LfL: Feldtag im Klimahotspot

Welche Kulturpflanzen haben eine Zukunft in Bayern?

Feldtag im Klimahotspot und Standort des Forschungszentrums für Trockenheit in Schwarzenau. Bild: Johannes Beyer, LfL.

Wie kann sich die Landwirtschaft an zunehmende Hitze und Trockenheit anpassen? Welche Kulturpflanzen kommen mit wenig Wasser zurecht und welche Anbauverfahren helfen dabei, Erträge auch unter schwierigen Bedingungen zu sichern? Antworten auf diese Fragen gab die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) bei ihrem Feldtag am Forschungszentrum für Landwirtschaft in Trockenlagen in Schwarzenau am 10. September. Nahezu 200 Besucherinnen und Besucher informierten sich vor Ort über aktuelle Versuche und Forschungsergebnisse. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse reichen in ihrer Bedeutung weit über die Region hinaus und sind angesichts zunehmender Hitze- und Trockenperioden für die Landwirtschaft in ganz Deutschland relevant.

Der Hitzesommer 2026 und die seit März anhaltende Trockenheit haben deutlich gemacht, dass künftig Anpassungen in der Landwirtschaft erforderlich sind. Auf den Versuchsflächen der LfL werden deshalb neue Kulturarten und wassersparende Anbauverfahren unter Praxisbedingungen erprobt. Beim Feldtag standen unter anderem Perlhirse, Augenbohne und Erdnuss sowie der Mischanbau von Sorghumhirse und Mais (Row Intercropping), der Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft und verschiedene Verfahren der Direktsaat im Mittelpunkt.

Perlhirse als Alternative für trockene Standorte

Nur wenigen Besucherinnen und Besuchern war die aus Afrika stammende Getreideart Perlhirse (Pennisetum glaucum) bekannt. In vielen Ländern des Globalen Südens zählt sie zu den wichtigen Grundnahrungsmitteln, während sie beispielsweise in den USA und Brasilien vor allem als geschätzte Futterpflanze angebaut wird. Wie die Versuche im Projekt "FutureCrop" zeigen, lässt sich Perlhirse auch unter den hiesigen Bedingungen erfolgreich anbauen. "Sie kann vor allem auf schwachen Standorten und in Trockenjahren wie 2026, die es in Zukunft sicherlich wieder und vielleicht auch öfter geben wird, zu einer Alternative auf dem Acker werden", so Projektleiter Dr. Klaus Fleißner.

Die glutenfreie Perlhirse ist reich an Nähr- und Mineralstoffen und kann vielseitig in der menschlichen Ernährung eingesetzt werden. Darüber hinaus eignet sie sich auch für die Tierfütterung. Das Korn kann beispielsweise in der Geflügel- und Schweinehaltung verwendet werden, während die ertragreiche Grünmasse als Futter für Rinder dient. Aufgrund ihres schnellen Wachstums kann Perlhirse außerdem als Zweitfrucht nach Winterkulturen noch hohe Biomasseerträge liefern.

Row Intercropping mit Sorghumhirse und Mais

Als besonders robust gegen Hitze und Trockenheit zeigte sich das Row Intercropping-System mit Sorghumhirse und Mais. Durch den reihenweise versetzten Mischanbau beider Kulturen können vor allem in Trockenjahren Ertragsverluste von Mais durch Sorghum kompensiert werden. Die Kulturpflanze aus Afrika kann sowol als Tierfutter aber auch als Lebensmittel für Menschen eingesetzt werden. Durch ihr intensives Wurzelsystem und der Wachsschicht am Stängel ist Sorghumhirse bestens angepasst an Trockenheit und Hitze. Somit kann die Pflanze Wasser und Nährstoffe besonders effizient aus tieferen Bodenschichten erschließen. "Das resiliente Anbausystem sichert Erträge in Trockenjahren und sorgt gleichzeitig für ein erweitertes Erntefenster bei der Silonutzung", erklärt Johannes Beyer, Leiter des Trockenforschungszentrums in Schwarzenau.

Im Projekt "FutureCrop" untersucht das Forschungszentrum neben verschiedenen Hirsearten auch weitere wärme- und trockenheitsverträgliche Kulturen. Dazu zählen unter anderem Erdnuss, Augenbohne und Sesam. Besonders die Augenbohne könnte für die Landwirtschaft in trockenen Regionen interessant werden: In Afrika ist sie seit Langem ein bedeutendes Grundnahrungsmittel und liefert hochwertiges pflanzliches Eiweiß. Unter geeigneten Bedingungen könnte sie künftig auch in Bayern als mögliche Alternative zum Sojaanbau in Betracht kommen, erklärt Projektmitarbeiter Jakob Kunzelmann.

Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft

Auch der Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft war Thema des Feldtags. Dabei wurde live demonstriert, wie mithilfe der Multispektralkamera eine NDVI-Karte erstellt werden kann. "Diese Karte ermöglicht nicht nur Rückschlüsse auf die Pflanzengesundheit, den Bodenbedeckungsgrad und die Verunkrautung, sondern kann auch als Grundlage für die teilflächenspezifische Düngung oder Spot Spraying dienen", erklärt LfL-Drohnenexperte Benjamin Beeh.

Darüber hinaus wurde der Einsatz der Sprüh- und Streudrohne Agras T25 vorgestellt, die unter anderem zur Vorernteaussaat von Zwischenfrüchten genutzt werden kann. Das Ergebnis einer solchen Aussaat konnten die Besucherinnen und Besucher direkt auf der Versuchsfläche begutachten. Ergänzend zeigten Wärmebildaufnahmen den Einfluss unterschiedlicher Bodenbearbeitungsverfahren auf die Bodentemperatur. Zwischen intensiv bearbeitetem und unbearbeitetem Boden wurden dabei Temperaturunterschiede von bis zu 10 °C sichtbar. Die Demonstrationen zeigten, wie Drohnentechnik und digitale Bildauswertung dazu beitragen können, Pflanzenbestände und Böden präziser zu erfassen und landwirtschaftliche Maßnahmen gezielter und ressourcenschonender zu planen.

Direktsaat für Trockenregionen

Zum Abschluss des Feldtags erläuterte Stefan Heilmann, Projektmitarbeiter im Projekt „MuD-IPB“ (Modell- und Demonstrationsvorhaben: Demonstrationsbetriebe Integrierter Pflanzenbau), im Rahmen einer Direktsaatvorführung die Vorteile dieses Anbauverfahrens für Trockenregionen. Dabei hob er insbesondere die Bedeutung einer aktiven Bodenbiologie und einer dauerhaften Bodenbedeckung hervor. Mit einer Zinken- und einer Scheibenscharmaschine wurde beim Feldtag eine Zwischenfrucht direkt in die Getreidestoppel sowie im "Planting-Green"-Verfahren in einen stehenden Hirsebestand eingesät.

Durch die Vielseitigkeit an Maßnahmen im Versuchsmaßstab und den intensiven Austausch mit landwirtschaftlichen Betrieben und Beratung zu deren Lösungsansätzen direkt aus der Praxis leistet das Forschungszentrum Schwarzenau einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung klimaangepasster Anbauverfahren für die Landwirtschaft von morgen.

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