Wissen macht Torfersatz: Ein Fazit aus vier Jahren FiniTo

Am 10.09.2026 war es soweit: Das bundesweite Verbundprojekt FiniTo, "Fachinformation für Gartenbaubetriebe zur Umstellung auf torffreie und torfreduzierte Kultursubstrate", zog in Berlin eine Zwischenbilanz nach vier Jahren Projektarbeit. Anknüpfend an den diesjährigen deutschen Gartenbautag des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), ging es auch bei FiniTo um "PRAXIS, POLITIK und PERSPEKTIVEN" - ganz aus der Perspektive der Torfreduktion.

Es sei umso wichtiger, dass Projekte wie FiniTo das Fachwissen aus jahrzehntelanger Forschung in die Betriebe bringen.

Mit einem lebhaften Einstieg in den modernen Wissenstransfer startete das FiniTo-Team in einen Vormittag mit dem Fokus auf das Thema Torfreduktion und wie dieses den Weg in die Betriebe findet. Kompakt und prägnant haben die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter mit Videos, Grafiken und Beispielen aus der Praxis greifbare Einblicke in ihre Arbeit gegeben. „Es war eine wohlüberlegte Entscheidung die FiniTo-Fazitveranstaltung mit dem Deutschen Gartenbautag zu verbinden“, machte ZVG-Präsidentin Eva Kähler-Theuerkauf in ihrem Grußwort deutlich. Damit setzte der Verband erneut ein deutliches Zeichen dafür, dass die schrittweise Torfreduktion für den Gartenbau unverzichtbar sei, zugleich jedoch die Wirtschaftlichkeit eben auch zur Nachhaltigkeit gehöre. So sei es umso wichtiger, dass Projekte wie FiniTo das Fachwissen aus jahrzehntelanger Forschung in die Betriebe bringen. Der Erfolg von FiniTo, so Kähler-Theuerkauf, liege „in der Nähe zur betrieblichen Wirklichkeit. Denn Torfreduktion bedeutet nicht: Sack A gegen Sack B austauschen und weitermachen wie bisher“.

Dass Wissenstransfer keine Einbahnstraße ist, sondern das Projekt von der engen Zusammenarbeit mit den Praxisbetrieben lebt, wurde im Laufe des Vormittags deutlich. Corinna Behm (LWK NRW) führte souverän durch das Programm. Für die politischen Hintergründe sowie die Vorstellung der unterschiedlichen Wissenstransferformate sorgte Nele Marx (LWK NRW). Anschließend wurde es konkreter: Anhand eines fiktiven Beispiels referierten Tobias Friebe (LfULG Sachsen), Bettina Kopp (QS Substrate, HSWT) und Nicola Daldrup (LWK NRW) über Schaddiagnostik, Anpassungen der Kulturführung und der Entwicklung von Fachinformationen. Der Vortrag machte nicht nur die Projektarbeit und die praktischen Herausforderungen der Torfreduktion greifbar, sondern verdeutlichte zugleich die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen (regionalen) Fachstellen sowie überregionalen Querschnittstellen, welche im Projekt FiniTo ganz besonders ist.

Zu Beginn ihres Vortrags stellten Sabrina Siegmund und Anette Stadler (HSWT) dem Publikum die Frage, welche wirtschaftlichen Auswirkungen sie aufgrund einer Substratumstellung vermuten. Dabei wurde deutlich: Mehraufwand und Mehrkosten sind die größten Bedenken der Branche. Aber ist das wirklich so? Die Querschnittstelle Betriebswirtschaft setzt auf Berechnen statt Bauchgefühl und stellte verschiedene Blickwinkel auf die wirtschaftlichen Auswirkungen sowie mögliche Handlungsoptionen vor. Die Umstellung auf eine torfreduzierte Produktion kann neben den arbeitsorganisatorischen Effekten auch unterschiedliche Auswirkungen auf die Kostenstruktur einzelner Kulturen und Gestaltung des betrieblichen Kulturprogramms haben. Mit Stellschrauben wie beispielsweise einem optimierten Beschaffungsmanagement kann die Rentabilität erhöht werden. Dazu wurden diverse multimediale Fachinformationen für die Branche konzipiert.

Die Querschnittstelle digitaler Wissenstransfer (Susanne Herzhauser und David Ungan, beide LVG Heidelberg) stellte die Projektwebsite vor, die der Dreh- und Angelpunkt für die vielfältigen und abwechslungsreichen Wissenstransferformate ist. Dabei wurde besonders das E-Learning-Angebot FiniTo Interaktiv erklärt. Es gehe nicht darum Lerninhalte einfach nur digital verfügbar zu machen, sondern digitale Medien gezielt zu nutzen, um Lerninhalte mediendidaktisch und zielgruppenspezifisch aufzubereiten. Damit wird Wissen greifbar gemacht und mit interaktiven Anwendungen gezielt Praxisdenken gefördert.

Nach rund 100 Fachinformationen, 18 „Torfersatzgeschichten“, 17 Newslettern, 19 Workshops, 20 „FiniTo trifft-Veranstaltungen“, 117 Fachvorträgen an Veranstaltungen der Branche wird deutlich: Torfminderung gelingt im Betrieb wenn Wissenschaft, Beratung, Wirtschaft, Politik und vor allem die Gärtnerinnen und Gärtner gemeinsam an praktikablen Lösungen arbeiten. Markus Baumgärtner (LWK NRW) bedankte sich beim Projektförderer BMLEH und beim Projektträger der FNR sowie bei allen Projektmitarbeitenden, die mit vollem Engagement im Projekt tätig waren. Auch wenn man FiniTo mit „Ich habe fertig“ assoziieren könnte, so steht der Profigartenbau erst am Anfang des Weges der Torfreduktion. Im Profibereich sind erst ca. 25% der gesamten Substratmenge mit Torfersatzstoffen substituiert. Es wird notwendig sein, an dieser Stelle weiterzukommen, um das Ziel einer nahezu vollständigen Reduktion des Torfeinsatzes zu erreichen. Das Ganze geschieht nicht zum reinen Selbstzweck, sondern im Rahmen der Einhaltung von globalen Klimazielen. Und so konnte es passender nicht sein, dass ausgerechnet während der Vortragsveranstaltung der Zuwendungsbescheid für eine zweite Projektphase von FiniTo übermittelt wurde. Das Projekt wird fortgeführt, um den Wissenstransfer nachhaltig zu etablieren.

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