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Im Interview: Dorothea Basqué
Frau Basqué, wie viele Auszubildende zum GaLaBau unterrichten Sie derzeit?
Insgesamt haben wir über die drei Ausbildungsjahre im Gartenbau derzeit mehr als 250 Schülerinnen und Schüler. Rund drei Viertel davon sind in Ausbildungen zum Garten- und Landschaftsbau. Diese Tendenz verstärkt sich seit vielen Jahren: Der GaLaBau ist mit weitem Abstand die beliebteste Sparte innerhalb der sieben gärtnerischen Fachrichtungen. Die meisten Auszubildenden sind nach wie vor männlich. Erfreulicher Weise haben wir zwar auch immer wieder junge Frauen in den Klassen, aber deren Anteil darf gerne größer werden!
Mit welchen Erwartungen und Wünschen gehen die jungen Menschen in den Beruf?
Das ist sehr unterschiedlich. Zunächst muss man berücksichtigen, dass die Auszubildenden sehr verschiedene Bildungshintergründe haben. Da gibt es Ältere, die z.B. schon andere Ausbildungen absolviert oder ein Studium angefangen hatten und erst spät auf den GaLaBau gekommen sind. In dieser Gruppe sind oft hochmotivierte Menschen, die die Welt verbessern wollen, die Themen wie Klimaanpassung und Biodiversität im Fokus haben. Daneben gibt es häufig Auszubildende, die einen direkten Bezug zur Branche haben, etwa weil die Eltern oder nahe Verwandte Betriebe haben oder im GaLaBau arbeiten. Und es gibt natürlich auch Schülerinnen und Schüler, die ohne allzu hohe Erwartungen in die Ausbildung gegangen sind, zum Beispiel einfach nur, weil sie im Schulpraktikum Spaß an der Arbeit mit Maschinen und Geräten erlebt haben. Übrigens gibt es leider immer wieder auch bis zu 20 Prozent, die die Ausbildung abbrechen, weil sie sich nicht zurechtfinden oder etwas anderes erwartet haben.
Wie sieht es aus mit dem Interesse an Pflanzensortimenten und der Pflanzenkompetenz?
Das ist ein großes Thema für uns in der Schule, denn die Pflanzenkompetenz der Auszubildenden ist extrem abhängig vom Ausbildungsbetrieb. Je nach Arbeitsschwerpunkt des Betriebes sind im Arbeitsalltag nun mal Pflanzen mehr oder weniger im Fokus. Dennoch müssen bis zur Abschlussprüfung alle Auszubildenden mindestens 400 Pflanzen kennen bzw. erkennen und benennen können. Ich würde sagen, dass die Pflanzenkompetenz unserer Schülerinnen und Schüler in den letzten Jahren nicht besser geworden ist, obwohl genau diese Kenntnisse aus meiner Sicht sehr wichtig sind. Hier sind wir auch als Schule gefordert und bieten deshalb auch vielfältige Unterstützung, aber entscheidend ist tatsächlich der betriebliche Alltag.
Wie wichtig ist nach Ihrer Einschätzung eine gute Pflanzenkenntnis für den GaLaBau?
Ich halte eine solide Pflanzenkenntnis für das entscheidende Differenzierungsmerkmal der grünen Branche im Wettbewerb. Damit unterscheidet sich der GaLaBau-Fachbetrieb von anderen Dienstleistern. Maßnahmen zur Klimaanpassung und natürlich auch zur Schaffung und Erhaltung von Lebensräumen gelingen nur mit profunder Sortiments- und Standortkenntnis. Die Kundenerwartungen wachsen übrigens auch und das gilt umso mehr, je wertiger die Gärten sind.
Was machen Betriebe anders, die in der Regel gute Auszubildende haben?
Interessant ist, dass das oft Betriebe sind, die für ihre Gärten einen guten Ruf haben, die dann wohl auch im Hinblick auf ihre Mitarbeitenden hohe Erwartungen pflegen. Wahrscheinlich bewerben sich dort also gleich eher die jungen Menschen, die bessere Voraussetzungen mitbringen. Aber das Entscheidende ist sicher, dass die Betriebe, deren Auszubildende immer wieder gute Ergebnisse erzielen, diese einfach ständig intensiv begleiten. Dort gibt es zum Beispiel oft zusätzliche Angebote von Seiten der Ausbilderinnen und Ausbilder: Gartenführungen, spezielle, wiederkehrende Themen wie die „Pflanze der Woche" ...
Sie bilden auch Referendarinnen und Referendare aus. Wie steht es um die Situation der Berufsschulen?
Das ist leider sehr unerfreulich. Es gibt tatsächlich nur noch in wenigen Bundesländern Angebote für Agrarreferendare und -referendarinnen. Hier bei uns in Nordrhein-Westfalen wurde das Institut für Landwirtschaftspädagogik schon vor vielen Jahren ersatzlos geschlossen. Gerade im GaLaBau, der ja seit vielen Jahren eine wachsende Branche ist und anhaltend hohe Schülerzahlen bringt, fehlen Lehrkräfte mit entsprechendem fachlichem Hintergrund. Außerdem merken wir, genau wie auch die Ausbildungsbetriebe, inzwischen erhebliche Defizite infolge der Corona-Zeit. Wir müssen heute mehr als noch vor ein paar Jahren nebenbei Grundfertigkeiten in Mathematik und Rechtschreibung vermitteln. Das heißt, wir bräuchten dringend Lehrernachwuchs, der aber nicht mehr ausgebildet wird. Hier ist aus unserer Sicht großer Handlungsbedarf und den adressieren ja auch die Verbände massiv an die Politik.
Vielen Dank!

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