bdla: Profession der Landschaftsarchitekten bedeutsamer denn je

Der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit urbaner Gesellschaften liegt in der Beantwortung der Frage, wie Landschaft und Freiraum entwickelt und genutzt werden, um ökonomischen wie sozialen, funktionalen wie gestalterischen, ökologischen wie klimatischen Herausforderungen gerecht zu werden.

Der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit urbaner Gesellschaften liegt in der Beantwortung der Frage, wie Landschaft und Freiraum entwickelt und genutzt werden, um ökonomischen wie sozialen, funktionalen wie gestalterischen, ökologischen wie klimatischen Herausforderungen gerecht zu werden. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Arbeit von Landschaftsarchitektinnen und -architekten zunehmend an Bedeutung, darin waren sich fachverwandte wie fachfremde Gratulanten bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Bund Deutscher Landschaftsarchitekten bdla einig. Der Festakt am 20. September 2013 im Allianz Forum in Berlin bildete den Abschluss des Jubiläumsjahrs.

Stadtgrün ist ein Standortfaktor, image- und stadtbildprägend, sagte Oda Scheibelhuber, Abteilungsleiterin im Bundesbauministerium, an die Adresse der Landschaftsarchitekten. „Und Grün ist der Sympathieträger schlechthin. Die Bürgerinnen und Bürger nehmen immer mehr wahr und ernst, was mit öffentlichen Grün- und Freiflächen passiert. Es sind ihre Zufluchtsorte, es ist der soziale Kitt, der die Stadtgesellschaft zusammenhält.“ Daher rücke auch die Profession der Landschaftsarchitekten stärker in den Fokus. Verdichtung, Internationalisierung, Klimaveränderung und Energiegewinnung seien wesentliche Handlungsfelder von heute und morgen.

Ehrenmitgliedschaft für Töpfer
Einer der Höhepunkte der Veranstaltung im Allianz Forum am Pariser Platz war die Verleihung der bdla-Ehrenmitgliedschaft an Prof. Dr. Klaus Töpfer durch die bdla-Präsidentin Andrea Gebhard vor rund 550 geladenen Gästen. Klaus Töpfer zählt nach wie vor zu Deutschlands profiliertesten Umweltpolitikern. Seit Jahrzehnten setzt sich „Mr. Umwelt“ konsequent für den Umweltschutz ein; in seiner Amtszeit als Umweltminister in Rheinland-Pfalz wurde 1987 das Naturschutzgesetz novelliert und dabei der Landschaftsplanung eine zentrale Rolle zugesprochen sowie eine Planvorlageberechtigung für Landschaftsarchitekten für die Landschaftsplanung ins Gesetz geschrieben. Töpfer sagte in einem Interview Anfang der 1990er-Jahre: „So wie ein Feldherr nichts ist ohne Soldaten, kann ein Umweltminister nichts ausrichten ohne Landschaftsarchitekten. Die Landschaftsarchitekten sind meine Feldtruppen.“ Uli Burchardt, Oberbürgermeister von Konstanz (Baden-Württemberg) und Autor des Buches „Ausgegeizt! Wertvoll ist besser - Das Manufactum-Prinzip“, hielt die Laudatio auf Töpfer, den das sichtlich freute, nicht minder die Ehrenmitgliedschaft selbst. Burchardt: „Als Bundesumweltminister von 1987 bis 1994 und anschließend als Bundesbauminister haben Sie unter anderem mit der Schaffung einer Umweltunion im vereinten Deutschland, Ihrem Eintreten für einen integrierten Umweltschutz und die Prinzipien der Nachhaltigkeit auf nationaler Ebene deutliche Spuren hinterlassen. In Ihrem Amt als Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP haben Sie sich weltweit Anerkennung verschafft als erfahrener, unabhängiger Fürsprecher in Sachen Nachhaltigkeit.“

Da Nachhaltigkeit das tragende Prinzip ist, dem sich Planung in ihrer besten Ausgestaltung verpflichtet fühlen muss und deren Bedeutung für die Gestaltung einer lebenswerten Umwelt nicht hoch genug wertgeschätzt werden kann, würdigte der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten im 100. Jahr seines Bestehens dieses Engagement mit der bdla-Ehrenmitgliedschaft. Töpfer versprach, sich als Ehrenmitglied „anständig zu benehmen, was ja in der heutigen Zeit schon viel Wert ist“. Und er vertraute seiner Frau an diesem Abend an: „So eine Auszeichnung verpflichtet ja doch genau hinzuschauen. Ich denke, wir müssen an unseren Garten nochmal ran“. bdla-Präsidentin Andrea Gebhard warf einen Blick auf die Zukunft des Verbandes: „Die Bedeutung der Freiräume, der Grünflächen und Landschaftsräume für die Überlebensfähigkeit der Gesellschaft ist heute anerkannt. Das Leben in den Städten wird weltweit als größte ökologische und soziale Herausforderung verstanden, die Chancen der ländlichen Räume werden vor allem in Europa intensiv diskutiert, Lebensqualität und Freiraumqualität heute teilweise gleichgesetzt. Die Profession der Landschaftsarchitekten ist nach 100 Jahren bedeutsamer denn je.“

Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis 2013
Zum elften Mal seit 1993 wurde an diesem Abend der Deutsche Landschaftsarchitektur-Preis vergeben. Mit dem Preis würdigte der bdla beispielhafte Projekte in der sozial und ökologisch orientierten Siedlungs- und Landschaftsentwicklung sowie eine zeitgemäße Freiraumplanung. Der Erste Preis ging an den „Park am Löbauer Wasser – Landesgartenschau Löbau 2012“, Entwurfsverfasser: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin/Wien. Eine kleine Stadt in einer strukturschwachen Region habe mit dem Park am Löbauer Wasser Großes geleistet, so das Urteil der Jury. Die Flächen der ehemaligen Zuckerfabrik wurden umgestaltet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Durch geschickte Eingriffe der Landschaftsarchitekten in die Topografie mit Rampen und Stegen wurde der Raum zum Erlebnis. Insgesamt wurden acht Würdigungen vergeben.

Sonderpreis 2013 Wohnumfeld
Kriterium waren die gestalterische Qualität und städtebauliche Einbindung des Wohnumfelds sowie die Verbindung von Gebäude und Freiraum. Mit dem Sonderpreis wurde der „BIGyard Gartenhof“ in Berlin, Entwurfsverfasser: herrburg Landschaftsarchitekten, Berlin, ausgezeichnet. Der 95 Meter lange und 13 Meter breite Gartenhof in Prenzlauer Berg steht 90 Erwachsenen und 60 Kindern mit den unterschiedlichsten Ansprüchen zur Verfügung. Die kleinräumige und intensive Bepflanzung des Innenhofes besticht nach dem Urteil der Jury durch eine große Vielfalt auf kleiner Fläche und durch eine hohe Lebens- und Aufenthaltsqualität. In dieser Kategorie gingen Würdigungen an Projekte in Mannheim, Berlin, Stuttgart und Hamburg.

Sonderpreis 2013 Infrastruktur und Landschaft
In der Kategorie „Infrastruktur und Landschaft“ ging es um Projekte, die besonders gut in die Landschaft eingebunden sind, eine Neuformulierung des Landschaftsbildes von hoher Qualität erreichen oder eine besondere Planungskultur mit einer frühzeitigen Beteiligung der Bürger aufzeigen. Den Sonderpreis Infrastruktur und Landschaft erhielt der „Masterplan emscher:zukunft. Die Emscher zwischen Dortmund und Dinslaken“, Entwurfsverfasser: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn, und ASTOC Architects and Planners, Köln, mit Landschaft Planen und Bauen, Berlin, und Post und Welters, Architekten und Stadtplaner, Dortmund. Makro-mikroökologische, wasserwirtschaftliche und städtebauliche Komponenten beinhaltet der Masterpan emscher:zukunft zwischen Dortmund und Dinslaken. Er wurde ausgezeichnet mit dem Bewusstsein eines langen Prozesses. Drei Projekte aus München, dem Ruhrgebiet und Bremen erhielten Würdigungen.

Auf www.bdla.de/oeffentlichkeitsarbeit/filme-zu-landschaftsarchitektur sind die preisgekrönten Arbeiten im Film zu sehen. Alle Informationen zum Wettbewerb 2013 enthält die Webseite www.deutscher-landschaftsarchitektur-preis.de. (bdla) 

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