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Kartoffelviren: Blattlausradar zur Vorhersage des Übertragungsrisikos
Ertragsvermindernde Pflanzenviren stellen die Produzenten von Pflanzkartoffeln immer wieder vor grosse Herausforderungen. Die Viren werden im Frühsommer durch einfliegende Blattläuse von kranken auf gesunde Kartoffelstauden verschleppt und befallen anschliessend die sich entwickelnden Knollen. Agroscope überwacht den Blattlausflug mit einer Saugfalle und hat ein neues Prognoseinstrument entwickelt, welches die Produzenten über das Risiko einer Virenausbreitung durch Blattläuse informiert.
Die vegetative Vermehrung von Saatgut, wie sie zum Beispiel im Kartoffelanbau praktiziert wird, birgt so ihre Tücken : dabei können sich nämlich im Verlaufe der Vermehrungszyklen Pflanzenviren akkumulieren, die bei Vermehrung durch Samen auf natürliche Weise eliminiert würden. Eine Vermehrung durch Samen ist bei der Kartoffel jedoch keine Option. So bleibt den Produzenten von Pflanzkartoffeln nichts anderes übrig, als ihre Ernte alljährlich auf Virenbefall testen zu lassen und stark befallene Posten aus dem Verkehr zu ziehen. Kartoffelviren, wie das besonders häufige Mosaikvirus Y (PVY), haben zwar keinen Einfluss auf den Menschen, können jedoch im Anbau erhebliche Ertrags- und Qualitätseinbussen verursachen.
Blattläuse als Überträger von Pflanzenviren
Das Mosaikvirus Y wird von geflügelten Blattläusen übertragen, welche im Frühjahr ihr Winterquartier verlassen und in die auflaufenden Kartoffelfelder einfliegen. Durch ihre Saugaktivität an jungen Kartoffelstauden können die Blattläuse das Mosaikvirus von Pflanze zu Pflanze verschleppen. Neuere Forschungsarbeiten bei Agroscope haben nun gezeigt, dass sich verschiedene Blattlausarten in ihrer Eigenschaft als Überträger des Mosaikvirus stark unterscheiden. Besonders die Grüne Zwetschgenblattlaus (Brachycaudus helichrysi) scheint bei der Virusverschleppung eine bedeutende Rolle zu spielen. Dieses Wissen legte den Grundstein für die Entwicklung eines verbesserten Prognosemodells für die Vorhersage des Übertragungsrisikos in Kartoffelkulturen.
Ein Blattlausradar für Risikoprognosen
Das Prognosemodell stützt sich auf Daten zur Aktivität geflügelter Blattläuse, die seit vielen Jahren mittels der in Changins installierten Saugfalle erhoben werden. Dabei handelt es sich um eine Art überdimensionierten Staubsauger, welcher 12 m über dem Boden die darüber fliegenden Blattläuse absaugt. Die Blattläuse werden von einem Experten bestimmt und ausgezählt. Die Analyse der langjährigen Datenreihe ergab, dass das Auftreten des Mosaikvirus bei der Kartoffelernte sehr gut mit der Häufigkeit gewisser Blattausarten im Frühjahr – besonders der Grünen Zwetschgenblattlaus – korreliert. Der Blattlausradar in Changins erlaubt es somit, das Risiko der Virenübertragung im Kartoffelfeld abzuschätzen. Für die Forschenden von Agroscope war dabei besonders erstaunlich, mit welcher Zuverlässigkeit das Befallsrisiko im gesamten schweizerischen Kartoffelanbaugebiet mittels einer einzelnen Blattlausfalle abgebildet werden kann. Die Virusprognosen werden allwöchentlich aktualisiert und den Kartoffelproduzenten auf dem Internet (www.agrometeo.ch) zur Verfügung gestellt. Je nach Gefahrenlage können die Produzenten dann der Situation angepasste Pflanzenschutzmassnahmen ergreifen. (acw)

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