schon die erste Große Goldmedaille erarbeitet. An der BUGA liebe ich den Austausch mit den Kollegen und das Miteinander. Und eine solche Veranstaltung ist doch eine tolle Werbung für unseren Berufsstand. Wenn wir da nicht zeigen, wofür wir leidenschaftlich brennen, wo denn dann? Gerade bei einer solchen Gartenschau müssen wir zusammenhalten und uns austauschen, und das tun wir voller Überzeugung. Es macht immer Spaß, wenn man ein, zwei Stunden am eigenen Grab gearbeitet hat und einmal herumgeht und den anderen bei ihrer Arbeit zuschaut. Da freut man sich zu sehen, was die anderen gezaubert haben. Und dann beginnt es im eigenen Kopf zu „rattern“ und man bekommt jede Menge neue Ideen. Ich fahre auf eine BUGA, um etwas Schönes zu erschaffen, und wir alle, die wir auf der BUGA arbeiten, müssen gemeinsam ein tolles Bild unseres Berufs abliefern.
Sie haben mit zwei Partnerbetrieben ein einstelliges Grab gestaltet, das hoch prämiert wurde. Wie findet man eine gemeinschaftliche Lösung?
Wir und die Kollegen – die Gärtnerei Vößing aus Heiligenhaus und Schemberg-Garten aus Werdohl - kennen uns schon länger. Vor einiger Zeit kam die Idee auf, gemeinsam an den Start zu gehen. Die Erstanlage haben wir zusammen skizziert, Melanie Vößing hat in ihrem Betrieb ein 1:1-Modell vom Stein gebaut. Dann kam sie mit Uwe Schemberg in unsere Gärtnerei und wir haben das Grabzeichen maßstabsgerecht mit Holz eingefasst und die Position des Steines festgelegt. Danach haben wir uns auf den Japanischen Spindelstrauch (Mitchella repens) als Bodendecker geeinigt und die aufrecht wachsende Kleinblättrige Japanspindel (Euonymus japonicus 'Microphyllus alba'), um den Charakter des Steins aufzunehmen. Der Verstorbene, dem der zerklüftet gestaltete Grabstein gewidmet ist, war gemäß dem Konzept des Steinmetzes ein Freizeit-Kletterer. Diesen kantigen Stein wollten wir gestalterisch aufnehmen. Euonymus ist ja nicht so gerade gewachsen wie andere Bodendecker und bietet Höhen und Tiefen. Unterstützend hierzu wählten wir die Rahmengehölze, Blaufichte (Picea pungens 'The Blues') und den Schuppen-Wacholder (Juniperus squamata 'Blue Star'). Dazu bietet ergänzend der Neuseelandflachs (Phormium tenax 'Dark Delight') Höhe. Die Gehölze nehmen die graue Farbe des Grabsteins auf. Wir haben gemeinsam in unserer Gärtnerei ausprobiert, wie man die Pflanzen optimal stellen kann. Laut Konzept war der Verstorbene in der Stahlindustrie tätig, daran erinnern die rostfarbenen Stahlstangen, die schräg an dem grauen Grabstein lehnen. Für den Wechselflor haben wir daher drei unterschiedlich große Beete gestaltet – die darin verwendeten Farben orientieren sich an den rostfarbenen Stahlstangen des Grabsteins.
Ihre Pflanzungen erinnern immer ein wenig an florale Kunstwerke…
Ich kann eben nicht verleugnen, dass ich nicht nur Friedhofsgärtner, sondern auch Florist bin! Daher haben alle von uns gestalteten Gräber einen gewissen floristischen Einschlag. Die Farb- und Pflanzenkombinationen, die wir auf vielen Bundesgartenschauen gewagt haben, zeigen dies. Und wir arbeiten auch gerne mit Accessoires, aber natürlich nur, wenn es passt. Wir müssen und wollen immer Neues wagen - eine 08/15-Gestaltung ist einfach nicht unsere Sache!
Bei der Preisverleihung der Sommerbepflanzung wurde das einstellige Wahlgrab der Ausstellergemeinschaft mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Vielen Dank!

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