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Mainau: 50 Jahre Grüne Charta
„Möge die Grüne Charta von der Mainau dienen, fördern und helfen und vor allem: Taten auslösen. Dieser bedarf unsere Zeit am dringlichsten“, sind die Worte, mit denen Graf Lennart Bernadotte am 20. April 1961 die Grüne Charta von der Mainau verkündete.
In einem Festakt am Samstag, 22. Oktober, anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Manifests unterstrich Graf Björn Bernadotte, Sohn des legendären Mainau-Begründers die Weitsichtigkeit seines Vaters sowie dessen Mitstreitern. Festredner Professor Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister, erläuterte im voll besetzten Weißen Saal des Mainau- Schlosses mit Gästen aus Adel, Politik und Gesellschaft die visionären Forderungen des Dokuments im Kontext der damaligen Zeit und zeigte die Aktualität der Grünen Charta auf. Unter den Gästen war auch Heinz Herker, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG). Er vertrat den gärtnerischen Berufsstand, der sich dem umweltschützerischen Gedanken wie er in der Charta dargelegt wird, seit jeher verpflichtet sieht.
Den Anlass für dieses bedeutende Manifest bildeten die fünften Mainauer Gespräche, zu denen Graf Lennart Bernadotte Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft einlud, um über die Zukunft des Naturschutzes in Deutschland zu diskutieren. Er hatte sie 1957 initiiert. Die „Grüne Charta von der Mainau“ ist eines der herausragenden Ergebnisse dieser Gespräche. Der anwesende Bundespräsident Heinrich Lübke rief daraufhin den „Deutschen Rat für Landespflege“ (DRL) ins Leben, der wesentlich dazu beitragen sollte, die in der Grünen Charta aufgestellten Forderungen umzusetzen. Der DRL wurde am 5. Juli 1962 von Graf Lennart Bernadotte berufen und steht seitdem ständig unter der Schirmherrschaft des jeweiligen Bundespräsidenten. Graf Lennart Bernadotte war viele Jahre Sprecher des Rates. Die „Grüne Charta von der Mainau“ enthält zwölf Forderungen zur Sicherung gesunder Lebensgrundlagen der Bevölkerung. Sie ist das erste zentrale Dokument deutscher Umweltgeschichte, das über die Vorstellung hinausweist, Umweltschutz sei vor allem Heimat- und Landschaftsschutz. Sie diagnostiziert eine ernsthafte Beeinträchtigung der natürlichen Umwelt und fordert daher auch übergreifende Maßnahmen. Naturschutz wird darin endlich als praktisches ökologisches Problem begriffen, bei dem es darum geht, die für den einzelnen als schädlich erkannten Einflüsse der Umweltzerstörung zu beheben.
„Visionäre, die erkannten, wie weit reichend dieses wirtschaftliche Wachstum subventioniert wurde durch die Abwälzung von Kosten auf die Natur, auf die Menschen in anderen Regionen in dieser Welt und auf kommende Generationen“, so Klaus Töpfer in seiner Beschreibung Graf Lennart Bernadottes und der wenigen Visionäre dieser Zeit. „Erst langsam lernen wir, den ökonomischen Wert von Dienstleistungen der Natur zu schätzen – und ihnen einen angemessenen Preis am Markt zu verschaffen“, unterstreicht Bundespräsident Christian Wulff die Aktualität der Forderungen der Grünen Charta in seinem schriftlichen Grußwort.
Der Festakt schloss mit der Ehrung zweier Institutionen – Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 und Deutscher Rat für Landespflege – für langjähriges Engagement im Sinne der Forderungen der Grünen Charta. (Mainau GmbH)

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