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Im Interview: Hajo Steinmeyer
Für die gezeigten Rhododendren wurde die Baumschule Bruns mit sechs Goldmedaillen sowie dem „Ehrenpreis der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für die Spitzenqualität der Rhododendrenschaupflanzen“ ausgezeichnet.
Herr Steinmeyer, die Baumschule Bruns stellt wieder wertvolle Gehölze aus ihrem Sortiment zur Verfügung, darunter mehrere große, schirmartig gezogene Rhododendren. Wieviel Arbeit steckt in einem solchen Gehölz?
Diese großen Rhododendronschirme, die dreieinhalb bis vier Meter breit und hoch sind, sind geschätzt zwischen fünfundvierzig und fünfzig Jahre alt, so ganz genau lässt sich das nicht immer mit Bestimmtheit sagen. Sie wachsen im Schnitt pro Jahr ca. zehn Zentimeter, je nach Witterung und Kulturbedingungen. Solch wunderschöne Pflanzen heranzuziehen, beruht auf einem langsamen Prozess sorgfältigster Pflege in der Baumschule, der sich über viele Jahre und Jahrzehnte erstreckt. Dafür braucht man die entsprechenden Fachleute und vor allem Zeit. Derart besondere Gehölze kann man nicht am Fließband und innerhalb von wenigen Jahren produzieren. Wenn Menschen bei uns Pflanzen kaufen, dann kaufen sie sich häufig auch Zeit. Diese vierzig, fünfzig Jahre muss der Gartenliebhaber eben nicht mehr warten, wenn er sich einen so großen Rhododendronschirm in seinen Hausgarten pflanzt, pflanzen lässt. Der Kunde erwirbt sich die Zeit, das Fachwissen, die Passion und die Vision eines Gärtners, der bereits vor vierzig Jahren gesagt hat: so schön kann es werden!
Wer in einer Baumschule arbeitet, wird so manchen Baum, den er selbst gepflanzt und gepflegt hat, also gar nicht selbst verkaufen?
Ganz genau. Stellen Sie sich zum Beispiel eine Eiche mit einem Stammumfang von 120 oder gar 140 Zentimetern Stammumfang vor. Diese Eiche ist irgendwann vor vielen Jahrzehnten durch Wilhelm Bruns, den Vater des heutigen Firmenlenkers Jan-Dieter Bruns gepflanzt und in Kultur genommen - nicht wissend, ob er sie zu seinen Lebzeiten noch verkaufen wird. Ob sie nun durch seinen Sohn Jan-Dieter Bruns, den heutigen Firmenlenker, verkauft werden wird oder wiederrum an die Folgegeneration weitergegeben wird, ist möglicherweise nicht gewiss. Solche Bäume können sehr alt werden und sie werden im Alter immer schöner. So bekommt der Begriff des Generationenvertrags, den man ja eigentlich aus der Rentenpolitik kennt, eine ganz andere Dimensionen: Man investiert als Baumschuler auch in die Zukunft seiner Nachkommen. Das ist ein Gedanke von Nachhaltigkeit, der bei Bruns seit Generationen gepflegt wird. Die Kunden wissen das sehr zu schätzen. Wenn Sie heute eine hochwertige Immobilie besitzen und diese eingebettet ist in ein adäquates grünes Umfeld mit edlen, großen und alten Gehölzen, dann heben diese eben auch den Wert des Hauses deutlich.
Wie bereitet man die Gehölze für ihren Auftritt in der Hallenschau vor?
In einer solchen Hallenschau will der Gestalter natürlich ein Maximum an Showeffekt erzielen und dabei helfen wir ihm gern. Die Rhododendren, die wir liefern - neben den erwähnten Rhododendren in Schirmform, sind weitere große Solitär-Pflanzen in der Dimension eines Wagenrades, die mit viel Herzblut und Sachkenntnis für die Eröffnungsschau vorgetrieben worden sind. Konkret bedeutet dies: Die Pflanzen müssen aus dem Freiland hereingeholt und für den Transport vorbereitet werden, bei moderaten Temperaturen frostfrei gehalten und entsprechend belüftet werden, damit keine Krankheiten auftreten. So bringt man sie dazu, dass sie drei bis vier Wochen früher blühen als üblich und zwar alle Pflanzen, die für die BUGA vorgesehen sind, gleichzeitig. Dazu gehört viel Erfahrung und das richtige Tun und Lassen. Der Blütezeitpunkt unserer Pflanzen für die BUGA wurde also genau auf den Punkt vorbereitet, damit sie zu diesem Termin den gewünschten Wow-Effekt in der Halle auslösen. Das alles verlangt viel Fachwissen, Empathie und Passion - wenn einem Gärtner das fehlt, kann er nie ein guter Gärtner werden!
Sind Rhododendren im Garten eigentlich noch zeitgemäß?
Nun, auch Gartenpflanzen unterliegen natürlich gewissen Moden und Trends. In den Gärten unserer Kindheit, in den 70 und 80ern waren beispielsweise sehr häufig Essigbäume (Rhus typhina) anzutreffen. Doch dann sind sie für Jahrzehnte komplett verschwunden. Aktuell erfreuen Sie sich wieder großer Beliebtheit – als große malerische Pflanzen-Skulpturen! Und so ist es auch mit dem Rhododendron, der ja gewisse Ansprüche an den pH-Wert des Bodens hat. Der Standort war für Rhododendren schon immer ein entscheidendes Kriterium. Insofern ist der norddeutsche Bereich und insbesondere die Region des Ammerlandes, in dem auch wir unseren Firmensitz haben, mit seinem maritimen Klima ein idealer Standort für Rhododendren und Azaleen. Einen großen Rhododendronschirm in das Münchener Stadtklima zu pflanzen, war immer schon eine Herausforderung und nur mit den entsprechenden begleitenden Maßnahmen möglich. Das Thema der Rhododendron erlebt derzeit jedoch wieder eine Renaissance durch neue Züchtungen wie 'Bloombux' oder Rhododendron 'Inkarho'. 'Inkarho'-Hybriden sind Rhododendren auf einer Veredelungsunterlage, die auch höhere pH-Werte verträgt, was die Pflanzung auch auf kalkhaltigeren Böden erlaubt. Daneben gibt es seit einiger Zeit den Rhododendron 'Bloombux', der besonders schnittverträglich ist und ebenfalls kalkhaltigere Standorte toleriert. Das gibt dem Rhododendron im Garten heute wieder ein breiteres Anwendungsspektrum als früher und erlaubt wunderschöne Möglichkeiten der Gartengestaltung.
Vielen Dank!

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