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Mäuse: Kleine Nager mit großem Hunger
Klein, putzig, aber wahnsinnig vermehrungsfreudig und äußerst gefräßig: Wühlmäuse können in der Landwirtschaft erhebliche Schäden anrichten.
Idyllisch inmitten einer malerischen Landschaft ist er gelegen, der Bio-Hof der Familie Kohler. Oberhalb des Dorfes Weier im Emmental halten Andreas und Susanne Kohler Mutterkühe, betreiben Ackerbau und produzieren für den Kräuterbonbons-Hersteller Ricola unter anderem Pfefferminzen und Malven. Vor elf Jahren stiegen sie zudem in den Holunder-Anbau ein. Und seit elf Jahren kämpfen sie gegen einen kaum sichtbaren Schädling, dessen Existenz aber durch braune Erdhaufen und abgestorbene Holunder-Bäume verraten wird: Wühlmäuse. Bislang habe er 25 Bäume ersetzen müssen, erklärt Andreas Kohler. Denn die kleinen und bis zu 130 Gramm schweren Nager ernähren sich vom Wurzelwerk des Holunders, was bis zum Absterben der Pflanze führen kann.
Kleiner Nager – große Schäden
Wühlmauspopulationen verhalten sich zyklisch. Während zwei bis vier Jahren ist der Bestand gering, ehe sich die vermehrungsfreudigen Mäuse explosionsartig fortpflanzen. Nach fünf bis sieben Jahren bricht die Population plötzlich wieder zusammen. "Für diese Entwicklung gibt es keine hieb- und stichfeste Erklärung", sagt Cornel Stutz von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART). Mögliche Gründe wie Nahrungsmangel, Parasitenbefall, Inzucht oder Stress seien alle wissenschaftlich widerlegt worden. Wühlmäuse können in der Landwirtschaft erhebliche Schäden anrichten. Laut Stutz fressen Mäuse täglich etwa so viele Wurzeln, wie sie selber wiegen, also bis zu 130 Gramm. Gerade beim Obstbau kann das schnell ins Geld gehen, weil die Erträge abnehmen oder Bäume ganz absterben und ersetzt werden müssen. Doch auch im Futterbau können die kleinen Nager zum Problem werden. Die Erdhaufen erschweren Mäharbeiten und begünstigen das Aufkommen von Unkraut. Gelangt die aufgewühlte Erde zudem ins Futter, nimmt dessen Qualität ab.
Von Beginn weg seien die Mäuse ein Problem gewesen. "Sie wandern von den benachbarten Feldern ein, wo entweder Ackerbau betrieben wird oder Tiere weiden." Das lieben die kleinen Tiere ganz und gar nicht, womit sie Flächen aufsuchen, die nicht bearbeitet werden. Um seine 180 Bäume zu schützen, blieb Kohler deshalb nichts anderes übrig, als mit Fallen auf Mäusejagd zu gehen. "Innerhalb von drei Wochen habe ich teils bis zu 45 Mäuse gefangen", erklärt er. Jedoch hat er beobachten müssen, dass die kleinen Nager bald dazu lernten und um die Fallen alsbald einen Bogen machten. Problematisch war auch der Zeitaufwand. Mausfallen müssen gestellt und kontrolliert werden. Weil Kohler noch als Chauffeur arbeitet, fehlte ihm oft die Zeit dazu.
Zaun gegen Mäuseinvasion
Deshalb hielt er Ausschau nach alternativen Methoden. Fündig wurde er bei der Firma Andermatt Biocontrol, die seit Anfang 2010 ein Mäusezaunsystem im Sortiment hat. Das Prinzip ist einfach: Um die zu schützende Fläche wird ein engmaschiges Drahtgeflecht, das rund 25 cm unter und über den Boden reicht, installiert. Damit wird Mäusen das Einwandern von benachbarten Feldern verunmöglicht. "Ist die Parzelle innerhalb des Zaunes einmal leergemaust, bleibt die Fläche auch garantiert mäusefrei", erklärt Alex Meier von der Firma Andermatt Biocontrol.
Um den Zaun herum sind zudem in regelmäßige Abständen schwarze Boxen positioniert. Die Mäuse, welche dem Zaun entlang eilig einen Durchgang in die Parzelle suchen, flüchten in die vermeintlich Schutz bietenden Boxen. In Wahrheit sind diese aber Lebendfangfallen. "Sind die Mäuse einmal drin, können sie nicht mehr raus", erklärt Meier. Die Lebendfangfallen lassen sich aber von Füchsen, Katzen und anderen Mäusejägern öffnen. Meier hat beobachtet, dass diese, haben sie einmal das System begriffen, die Lebendfangfallen am Mäusezaun entlang regelmäßig aufsuchen und leeren.
Mäusejahr 2011: Regional große Schäden zu erwarten
Mäusepopulationen unterscheiden sich regional sehr stark. Generelle Aussagen liessen sich nicht machen, erklärt Cornel Stutz von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART). Dieses Frühjahr hat er an rund 40 Standorten der Zentral- und Nordostschweiz die Mäusedichte ermittelt. Während etwa die Bestände im Berner- und Solothurner- Mittelland ähnlich gering sind wie im Vorjahr, weisen einige im östlichen Mittelland (Ellighausen, Tänikon, Merishausen) eine deutliche Zunahme auf. Auf einer Naturwiese in der Zürcher Gemeinde Hirzel und in Ricken/SG zählte Stutz 191 beziehungswiese 227 Mäuse pro Hektar: beinahe Totalschaden. Das ist dann der Fall, wenn es auf einer Wiese mehr Erdhaufen als Gras hat. Dass es in einigen Regionen mehr Mäuse hat als im 2010, lässt sich auch am Absatz von Mäusefallen ablesen. "Die Nachfrage ist deutlich größer als im Vorjahr", erklärt Alex Meier von der Firma Andermatt Biocontrol.
Weitere Infos über Schermäuse und deren Regulierung finden Sie im AGFF-Infoblatt Nr. U6 "Regulierung von Mäusepopulationen", erhältlich bei der AGFF, Reckenholzstrasse 191, 8046 Zürich www.agff.ch. (lid)

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