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Totaleinnetzung: Schädlinge wirkungsvoll ausschließen
Kulturschutznetze sind im Obstbau bereits weitverbreitet. Um den hohen Qualitätsansprüchen in der Früchteproduktion gerecht zu werden sind sie zum Schutz vor Hagel, Wind und erhöhter Sonneneinstrahlung oftmals unverzichtbar. Auch zum Schutz vor Krankheiten und Schädlingen können gezielte Netzabdeckungen positive Beiträge leisten. Totaleinnetzung erlangt daher zunehmend an Bedeutung. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass wichtige Schädlinge und Krankheiten durch geeignete Netzabdeckungen wirkungsvoll und spezifisch ausgeschlossen oder reduziert werden und teilweise auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln substanziell vermindert werden kann.
Fruchtschäden reduzieren
Bestens bewährt hat sich Totaleinnetzung zur Maikäferbekämpfung. Eine seitliche Einfassung mit Hagelnetz wirkt als Barriere gegen den Einflug begatteter Weibchen und verhindert Eiablage und Engerlingsbefall. Auch die Einwanderung von Apfel- und Pflaumenwicklern wird durch solche mechanischen Barrieren teilweise massiv reduziert. Neuere Untersuchungen aus Frankreich zeigen, dass so die Fangzahlen beim Apfelwickler um mehr als 90% reduziert und auch die Fruchtschäden um 60-90% verringert werden konnten.
Pflanzenschutzmassnahmen sinnvoll kombinieren
Schwächerer Befallsdruck kann zur Reduktion der Bekämpfungsintensität führen. Vom tieferen Befallsdruck unter Netzen kann auch die Verwirrungstechnik profitieren: eine gleichmässigere Verteilung der Pheromonwolke, stabilere Strömungsverhältnisse und schwächere Randeffekte wirken positiv. Seitliche Abdeckung mit feinmaschigen Insektenschutznetzen gegen kleine Insekten, für welche Hagelnetze kein Hindernis darstellen, können ebenfalls wertvolle Dienste erweisen. Im Kirschenanbau kann die Ergänzung des Witterungsschutzes durch eine seitliche Einnetzung den Zuflug der Kirschenfliege massiv reduzieren und dürfte auch gegen die erst seit kurzem in der Schweiz schädliche Kirschessigfliege deutlich an Bedeutung gewinnen.
Vor- und Nachteile abwägen
Lückenlose Totaleinnetzung bietet zahlreiche Vorteile zum Schutz von Kern- und Steinobstkulturen. Aber nicht nur! Mit dem gleichzeitigen Ausschluss von Bestäubern, gewissen Nützlingen, Vögeln und anderen Tieren entstehen auch neue Herausforderungen bei der Kulturführung und unerwünschte Nebeneffekte. Neben erhöhter Investitionskosten und Materialfragen sind insbesondere die Auswirkungen auf Mikroklima (Beschattung, Temperatur, Luft- und Blattfeuchte), Reife (Erntezeitpunkt, Färbung), Krankheitsdruck, Ausschluss natürlicher Gegenspieler, Bestäubung etc. zum Teil noch ungenügend untersucht. Praxisversuche sollen helfen offene Fragen zu beantworten.
Gesunde Früchte mit kleinstmöglichem Pflanzenschutzmitteleinsatz
Aktuelle Erfahrungen aus Forschung und Praxis zeigen, dass es oft nur ein kleiner Schritt mit großer Wirkung ist, eine witterungsgeschützte Obstanlage durch Totaleinnetzung gleichzeitig vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Sinnvolle Kombinationen und Optimierung von Kultur- und Pflanzenschutzmassnahmen können einen substanziellen Beitrag zur Reduktion des Pestizideinsatzes leisten und unterstützen nachhaltig die Produktion gesunder, rückstandsfreier Schweizer Früchte. (ACW)

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