Im Interview: Dr. Marc Calmbach

Für die Einhell Do-It-Yourself-Studie 2023 wurden mehr als 2.000 Verbraucher zu ihrer Einstellung rund um Gartenarbeit und Heimwerken befragt. Durchgeführt hat diese Studie das SINUS-Institut Heidelberg/Berlin. Dessen Leiter Dr. Marc Calmbach erklärt im Interview zu welchen Erkenntnissen die Untersuchung geführt hat.

Dr. Marc Calmbach. Bild: Einhell.

Herr Dr. Calmbach, um was geht es in der Einhell Do-It-Yourself-Studie 2023?

Es geht im Kern um die DIY-Affinität in Deutschland heute. Das heißt, wie stehen die Menschen dazu, in Haus und Garten selbst Hand anzulegen? Was motiviert sie dazu, was hält sie davon ab? In diesem Zusammenhang haben wir natürlich auch gefragt, wie gut die Menschen hierzulande ihre handwerklichen Fähigkeiten einschätzen und welche Werkzeuge sie nutzen.

Warum hat Einhell diese Studie in Auftrag geben?

Es gibt nicht viele Studien zum Thema DIY in Deutschland. Einhell möchte dazu beitragen, diese Lücke mit einer wissenschaftlichen Studie zu schließen. Einhell möchte die Insights aber natürlich auch für die Produktentwicklung, das Marketing und den Vertrieb nutzen. Deswegen haben wir zum Beispiel auch gefragt, welche Werkzeuge für DIY-Aktivitäten heute tatsächlich genutzt werden, worauf die Menschen beim Werkzeugkauf achten und über welche Quellen sie sich informieren.

Womit beschäftigen Sie sich sonst noch in der Forschungsarbeit?

Das inhaltliche Spektrum unserer Arbeit reicht von A wie Armbanduhren bis Z wie Zukunftsszenarien. Wir führen ad-hoc- Marktforschung ebenso durch wie mehrjährige Sozialforschungsstudien. Wir bieten fokussierte Regionalstudien ebenso wie vergleichende Mehrländerstudien. Zwei Beispiele: Wir ermitteln und beschreiben für Kommunen z.B. Zielgruppen für das Stadtmarketing. Wir machen aber auch Untersuchungen dazu, wie es in verschiedenen Teilen der Welt um das Freiheits- und Demokratieempfinden der Menschen steht. Auch bei der Art der Veröffentlichung decken wir ein breites Spektrum ab: Wir liefern kompakte Expertisen ebenso wie Video-Reportings oder ziegelsteindicke Publikationen. Ich denke hier zum Beispiel an unser 600-Seiten-Buch „Wie ticken Jugendliche 2022?“ – dieses Projekt ist Teil einer Studienreihe, die alle vier Jahre erscheint und viel mediale Aufmerksamkeit erfährt.

Welche Erkenntnisse lassen sich am Ende aus der Studie für die Zukunft herauslesen?

Die Affinität zu Do-It-Yourself ist hoch in Deutschland. Zwei Beispiele dazu, wie wir zu diesem Schluss kommen: Die Mehrheit der Menschen im Lande sagt über Heimwerken und Gartenarbeit, dass sie das fürs Leben gerne machen. Und ein noch größerer Anteil (70 %) stimmt der Aussage „Selbermachen ist Ehrensache“ zu. Qualitativ hochwertige Elektrowerkzeuge spielen dabei eine
wichtige Rolle. Das Marktpotential ist enorm. Bei der Anschaffung von Akkugeräten sind viele Befragte zwar noch zurückhaltend, aber gerade die jungen Zielgruppen sind Akku-affin und bereit, dafür Geld auszugeben.

Welche Methode haben Sie für die Einhell Do-It-Yourself-Studie 2023 eingesetzt? Wie ist da genau der Ablauf und welche Aussagekraft haben die Ergebnisse?

Durchgeführt wurde eine Online-Erhebung in der deutschsprachigen Wohnbevölkerung ab 18 Jahren, die durch eine qualitativ-psychologische Pilotstudie vorbereitet wurde. Die Stichprobe von insgesamt 2.170 Befragten ist bevölkerungsrepräsentativ, das heißt die Ergebnisse können hochgerechnet und verallgemeinert werden.

Das Thema Garten und Heimwerken ist ja ein sehr weites Feld. Nach welchen Kriterien haben Sie die Teilnehmer für die Einhell Do-It-Yourself-Studie 2023 ausgewählt?

Weit über die Hälfte der Bevölkerung beschäftigt sich regelmäßig mit Heimwerken bzw. Gartenarbeit. Wir durften also bei unserer Studie niemanden ausschließen und haben uns deshalb für eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobe entschieden. Für die Rekrutierung der Befragten wurde eines der großen Online-Panels in Deutschland genutzt.

Im Rahmen der Studie haben Sie sicherlich eine Vielzahl an Meinungen und Erkenntnissen gewonnen. Was sind im Kern die wesentlichen Ergebnisse der Studie?

> Unabhängig von demografischen Merkmalen sind über die Hälfte der Deutschen an Heimwerken und Gartenarbeit interessiert. Die Mehrheit ist auch immer auf der Suche nach neuen Projekten in Haus und Garten.
> Obwohl man Spaß an DIY hat, werden die eigenen DIY-Kompetenzen im Durchschnitt nur als mittelmäßig eingestuft. Die persönlichen Fähigkeiten bei der Gartenarbeit werden etwas besser bewertet als die Heimwerker-Skills.
> Bei der Neuanschaffung von Geräten für das Heimwerken und die Gartenarbeit achtet man v.a. auf drei Aspekte: Langlebigkeit des Produkts, Nutzerfreundlichkeit bzw. Handhabung und bei Akkugeräten auf die Akkulaufzeit. Von klar nachrangiger Bedeutung beim Werkzeugkauf sind hingegen ästhetische Aspekte und PrestigeMotive.

Sie haben den verstärkten Wechsel zur Akku-Technologie schon angesprochen. Wie werden mobile Technologien in Zukunft das Leben im Garten und beim Heimwerken verändern?

Die Umstellung auf Akkugeräte ist in Gang und wird sich nach unserer Einschätzung noch beschleunigen. Denn die jüngeren Befragten besitzen heute bereits mehr Akkugeräte als konventionelle Geräte. Entscheidend ist die Bedienerfreundlichkeit und das Freiheitsgefühl, die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, die Akkugeräte vermitteln. Gegen eine Umstellung auf Akkugeräte spricht vor allem, dass die aktuell vorhandenen Geräte noch funktionieren.

Was an der Studie empfinden Sie als einzigartig?

Nach unserer Kenntnis wurde der Bereich der DIY-Motive und Barrieren bisher noch nicht annähernd so gründlich quantitativ erforscht, wie wir es mit dieser Studie getan haben. Das Spektrum der von uns erfassten Motive reicht von Selbstbestätigung über körperliche Fitness bis hin zu Anti-Perfektionismus und Ausbrechen aus den Zwängen des Alltags.

Was hat Sie an den Ergebnissen der Studie besonders überrascht?

Überraschend war für uns, dass ganz viel fürs Selbermachen in Haus und Garten spricht, und dass es eigentlich kaum ernstzunehmende Barrieren gibt. Was die Menschen vor allem abhält, ist fehlende Zeit. Wir haben auch gefragt, was man machen würde, wenn man die eigenen DIY- Kompetenzen verbessern möchte. Es gibt für die meisten hier nur zwei Wege: Video-Tutorials (v.a. die Jüngeren) und den Rückgriff auf den Freundes- und Bekanntenkreis. Überraschend fanden wir, dass nur die wenigsten auf die Expertise von Profis zurückgreifen würden. Zugespitzt formuliert: DIY eigenet man sich über DIY an.

Bei welchen Studienergebnissen gingen die Sichtweisen der Teilnehmer denn am weitesten auseinander?

Das Meinungsbild in der Bevölkerung zum Thema DIY ist vergleichsweise homogen. Die Motive fürs Selbermachen hängen nur bedingt mit Geschlecht, Alter und Bildung der Befragten zusammen. Für Frauen sind Rückzugs-Motive und die Möglichkeit, schöpferisch und gestalterisch tätig zu sein, bedeutsamer als für Männer. Männer sind technikaffiner und nutzen eher elektrische bzw. motorgetriebene Werkzeuge.

Welche Rolle spielt die Tatsache, dass Frauen mindestens so motiviert sind wie Männer, wenn es darum geht, zu Bohrer und Heckenschere zu greifen?

Nach wie vor gibt es beim Selbermachen bestimmte Geschlechterunterschiede. So sind Männer besonders bei Heimwerkeraufgaben oft erfahrener als Frauen und auch entsprechend selbstbewusster. Das gilt weniger für Gartenarbeiten, wo sich Männer und Frauen meist kaum in ihrer Erfahrung und ihrem Selbstzutrauen unterscheiden. Auch wenn die alten Geschlechterrollenklischees teil-
weise noch nachwirken, ist die Emanzipation soweit fortgeschritten, dass heute das Motto „Selbst ist die Frau“ uneingeschränkt Geltung hat.

Vielen Dank!

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.