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Im Interview: Markus Hoffmann
Herr Hoffmann, wie war es für Sie, zum ersten Mal bei einer Bundesgartenschau mitzumachen?
Ich hatte schon lange einmal Lust, teilzunehmen. Schließlich mache ich ja auf den von mir gestalteten Gräbern recht ausgefallene Sachen und hatte das Gefühl, dass ich damit gut auf eine Bundesgartenschau passe. Mannheim ist natürlich ein „Heimspiel“, das ich unbedingt als Chance nutzen wollte. Und eine schönere Sache, als sich mit den besten deutschen Friedhofsgärtnern in den Vergleich zu stellen, kann man ja nicht erleben. Es war ein absolutes Miteinander beim Arbeiten. Wenn man das erste Mal mit dabei ist, fühlt man sich ein bisschen wie ein Azubi, weil man sieht, was alles möglich ist. Man kann da nur staunen. Es ist ein besonderes Erlebnis zu sehen, wie die Kollegen an die Grabgestaltung herangehen. Ich habe mich vor Ort intensiv mit ihnen ausgetauscht – viele Kollegen haben mir Tipps gegeben und mir gezeigt, worauf es ankommt. Das war eine absolut tolle Lehrstunde für mich. Trotzdem sind wir mit unserem Stil auch weit gekommen und im Frühjahr als bester Erstaussteller ausgezeichnet worden. Durch den Austausch mit den Kollegen bekommt man viel Sicherheit für das eigene Arbeiten, das war schon sehr wichtig und hilfreich. Vor Ort gerät man fast in eine Art „BUGA- Fieber“ und jeder, der da seine Hausaugaben gemacht hat, bekommt auch einen Preis.
Wie sind Sie mit dem Grabzeichen zurechtgekommen, das Ihnen zugelost wurde?
Ich war begeistert und finde es sehr traurig, dass es keinen Preis bekommen hat. Das kann ich nicht nachvollziehen. Das Grabzeichen zeigt drei Menschen, die durch eine brückenartige Glastreppe über eine Schlucht voneinander getrennt sind und von einem runden Metallbogen überspannt werden. So stehen sie symbolisch über den Tod hinaus miteinander in Verbindung. Alles an dem Grabzeichen verweist auf die Symbolik des Kreises und die Unendlichkeit – dies wollten wir gestalterisch aufnehmen. Schon als ich die Skizze des Grabzeichens sah, wusste ich, das wird toll. Und wenn man sich dann mit dem Stein auseinandersetzt, dann fallen einem die Details auf: dass der Stein hauptsächlich aus Kreisen besteht und aus Bewegung.
Wie haben Sie die Bepflanzung entwickelt?
Vorher habe ich mich mehrfach mit einem Kollegen ausgetauscht, der schon an Bundesgartenschauen teilgenommen hat. So entwickelten sich die ersten Konzeptideen, die ich aber kurz vor der BUGA wieder verworfen habe. Dann habe ich den Grabstein in Originalgröße aus Styropor nachgebaut, das Grab in der Gärtnerei als Modell aufgebaut und neugestaltet. Es entstand die Idee, die geschwungenen Linien des Grabzeichens sowohl mit den Bodendeckern als auch mit dem Wechselflor aufzunehmen. Auch das spiralig gewachsene Gehölz, eine Leyland-Zypresse (Cupressocyparis leylandii 'Gold Rider') nimmt die Bewegung auf – so wie im wirklichen Leben alles in Bewegung ist und niemals alles ganz ruht. Dennoch soll das Grab eine gewisse Ruhe ausstrahlen. Der Wechselflor und auch die Bodendecker sind alle recht farbig und bunt, um in aller Trauer auch eine gewisse Fröhlichkeit zu vermitteln. Das sind im Sommerflor sehr schöne, zitronengelbe Solenia-Begonien, dazu dann dicke gefüllte Begonien in dunkelrot mit fast handflächengroßen Blüten. Darunter haben wir pinkfarbene Dipladenia und blau blühenden Salbei gemischt. Farbe geben auch die Bodendecker – der Bubikopf (Isotoma fluviatilis 'Blue Foot'), der hellblau blüht, dazu die goldene Kriechspindel (Euonymus fortunei 'Emerald'n Gold') und die Heckenmyrte (Lonicera nitida 'Maigrün'), die ebenfalls Farbe liefert.
Die Tendenz geht weg vom klassischen Grab zu anderen Bestattungsformen. Wie beurteilen Sie das?
Die meisten Bestattungen gibt es heutzutage auf Urnengräbern – vielleicht, weil da weniger Fläche zu pflegen ist? Es gibt aber immer noch viele Menschen, die dem traditionellen Friedhof verbunden sind. Ich persönlich wüsste gar nicht, wo ich jemand bestatten sollte, wenn nicht auf dem Friedhof und ich bin auch kein Freund von Verbrennung und Urnen. Mit einer Sargbestattung bleibt man meiner Meinung nach einfach hier auf der Welt im Kreislauf mit allem, was man einmal war!
Bei der Preisverleihung der Sommerbepflanzung wurde die von Markus Hoffmann gestaltete Grabstelle mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.
Vielen Dank!

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