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Spargel und Erdbeeren: Kosten steigen, Preise stagnieren
Für mehr als ein Drittel der Betriebe war die Saison schlechter als im Vorjahr. Als gut bewerten 17,4% der Spargelbetriebe und 22,7% der Erdbeerbetriebe die Saison. 46% der Spargelbetriebe und 37,3% der Erdbeerbetriebe meinen, dass sie wie letztes Jahr war. Schlechter als im Vorjahr war die Saison für 36,6% der Spargelbetriebe und 40% der Erdbeerbetriebe.
Nachfolge für 48% der Erdbeer- und Spargelbetriebe ungewiss
48% der Umfrageteilnehmer gaben an, dass die Fortführung ihres Betriebes ungewiss sei. 8% planen den Erdbeer- und den Spargelanbau in den kommenden ein bis drei Jahren einzustellen. Nur 38% der Erzeuger gaben an, dass die Fortführung des Betriebs langfristig gesichert sei.
„Wir sind angesichts dieser Ergebnisse stark beunruhigt. Jeder zwölfte Betrieb will in den nächsten ein bis drei Jahren den Anbau aufhören. Bei knapp der Hälfte der Spargel- und Erdbeerbetriebe ist die Zukunft aufgrund mangelnder Rentabilität oder ungeklärter Nachfolge ungewiss. Das bringt den Produktionsstandort Deutschland und mit ihm die Versorgungssicherheit ins Wanken. Doch die Situation ist nicht nur für den Spargel- und Erdbeeranbau kritisch, sondern für den Obst- und Gemüsebau in Deutschland. Die europaweiten großen hitzebedingten Ertragsausfälle zeigen deutlich, dass gute Ernten keine Selbstverständlichkeit sind“, erklärt Simon Schumacher, Vorstandsmitglied des Netzwerks der Spargel- und Beerenverbände e. V.
Preise decken gestiegene Produktionskosten nicht
Im Grunde sind die Ergebnisse nicht überraschend: Von Jahr zu Jahr steigen die Produktionskosten, aber die Verbraucherpreise kaum. Die durchschnittlichen Ausgaben der Verbraucher stiegen in der Saison 2026 bei Bleich- und Grünspargel nur leicht, sowohl bei Ware aus Deutschland als auch aus dem Ausland.
Die Durchschnittspreise über alle Vermarktungswege für inländisch produzierte Erdbeeren lagen über weite Strecken hinweg sogar unter denen des Vorjahres. Laut AMI lag der Durchschnittspreis für Erdbeeren aus Deutschland im ersten Halbjahr in Discountern sogar noch unter dem des Vorjahres, während er im Lebensmittelhandel im selben Zeitraum geringfügig höher lag.
Vor Pfingsten gab es ohne Erdbeermenge – Diese waren gesucht. – eine Preisaktion von 2,49 Euro pro Schale heimische Erdbeeren in den Discountmärkten. Laut der Umfrage-Ergebnisse sind 62% der Erdbeererzeuger davon überzeugt, dass Discounter Aktionen dieser Art durchführen, um Kunden und Kundinnen in die Läden zu locken, um dann bei fehlender deutscher Ware vor allem Importerdbeeren zu verkaufen. 72% gaben an, dass auf diese Weise die Preise auf allen Verkaufsebenen gedrückt würden, da der Discounter die Preisführerschaft herstellen müsse. Rund 49% der Betriebe gehen davon aus, dass sie dadurch auch gezwungen sind, die Preise in der Direktvermarktung zu senken.
36% der in der Hauptsaison gekauften Erdbeeren sind Importware
Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) kauften die privaten Haushalte in der Erdbeerhauptsaison leicht mehr importierte Erdbeeren als im Vorjahr*: Eine AMI-Analyse auf Basis des Haushaltspanels von YouGov CP Germany zeigt, dass von den Erdbeerkäufen privater Haushalte in Deutschland im Zeitraum Kalenderwoche 16 bis Kalenderwoche 26 in diesem Jahr rund 64% auf deutsche Ware und entsprechend 36% auf Importe entfielen. Im Vorjahr waren im selben Zeitraum 65% deutsche Ware und 35% Importe.
Besonders bitter sind den Erzeugern aufgestoßen: Die lange Präsenz von Importware in den Discount- und Supermarkt-Regalen und die Werbeaktionen des Lebensmitteleinzelhandels für ausländische Ware in der Saison.
*In diesen Zahlen nicht enthalten sind Erdbeeren, die z. B. für die Gastronomie gekauft wurden.
Heimischer Spargel verliert etwas an Boden
Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) kauften die privaten Haushalte in der Spargelsaison (KW 13 – KW 26) etwas weniger Spargel als im Vorjahr**: Eine AMI-Analyse auf Basis des Haushaltspanels von YouGov CP Germany zeigt, dass von den Bleichspargelkäufen privater Haushalte in Deutschland im Zeitraum Kalenderwoche 13 bis Kalenderwoche 26 in diesem Jahr rund 87% auf deutsche Ware und entsprechend 13% auf Importe entfielen. Im Vorjahr ergaben sich sehr ähnliche Werte. Bei Grünspargel nahmen die gesamten Einkaufsmengen zu, Grünspargel aus Deutschland wurde allerdings in leicht geringeren Mengen eingekauft. Damit ging der Anteil an Grünspargel aus Deutschland von 38% (Saison 2025) auf 34% zurück.
**In diesen Zahlen nicht enthalten ist Spargel, der z. B. für die Gastronomie gekauft wurde.
Für 72% der Spargelbetriebe ist der Anstieg der Produktionskosten spürbar negativ, für 16% sogar existenzbedrohend. Nur für 9% der Spargelbetriebe ist er kaum spürbar.
68% der an der Umfrage teilnehmenden Erdbeererzeuger gaben an, dass sich die gestiegenen Produktionskosten spürbar negativ auf ihren Betrieb auswirken. Mehr als 17% sehen darin sogar eine Existenzbedrohung für ihren Betrieb. Nur für 7% der Erdbeerbetriebe ist er kaum spürbar.
Anbauflächen für Spargel und Erdbeeren rückläufig
Folglich werden 33,5% der Spargelerzeuger die Spargelanbaufläche leicht reduzieren, 6,% sogar drastisch. 50% der Umfrageteilnehmer werden die Spargelanbaufläche so belassen, wie sie ist. 9,5% der Spargelerzeuger wollen die Spargelfläche leicht erweitern, 0,6% sie drastisch ausweiten.
Folglich werden rund 13% der Erdbeererzeuger für die kommende Saison ihre Anbaufläche drastisch reduzieren, 31% werden sie leicht reduzieren, rund 44% werden ihre Anbaufläche beibehalten, und 11% werden die Anbaufläche etwas erweitern.
Investitionsvorhaben sind verhalten
Angesichts des Saisonverlaufs sind die Betriebe verhalten, wenn es um Investitionen geht. Spargelbetriebe sind bei Verfrühung, neuen Kulturen und Direktvermarktung am ehesten bereit Geld in die Hand zu nehmen. Bei den Erdbeerbetrieben sind es die Bereiche Verfrühung und Tunnel, Direktvermarktung und Unterkünfte.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen verbessern
Die Kosten steigen, die Preise stagnieren, die Bürokratie nimmt überhand, und es wird immer schwieriger, zuverlässige Erntehelfer und Erntehelferinnen für die Saison zu finden. Durch den höheren Mindestlohn sind viele Saisonarbeitskräfte nicht mehr die gesamte Saison über, sondern nur vier bis acht Wochen im Einsatz, da sie dann ihr Lohnziel erreicht haben und abreisen wollen.
Da die Arbeitskosten im Spargelanbau bis zu 40% und im Erdbeeranbau bis zu 60% der gesamten Produktionskosten ausmachen, die seit 2021 um mehr als 46% gestiegen sind, bittet die Bundesfachgruppe Obstbau, in denen auch die Verbände des Netzwerks der Spargel- und Beerenverbände e. V. engagiert sind, die Mitglieder des Deutschen Bundestages und der Landtage sich für folgende Maßnahmen einzusetzen, um die Produktion im Obstbau wieder wettbewerbsfähig zu machen:
- Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für Saisonarbeitskräfte schaffen: 20% Abschlag auf Mindestbruttostundenlohn bei gleichzeitiger Untergrenze von 13,90 Euro je Stunde
- Zugang zu Saisonarbeitskräften sichern: praktikable, rechtssichere und unbürokratische Rekrutierungsverfahren für Saisonarbeitskräfte aus Drittstaaten
- Rechtssicherheit schaffen: eindeutige gesetzliche Regelungen bei kurzfristigen Beschäftigungen

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