Schweiz: Gemüseproduzenten fordern strengere Regeln für Suisse Garantie

Gemüse, das im grenznahen Ausland angebaut wird, soll nicht länger mit dem Suisse Garantie-Logo ausgelobt werden dürfen. Das fordert eine Mehrheit der Schweizer Gemüseproduzenten – gegen den Willen des Verbandsvorstandes. Die betroffenen Produzenten bangen nun um ihre Existenz.

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Gemüse, das im grenznahen Ausland angebaut wird, soll nicht länger mit dem Suisse Garantie-Logo ausgelobt werden dürfen. Das fordert eine Mehrheit der Schweizer Gemüseproduzenten – gegen den Willen des Verbandsvorstandes. Die betroffenen Produzenten bangen nun um ihre Existenz.

Auf dem Logo prangt ein Schweizerkreuz, darunter steht "Suisse Garantie”. Dabei handelt es sich um ein Dachmarke, das von diversen landwirtschaftlichen Produzentenorganisationen ins Leben gerufen wurde. Ob Kopfsalat, Kotelett oder Milch: Wo das Suisse Garantie-Logo drauf ist, kann der Konsument davon ausgehen, dass die betreffenden Lebensmittel aus der Schweiz stammen, gentechnikfrei produziert wurden und die Bauern den ökologischen Leistungsnachweis des Bundes erfüllen. Was weniger bekannt ist: Auch Lebensmittel aus den sogenannten Zollanschlussgebieten (Liechtenstein, Büsingen, Campione d'Italia) oder Grenzgebieten (10 km ab Grenze) gelten als schweizerisch und dürfen somit das Suisse Garantie-Logo tragen. Das hat historische Gründe. Seit Generationen bewirtschaften grenznahe Schweizer Landwirtschaftsbetriebe Flächen im Ausland.

Eklat bei den Gemüsebauern
Dass diese ihre Produkte als "schweizerisch” vermarkten dürfen, sorgt in der Gemüsebranche seit längerem für hitzige Diskussionen. Am 21. April 2015 kam es an der Delegiertenversammlung des Verbands Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) gar zum Eklat: Rund 30 Genfer Gemüseproduzenten standen mitten in der Versammlung aus Protest auf, schritten zielstrebig zum Ausgang, einigen sagten höhnisch "besten Dank". Der "Dank" galt der Mehrheit der Delegierten, die soeben beschlossen hatte, dass Gemüse, das innerhalb der Grenzzonen angebaut wird, nicht länger als schweizerisch gelten soll und somit nicht mehr mit dem Suisse Garantie-Label ausgelobt werden dürfe.

Dem Entscheid ging eine lange und kontroverse Debatte voraus. VSGP-Präsident Hannes Germann appellierte eingangs an die Solidarität der einzelnen Produzenten. Es brauche gegenseitigen Respekt. Die einzelnen Gemüsebauregionen sollten Verständnis füreinander haben, sagte der SVP-Ständerat. Grund für den Mahnruf war ein Antrag der Gemüseproduzenten-Vereinigung des Kantons Zürich (GVZ), wonach das Suisse Garantie-Logo künftig nur noch auf Gemüse prangen darf, das in der Schweiz und Liechtenstein angebaut wurde.

Marke nicht verwässern
"Wo Suisse Garantie draufsteht, müssen auch Schweizer Produkte drin sein", begründete GVZ-Präsident Walter Leuzinger den Antrag. Die heutige Regelung mache die Marke Suisse Garantie unglaubwürdig. "Für die Gemüse-Branche wäre es ein immenser Schaden, wenn die Marke Suisse Garantie wegen der jetzigen Regelung durch die Medien zerzaust würde." Thomas Beerstecher (GVZ) wies darauf hin, dass die betroffenen Betriebe ja weiterhin im grenznahen Ausland Gemüse anbauen und in der Schweiz verkaufen dürften. Das vermochte die Direktbetroffenen nicht zu besänftigen. Hans Bürki von der Sektion beider Basel betonte, dass seit Generationen ennet der Grenze Gemüse angebaut werde. Dies, weil – im Fall von Basel – durch das Wachstum der Stadt die Anbaufläche immer kleiner geworden sei. Eine Verschärfung der Suisse Garantie-Richtlinien sei für die Betriebe nicht verkraftbar und existenzbedrohend. Bürki witterte hinter dem Antrag der Zürcher Sektion Neid und Missgunst. "Es geht darum, unliebsame Konkurrenz auszuschalten." Ins gleiche Horn stieß Jacques Blondin: Acht Genfer Gemüseproduzenten seien betroffen. Diese würden wohl in Konkurs gehen, wenn ihnen das Herkunftszeichen entzogen würde. Eine Änderung der Regeln sei zum jetzigen Zeitpunkt falsch, mahnte Blondin. Man müsse warten, bis der Bundesrat die Swissness-Verordnung verabschiedet habe.

Vorstand wollte Kompromiss
Mit diesen Appellen fanden die grenznahen Gemüseproduzenten kein Gehör. Eine Mehrheit der Delegierten votierte schließlich für eine Verschärfung der Suisse Garantie-Regeln – gegen den Willen des Verbandsvorstands. Dieser schlug einen Kompromiss vor: Gemüse aus dem grenznahen Ausland soll zwar weiterhin als Suisse Garantie ausgelobt werden dürfen, die entsprechenden Anbauflächen sollen aber verkleinert werden (auf den Stand von 1984).

Der Ball liegt nun beim Leitenden Ausschuss des VSGP. Allerdings kann dieser die Suisse Garantie-Regeln nicht im Alleingang ändern; darüber muss die Agro-Marketing Suisse (AMS) als Inhaberin der Dachmarke befinden. Deren Präsident Urs Schneider sagte auf Anfrage, dass man mit einer allfälligen Änderung abwarten werde, bis klar sei, wie der Bundesrat die Grenzzonen in der Swissness-Verordnung definiere. Als privatrechtliche Dachmarke könne man zwar abweichende Bestimmungen festschreiben. Man erwäge aber, sich an die staatlichen Swissness-Bestimmungen anzulehnen. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Grenzzonen: Die Meinungen gehen auseinander
Sollen Lebensmittel, die im grenznahen Ausland von Schweizer Bauern produziert werden, noch als schweizerisch gelten? Die Ansichten gehen auseinander: Laut dem Swissness-Verordnungsentwurf des Bundesrats gelten im Ausland produzierte Lebensmittel als schweizerisch, wenn sie aus den Zollanschlussgebieten (Liechtenstein, Büsingen, Campione d'Italia) oder den Grenzgebieten stammen. Letztere will der Bundesrat auf die angestammten Flächen begrenzen, also auf Flächen, die seit Mai 1984 unterbrochen von Schweizer Bauern bewirtschaftet werden (ca. 5.000 ha). Der Schweizer Bauernverband und die Agro-Marketing Suisse verlangen hingegen eine großzügigere Handhabung der Grenzzonen. Diese sollen auch diejenigen Gebiete umfassen, die nach 1984 dazukamen, was einer Fläche von insgesamt rund 8.000 ha entspricht. Der Vorstand des Verbands der Schweizer Gemüseproduzenten begrüßt den Vorschlag des Bundesrates. Eine Mehrheit der Delegierten will nun eine Verschärfung der Suisse-Garantie-Regeln: Gemüse soll nur noch als schweizerisch gelten, wenn es innerhalb der Schweiz und Liechtenstein angebaut wurde. (lid) 

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