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VGL NRW: Erfolgreicher Auftakt der Teilqualifizierung im GaLaBau
Vertreterinnen und Vertreter aus Berufsstand, Politik, Arbeitsverwaltung, Bildung und weiteren Institutionen kamen in der Geschäftsstelle des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen e. V. (VGL NRW) zusammen. Das Programm führte von der berufsständischen und arbeitsmarktpolitischen Einordnung über die Entwicklung des Qualifizierungsmodells bis hin zu dessen konkreter Umsetzung.
Nach der Begrüßung durch Josef Mennigmann, Präsident des VGL NRW, setzte Matthias Heidmeier, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, einen arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitischen Impuls.
Anschließend erläuterte Matthias Lösch, Vizepräsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) für das Ressort Berufsbildung und Vorsitzender des BGL-Ausschusses Berufsbildung, die fachliche Entstehung und Einordnung der Teilqualifizierung.
Leif Harzer, Mitglied des Präsidiums des VGL NRW und Vorsitzender des Bildungsausschusses NRW, stellte daraufhin das konkrete Teilqualifizierungsmodell mit seinen sechs Modulen vor.
Den organisatorischen Abschluss bildete Andreas Weber, Geschäftsführer der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (faw) gGmbH, der über das Anmeldeverfahren und die praktische Umsetzung informierte.
„Am Ende braucht es Menschen, die es machen“
Zum Auftakt machte Josef Mennigmann deutlich, vor welcher Herausforderung der Garten- und Landschaftsbau steht. Die Branche übernimmt eine zentrale Rolle bei der Klimaanpassung in Nordrhein-Westfalen – von grüner und blauer Infrastruktur über Entsiegelung bis hin zu Regenwassermanagement und klimaangepassten Städten. Gleichzeitig werde der Bedarf an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiter wachsen.
„Politischer Wille, Förderprogramme und ambitionierte Projekte sind wichtig. Aber am Ende braucht es vor allem Menschen, die diese Aufgaben fachgerecht umsetzen können“, betonte Mennigmann.
Die Branche setze deshalb weiterhin konsequent auf Ausbildung und hochwertige berufliche Weiterqualifizierung. Zugleich müsse sie zusätzliche Wege öffnen, um Menschen mit unterschiedlichen Bildungs- und Berufsbiografien für den GaLaBau zu gewinnen.
Dabei bleibt die duale Ausbildung der zentrale Qualitätsmaßstab. Die Teilqualifizierung soll bestehende Bildungswege ergänzen, nicht ersetzen. Sie bietet Menschen ohne klassischen Berufsabschluss, Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern sowie Beschäftigten mit Weiterqualifizierungsbedarf einen strukturierten Einstieg und die Möglichkeit, Kompetenzen schrittweise aufzubauen.
Heidmeier: Bildungsangebote müssen zu den Menschen passen
Staatssekretär Matthias Heidmeier würdigte die Initiative ausdrücklich. Die duale Ausbildung habe wesentlich zur wirtschaftlichen Stärke Deutschlands beigetragen und bleibe von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig hätten sich Gesellschaft und Arbeitsmarkt verändert. Darauf müsse auch die berufliche Bildung reagieren.
Heidmeier stellte heraus, dass Bildungs- und Qualifizierungsangebote stärker zu den Menschen passen müssten, die heute auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Nicht jeder könne unmittelbar eine vollständige Berufsausbildung absolvieren. Genau hier eröffne die Teilqualifizierung neue Möglichkeiten.
Dabei gehe es nicht allein um Fachkräftesicherung. Heidmeier stellte einen engen Zusammenhang zwischen Qualifikation, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe her. Wer Menschen berufliche Perspektiven eröffne, ermögliche ihnen zugleich, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen.
Zugleich machte er deutlich, wie dringend die Branche zusätzliche qualifizierte Beschäftigte benötigt. Statt den Fachkräftemangel lediglich festzustellen, brauche es konkrete Konzepte, um bislang ungenutzte Potenziale zu erschließen.
Besondere Bedeutung komme dem Garten- und Landschaftsbau zudem bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu. Stadtgrün und klimaangepasste Freiräume seien längst mehr als gestalterische Elemente. Sie leisteten einen konkreten Beitrag zu Klimaresilienz und Gesundheitsschutz.
Heidmeier gratulierte dem Berufsstand ausdrücklich zur Initiative und würdigte insbesondere das Engagement derjenigen, die das Modell innerhalb der Branche entwickelt haben.
Vom ETAPP-Ansatz zum bundesweit anschlussfähigen Modell
Matthias Lösch zeichnete anschließend die Entstehung der Teilqualifizierung nach. Ausgangspunkt war die Frage, wie Teilqualifikationen stärker vereinheitlicht, transparent gestaltet und unmittelbar an einen anerkannten Ausbildungsberuf angebunden werden können.
Teilqualifizierungen habe es bereits zuvor unter dem Begriff ETAPP gegeben. Ziel war und ist es, gemeinsame Qualitätsstandards zu schaffen und für Betriebe nachvollziehbar zu machen, welche beruflichen Kompetenzen tatsächlich erworben werden.
Die “modernisierte” TQ im GaLaBau orientiert sich aus diesem Grund ebenfalls konsequent am anerkannten Ausbildungsberuf. Es wird kein neues oder abgesenktes Berufsbild geschaffen. Stattdessen werden zusammenhängende Handlungsfelder / Arbeitsbereiche aus dem Ausbildungsrahmenplan in einer stärkeren themengebundenen Form / Module, zusammen vermittelt.
Auch Lösch machte deutlich: Die duale Ausbildung bleibt für den gesamten Berufsstand der Königsweg zur Fachkraft. Die TQ bietet nur einer weiteren Zielgruppe diesen Bildungsweg an und kann ihr damit die Perspektive auf einen späteren Berufsabschluss eröffnen.
Sechs Module – aus der Praxis für die Praxis
Leif Harzer stellte anschließend die konkrete Struktur der Teilqualifizierung vor. Entstanden sind sechs Module:
- TQ 1 Vegetationspflege
- TQ 2 Belagsflächenbau
- TQ 3 Vegetationstechnik
- TQ 4 Bauwerke
- TQ 5 Baustellenorganisation
- TQ 6 Klimaanpassung
Damit werden zentrale Arbeitsfelder des Garten- und Landschaftsbaus abgebildet – von der Pflege und Herstellung von Vegetationsflächen über Belags- und Bauarbeiten bis hin zu Baustellenorganisation sowie Zukunftsthemen wie Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung und Schwammstadt-Prinzipien. Sicherheit, Umweltschutz und Digitalisierung sind feste Bestandteile aller Module.
Der Einstieg in die praktische Umsetzung ist bereits terminiert: Die erste TQ 1 „Vegetationspflege“ soll am 10. Februar 2027 starten. Die TQ 2 „Belagsflächenbau“ ist ab dem 4. Oktober 2027 vorgesehen. Damit beginnt die Einführung zunächst mit zwei besonders praxisnahen Kompetenzbereichen, für die in den Betrieben ein hoher Bedarf besteht.
Harzer betonte dabei den starken Praxisbezug des Modells. Die Teilqualifizierung sei gemeinsam mit Unternehmen und Vertretern des Berufsstandes entwickelt worden und orientiere sich konsequent an den tatsächlichen Arbeitsabläufen der Betriebe.
Die TQ richtet sich insbesondere an Erwachsene ab 25 Jahren ohne Berufsabschluss, Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sowie an- und ungelernte Beschäftigte. Ziel ist ein schrittweiser Kompetenzaufbau, der unmittelbar im Betrieb einsetzbar ist.
Fachkräftesicherung und Klimaanpassung zusammendenken
Die Auftaktveranstaltung machte deutlich, dass die Teilqualifizierung weit über ein einzelnes Bildungsangebot hinausgeht. Sie verbindet Fachkräftesicherung, berufliche Integration, gesellschaftliche Teilhabe und Klimaanpassung.
Gerade im Garten- und Landschaftsbau treffen diese Themen unmittelbar aufeinander: Klimawandel, Stadtbegrünung und Hochwasserschutz führen zu wachsenden Aufgaben, während gleichzeitig qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fehlen. Genau dieses Spannungsfeld bildet den Ausgangspunkt des neuen Qualifizierungskonzepts.
Der Berufsstand setzt daher weiterhin auf eine starke duale Ausbildung, erweitert seine Bildungslandschaft aber zugleich um zusätzliche, durchlässige Wege für Menschen, deren berufliche Biografie nicht dem klassischen Ausbildungsweg entspricht.
Der Auftakt in Oberhausen zeigte dabei vor allem eines: Politik, Arbeitsverwaltung, Bildungsträger und Branche wollen gemeinsam daran arbeiten, vorhandene Potenziale besser zu nutzen und neue Fachkräfte für den Garten- und Landschaftsbau zu gewinnen.
Mit der Teilqualifizierung entsteht damit ein praxisnahes Instrument, das Menschen neue Chancen eröffnet, Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Beschäftigten unterstützt und zugleich zusätzliche Fachkräfte für eine Branche gewinnen kann, deren Arbeit für die klimaresiliente Gestaltung unserer Städte und Gemeinden immer wichtiger wird.

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