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Im Interview: Johannes Heiser und Susanne Wysocki
Frau Wysocki und Herr Heiser, warum nehmen Sie - neben ihrem sicherlich anstrengenden Arbeitsalltag - an einer BUGA teil?
Heiser: Die Teilnahme an einer Bundesgartenschau spiegelt genau das wider, warum ich überhaupt Gärtner geworden bin: Weil ich etwas kreativ gestalten will! Wenn wir ein Grab auf einer BUGA gestalten, entscheiden unser eigenes Können, wie gut wir pflanzen, und unsere Ideen, welche Pflanzen am besten zu dem jeweiligen Grabzeichen passen. Das sind die einzigen Aspekte, die in diesem Moment unsere Arbeit beeinflussen. Die Zwänge, die man sonst im Alltag hat wie eine Budgetvorgabe oder die Pflanzen- und Farbvorlieben der Kunden, spielen bei einer BUGA keine Rolle.
Bei einer BUGA-Teilnahme kann man voller Leidenschaft experimentieren, kann uneingeschränkt kreativ sein. Auch wenn das Arbeiten vor Ort dann sehr anstrengend und intensiv ist, macht es mich sehr glücklich und ich ziehe viel Kraft daraus, weil ich ganz intensiv spüre, warum ich mich für diesen Beruf entschieden habe. Ich will offen sein für neue Ideen. Wenn ich nur zu Hause unter meinen Kollegen bliebe, gäbe es keine Innovation!
Wysocki: Auf einer BUGA lernt man jedes Mal viel Spannendes hinzu und wir haben dadurch auch unser heutiges Level an Qualität erreicht. Man strengt sich jedes Mal aufs Neue an, probiert vieles und lernt vieles von anderen Friedhofsgärtnern. Indem man sich den kreativen Herausforderungen stellt, die der friedhofsgärtnerische Wettbewerb bietet, wird man natürlich immer besser. Und auf einer Bundesgartenschau können wir der Öffentlichkeit ganz anschaulich und sinnlich zeigen, was an wunderschönen gestalterischen Lösungen auf dem Friedhof möglich ist.
Wie arbeiten Sie bei einer Bundesgartenschau?
Heiser: Ich probiere auf jeder BUGA etwas Neues aus. Wenn man beispielsweise Pflanzen einsetzt, die bei der Grabbepflanzung nicht so häufig verwendet werden, kann das die Punktzahl beim Wettbewerb natürlich steigern. Es kann aber auch sein, dass diese Pflanzen leider innerhalb dieses halben Jahres auf der BUGA kaputtgehen und man mit seiner Idee scheitert – ein gewisses Risiko ist das zwar immer, aber das macht eben auch den Reiz aus. Dieses Mal arbeiten wir – natürlich passend zu dem Grabzeichen, das ja eine Berglandschaft darstellt – mit Pflanzen, die wir zuvor vorher noch nicht verwendet haben: Die kleinen Hinoki-Scheinzypressen (Chamaecyparis obtusa 'Chirimen') haben wir noch nie eingesetzt, aber als ich sie in Holland zum ersten Mal gesehen habe, haben sie mir so gut gefallen, dass ich sie in jedem Fall verwenden musste.
Wysocki: Ja, sie waren einfach zu schön, um sie nicht zu verwenden und manchmal ist es die Liebe zu einer Pflanze, die dann alles über Bord wirft, was man sich vorher gestalterisch überlegt hat! Dann gestaltet man lieber seinen Pflanzplan für ein Grab neu, um diese besondere Pflanze verwenden zu können. Und mit ihrer ein wenig krummen Wuchsform erinnern diese kleinen Nadelbäume an Nadelgehölze, die man wirklich im Gebirge sieht – nur eben in ganz kleinem Maßstab und sie lassen diese Atmosphäre einer Berglandschaft nun auf einem Grab Wirklichkeit werden.
Sie haben im Frühjahr den Ehrenpreis für die große Artenvielfalt in der Wechselbepflanzung erhalten. Was hat Sie bei der Gestaltung geleitet?
Wysocki: Wir wollten als Kontrast zu der eher kargen Anmutung der Gestaltung der Miniatur-Berglandschaft aus Gehölzen und Bodendeckern beim Wechselflor mit vielfältiger Bepflanzung und Farbe nicht kleckern, sondern „klotzen“. Die Artenvielfalt hat sich ergeben, als wir Stück für Stück die Pflanzen zusammengestellt haben und sich so ein sehr lebendiges, farbenfrohes Zusammenspiel aus Farben, Düften und Texturen ergeben hat. Auch beim Sommerflor bleiben wir wieder in einer üppigen Farbkombination aus lila und weiß.
Heiser: Wir nutzen intensiv die tollen Möglichkeiten, die uns unsere Pflanzenproduzenten bieten. Schon Wochen vor der eigentlichen Bepflanzung auf der BUGA bin ich zu unseren verschiedenen Produzenten gefahren, um die Qualität der Pflanzen, mit denen ich arbeiten wollte, genau auszuloten. Das war ein tolles Spiel mit den Möglichkeiten, wir haben jede Menge Pflanzen eingekauft und dann vor Ort die finale Entscheidung getroffen, was wir davon verwenden. Denn was ich zu Hause eingekauft habe, kann manchmal vor Ort auf dem speziellen Platz auf der BUGA ganz anders wirken. Und es ist immer wieder eine tolle Herausforderung, im Wettbewerb mit unseren Kollegen aus ganz Deutschland mit besonderen Pflanzen etwas Einzigartiges zu gestalten!
Vielen Dank!

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