DBU: Konsum, Handel, Artenvielfalt: Pflanzen sind auch „politisch“

In einem Projekt der Universität sollen neue Bildungsformate rund um pflanzliche Vielfalt entwickelt und getestet werden.

Die Angebote im Rahmen des Projektes sprechen Menschen aller Altersgruppen an, vom Kindergartenkind bis zu Senioren. Bild: Daniel Liepold.

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Pflanzen haben eine große politische und gesellschaftliche Bedeutung, die vielen Menschen gar nicht bewusst ist“, erklären die Projektleiter Prof. Dr. Andreas Eis und Marina Hethke von der Universität Kassel. Gemeint seien zum Beispiel das industrielle Produzieren, das Auswirken vom Konsum und Handel auf die Vielfalt, die Arbeitsbedingungen im globalen Süden oder Aspekte des Schützens und Nutzens. Um diese Themen besonders jungen Menschen näher zu bringen, sollen in einem Projekt der Universität neue Bildungsformate rund um pflanzliche Vielfalt entwickelt und getestet werden. In Kooperation mit Naturschutzakademien und Botanischen Gärten seien Veranstaltungsreihen in acht Bundesländern geplant. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das dreijährige Projekt fachlich und finanziell mit 298.325 Euro.

Die politische Pflanze

Der Begriff der „politischen Pflanze“ beziehe sich auf die Tatsache, dass Wild- und Kulturpflanzen, auch jene in der Landwirtschaft, Gegenstand politischen Überlegens, Gesetzgebens, Eigentums oder auch Gemeineigentums sein könnten. Pflanzen könnten zum Beispiel dann „politisch“ sein, wenn sie als Wildpflanzen durch Gesetze und Verordnungen geschützt werden. Oder wenn das Produzieren, Handeln oder der Nutzen von Nahrungsmitteln, Energie oder Fasern zu kritischen Fragen führe. Diese komplexen Zusammenhänge sollen verschiedenen Zielgruppen durch das Projekt näher gebracht werden.

Veranstaltungsreihen in acht Bundesländern

„Mit verschiedenen Veranstaltungsformaten wollen wir die Teilnehmer mit der gesellschaftlichen und politischen Bedeutung der Pflanze vertraut machen“, so Marina Hethke, wissenschaftliche Betreuerin des Tropengewächshauses Witzenhausen. Neben dem Erwerb von Pflanzenwissen müssten ebenso wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und Verantwortung im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung in das praktische Lernen einfließen, bekräftigen Prof. Dr. Andreas Eis und Prof. Dr. Bernd Overwien. „Wir suchen mit den Gästen der bundesweiten Veranstaltungen zur politischen Pflanze neue, lösungsorientierte Wege im Kontext einer Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Möglich seien unter anderem Schülerakademien mit Arbeitskreisen, Vorträge und Filmgespräche, Wissenschafts-Cafés und politische Diskussionsveranstaltungen. Sie sollen sich besonders an junge Menschen richten, aber auch an pädagogisches Personal. Die Veranstaltungsreihen werden in ganz Deutschland mit Hilfe von Naturschutzakademien, Botanischen Gärten sowie einem Projektbeirat vorbereitet und umgesetzt. Strategische Partner der Universität Kassel sind der Verband Botanischer Gärten e. V. (VBG) und der Bundesweite Arbeitskreis der staatlich getragenen Bildungsstätten im Natur- und Umweltschutz (BANU).

Von Klima zum Gesetz

Das Themenfeld könne dabei von Klimafragen über Holzzertifizierungen, EU-Normen, Züchten und Monokulturen, Erhalt der Sortenvielfalt und nachwachsende Rohstoffe bis zu Naturschutz und Erhaltungskulturen am Beispiel sogenannter Verantwortungsarten reichen. „Pflanzen als Gegenstand politikbezogenen Lernens sind erst vor kurzem in den Fokus gerückt. Das Projekt kann so modellhaft Impulse für die Nachhaltigkeitsbildung geben“, so Dr. Thomas Pyhel, DBU-Referent für Umweltbildung, abschließend. (DBU)

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