Lubera: Setzt neue Schwerpunkte in der Züchtung 2026–2030

Lubera richtet seine Züchtungsprogramme für die Jahre 2026 bis 2030 neu aus und setzt dabei klare Schwerpunkte: Himbeeren und Brombeeren, neue Beerenobstarten, Fruchtgemüse, Erdbeeren sowie südliche Sortimente wie Feigen, Granatäpfel, winterharte Zitrus, Kaki und Maulbeeren.

Gamechanger-Brombeeren sind Herbstbrombeeren, die ab Anfang August tragen. Bild: Lubera.

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Im Zentrum der Lubera-Züchtung steht weiterhin der Hausgarten. Neue Sorten sollen besser schmecken, einfacher zu kultivieren sein, mehr Resistenz mitbringen und idealerweise auch überraschen. Reine agronomische Kriterien wie Ertrag, Festigkeit, Pflückbarkeit oder Lagerfähigkeit spielen zwar eine Rolle, stehen aber nicht im Vordergrund. Entscheidend ist der konkrete Nutzen für Gärtnerinnen und Gärtner.

"Pflanzenzüchtung ist wie ein Tanker", sagt Lubera-Gründer Markus Kobelt. "Abrupte Kurswechsel sind kaum möglich und meist auch nicht sinnvoll. Aber man kann den Kurs immer wieder feinjustieren – mit klaren Zielen, Erfahrung und einem guten Blick auf das Züchtungspotential."

Ein besonderer Schwerpunkt bleibt die Rubus-Züchtung. Himbeeren und Brombeeren gehören zu den Kernkompetenzen von Lubera. Nachdem die Forschungsstation East Malling in Kent ihre Himbeer- und Brombeerzüchtung eingestellt hat, führt Lubera diese Arbeit mit eigener Erfahrung und erweitertem genetischem Material weiter. Unterstützt wird das Team unter anderem durch Marzena Lipska, eine frühere Züchterin aus East Malling.

Besonders zukunftsweisend sind die ersten Rubus-Hybriden, also Kreuzungen aus Himbeeren und Brombeeren. Ziel ist eine neue Pflanzenkategorie: Eine Frucht mit dem Geschmack einer Himbeere, aber mit der "Physik" einer Brombeere – der Kelch bleibt in der Frucht und ist essbar. Damit will Lubera bewusst neue genetische Wege öffnen und verhindern, dass der Zuchtfortschritt nur noch in kleinen, kaum wahrnehmbaren Verbesserungen besteht.

Ein weiterer Schwerpunkt sind sogenannte Gamechanger®-Brombeeren: Herbstbrombeeren, die bereits ab Anfang August an diesjährigen Ruten reife Früchte tragen. Diese neue Kategorie soll international weiterentwickelt werden, auch mit Blick auf den Erwerbsanbau als Nebenmarkt.

Bei Himbeeren arbeitet Lubera gleichzeitig an einem umfassenden Ansatz gegen Wurzelfäule. Verschiedene Züchtungsstrategien sollen kombiniert werden, um das Problem von Phytophthora rubi nachhaltig zu lösen und langfristig robustere Himbeersortimente aufzubauen

Auch bei neuen und wiederentdeckten Beerenobstarten sieht Lubera grosses Potential. Im Fokus stehen sogenannte Orphan Fruits – vergessene oder bisher nur wenig züchterisch bearbeitete Beerenarten. Ein wichtiges Ziel ist dabei die Selbstfruchtbarkeit. Viele dieser Arten sind von Natur aus selbstunfruchtbar und benötigen zwei verschiedene Sorten zur Befruchtung. Für den Garten ist das unpraktisch. Lubera sucht deshalb gezielt nach selbstfruchtbaren Ausnahmen, um diese Eigenschaft langfristig in neuen Sorten zu verankern.

Aktuelle Arbeiten laufen unter anderem bei Ribes aureum, kompakten Vaccinium angustifolium, Honigbeeren beziehungsweise Maibeeren sowie winterharten Passionsfrüchten. Gerade bei den Honigbeeren deutet sich neben der Selbstfruchtbarkeit auch ein qualitativer Durchbruch an: aromatischere Sorten, weniger Bitterkeit, Aromanoten von Heidelbeere bis Himbeere und Zuckerwerte von 18 bis über 20 Brix

Bei den klassischen Beerenarten Rote Johannisbeeren und Heidelbeeren setzt Lubera auf Partnerschaft. Ein Vertrag mit dem James-Hutton-Institute in Dundee ermöglicht es, in den dortigen Pflanzenbeständen zu selektionieren und ausgewählte Genotypen für die Weiterzüchtung zu nutzen. Bei Heidelbeeren stehen Aroma, Qualität, Fruchtgröße und langfristig auch pH-tolerante Sorten und Unterlagen im Vordergrund. Bei Roten Johannisbeeren geht es um größere Früchte, höhere Zuckerwerte und eine bessere Mehltauresistenz.

Ein weiterer Ausbau erfolgt im Bereich Fruchtgemüse. Nach ersten Erfolgen bei Freilandtomaten entwickelt Lubera nun auch Sortimente bei Gurken, Wassermelonen und Melonen. Im Frühjahr 2026 wurden rund 20.000 Gemüsesämlinge ausgepflanzt. Die Selektion findet bewusst nicht im geschützten Gewächshaus statt, sondern unter Freilandbedingungen – dort, wo die Pflanzen natürlichem Krankheitsdruck durch Pilze und Schädlinge ausgesetzt sind.

Auch die Erdbeerzüchtung könnte von diesen Erfahrungen profitieren. Lubera prüft derzeit, wie auf Basis bestehender Garten- und Ziersorten samenvermehrte Erdbeer-Hybridsorten entwickelt werden können.

Mit Blick auf den Klimawandel gewinnen zudem südliche Sortimente an Bedeutung. Granatäpfel, Feigen, winterharte Zitrus, Kaki und Maulbeeren werden in breiten Sortenversuchen geprüft. Erste eigene Selektionen, insbesondere bei Morus, sollen in den kommenden Jahren in die Lubera-Sortimente einfließen.

Neben den großen Programmen bleiben auch kleinere, experimentelle Züchtungsprojekte wichtig. Dazu gehören unter anderem Kartoffeln mit Resistenzzüchtung sowie weitere Spezialprojekte einzelner Züchterinnen und Züchter. Oder auch eine einheimische Pflanze, die Knollen mit hohen Proteingehalten produziert und Stickstoff fixiert

"Gerade solche Ausflüge sind entscheidend", so Markus Kobelt. "Sie verbreitern unseren Erfahrungsschatz. Und manchmal entstehen aus ihnen die Hauptinitiativen von morgen."

Über Lubera

Lubera ist ein auf essbare Gartenpflanzen spezialisiertes Züchtungs- und Pflanzenunternehmen mit Standorten in der Schweiz, Deutschland und England. Ziel der Lubera-Züchtung ist es, neue Sorten für den Hausgarten zu entwickeln: geschmacklich besser, einfacher zu kultivieren, resistenter und überraschender.

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