Bundestag: Steigerung des Verzehrs pflanzlicher Lebensmittel angeraten

Zum Thema "Nachhaltige Ernährung" hat sich der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen am Mittwoch mit dem Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen, Thomas Ellrot, sowie mit Antje Risius, Professorin für Nachhaltige Ernährung und Versorgung an der Hochschule Fulda während eines öffentlichen Fachgespräches ausgetauscht.

Eine nachhaltigere Ernährung sei im Interesse der Gesundheit. Bild: GABOT.

Beide machten deutlich, dass nachhaltige Ernährung die planetaren Grenzen berücksichtige, die teils schon erheblich überschritten seien.

Eine nachhaltigere Ernährung sei im Interesse der Gesundheit, des Tierwohls, der Umwelt und des sozialen Miteinanders, sagte Risius. Eine gesundheitsfördernde Ernährung führe zu einer höheren Lebenserwartung, zu mehr gesunden Lebensjahren und zu mehr Wohlbefinden. Nachhaltige Ernährung sei aber auch eine Ernährung, die mehr Tierwohl unterstützt und damit den sich wandelnden ethischen Ansprüchen der Gesellschaft gerecht werde. Gleichzeitig gewährleiste sie soziale Mindeststandards entlang von Wertschöpfungsketten. Schließlich sei sie auch eine klima- und umweltschützende Ernährung, die zu den mittel- und langfristigen Nachhaltigkeitszielen Deutschlands passe, befand Risius.

Es stelle sich jedoch die Frage, ob nachhaltige Ernährung „alltagsfähig" sei. Zwar seien Ernährungsangebote in der westlichen Welt der Expertin zufolge „in Hülle und Fülle vorhanden". Dennoch gebe es kaum alltägliche, einfache Optionen für eine gesunde, nachhaltige Ernährung. Ernährungsempfehlungen seien häufig undeutlich - Lebensmittelkennzeichnungen unübersichtlich und nicht vertrauenswürdig, befand sie. Es gelte daher, die Wertschätzung für nachhaltige Lebensmittelsysteme zu erhalten und zu gestalten.

Der Ernährungspsychologe Ellrot verwies auf die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 2024 veröffentlichten lebensmittelbezogenen Empfehlungen für Deutschland. Größter Hebel ist danach die Steigerung des Verzehrs pflanzlicher Lebensmittel aus den Kategorien Vollkorngetreide, Nüsse, Obst, Hülsenfrüchte und Gemüse. „Der Nutzen für die menschliche Gesundheit und Nachhaltigkeit wäre erheblich", so Ellrot.

Er ging auch auf die Empfehlungen des Bürgerrates „Ernährung im Wandel" ein, in dem er mitgearbeitet hatte. Ganz oben stehe da der Punkt Chancengleichheit und ein qualitätsgesichertes beitragsfreies Schulessen für alle Kinder in Deutschland. Das müsse politisch gestaltet werden. „Der Hebel in der Gemeinschaftsverpflegung ist riesengroß", sagte er. Klar sei, dass dieses Essen auch schmecken müsse. Schon jetzt gebe es aber Anbieter, die das sehr gut gewährleisten könnten und zeigten, „dass es funktionieren kann".

Zum Thema Bürgerrat sagte Ellrot weiter: Bei Nachbefragungen der 160 Mitglieder, die aus allen Schichten der Gesellschaft gekommen seien, zeigten sich viele von ihnen enttäuscht. Sie hätten das Gefühl, „das gar nichts von dem, was wir da erarbeitet haben, umgesetzt ist". Das sorge für Frustration und die Infragestellung der Selbstwirksamkeit der Mitglieder des Bürgerrates, sagte er. (hib/HAU) 

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