Das Fundament der Rose

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Das Fundament der Rose – auf die Veredlungsunterlage kommt es (auch) an! Die Rose besteht aus zwei Teilen – einer Wildrose als Unterlage und einer daran veredelten Edelsorte, erklärt Hans-Hermann Rechter (57) Appen-Unterglinde. Die Unterlage bildet die Basis, bestehend aus der Wurzel, dem Wurzelhals und dem Wildrosenbusch. Im Juli/August wird an dem ca. 10 cm langem Wurzelhals eine Triebknospe (Edelauge) veredelt (veredeln: okulieren, lat. okus, das Auge). Nach ca. 10-14 Tagen sind diese beiden Bestandteile durch Zellteilung miteinander verwachsen. Im Frühjahr des folgenden Jahres wird der Rosenbusch millimetergenau über dem Edelauge abgeschnitten, worauf die gesamte Energie und Austriebskraft in das Edelauge gelangt. Es entwickeln sich die Rosentriebe, bei denen jeder Trieb in einer Rosenblüte endet und mit den schönsten Farben, Formen und Düften lockt.

 

Besonders gut zu erkennen sind die beiden Bestandteile einer Rose an der Hochstamm-Rose. Auf einer zum Stamm gezogenen Unterlage werden drei Edelaugen (Triebknospen) veredelt, die später die Krone bilden. Unterlagen: Als Unterlagen eignen sich Selektionen von Rosa canina (Hundsrose), da diese Pflanzen einen gleichmäßigeren Wuchs haben und weniger Stacheln tragen. (Rosen haben Stacheln und keine Dornen). Die drei Hauptsorten für Unterlagen sind: Rosa laxa, Rosa canina inermis und Rosa ‘Vender’. Für Stammrosen-Unterlagen eignen sich am besten Rosa canina ’Pfänder’ und Rosa pollmereriana ’Schreiber’. (Diese Rosensorte wurde in der ehemaligen DDR gezüchtet und zeichnet sich durch absolute Stachellosigkeit aus. Die europaweite Nachfrage nach der Unterlage ’Schreiber’ ist sehr stark, so dass der Nachfrage z. Zt. in den angeforderten Stückzahlen nicht nachgekommen werden kann.) Die Unterlagen für niedrige Rosen werden Anfang April aufgepflanzt und am Wurzelhals zum Schutz vor Austrocknung angehäufelt, dort, wo das Auge okuliert werden soll. Bereits nach drei Monaten kann im Juli okuliert werden. Die Okulation erfolgt in der Regel in der zweiten Julihälfte und den ganzen August hindurch. Als Vorbereitung zum Veredeln wird mit einem Gerät ’Superprefer’ und einem Gebläse die Erde abgehäufelt und der Wurzelhals für die Okulation frei gelegt. Damit der Okulierer gut an den Wurzelhals herankommt, wird mit einer Leine, Latten oder dem Fuß das Grüne umgelegt. Rechter schneidet die „Augen“ der Edelsorten selbst, die von seinen Mitarbeitern und einer polnischen Saisonarbeitskraft im Akkord okuliert werden. Im späten Herbst ist für das okulierte Edelauge ein Winterschutz durch Anhäufeln erforderlich. Im folgenden Frühjahr wird im März wieder abgehäufelt und der Wildbusch abgeschnitten. Mit Hilfe von Druckluftscheren wird 1-2 mm über dem Auge der Wildbusch geschnitten. Dadurch geht die gesamte Energie in das Edelauge und die Triebe bilden sich aus. Durch Pinzieren (stutzen) der Triebe werden die Triebe kräftiger und neue Triebe kommen hinzu, die Pflanze wird buschiger und nicht so anfällig gegen Windbruch. Die Pflanze bleibt den Sommer hindurch stehen und entwickelt sich bis zum Herbst zur fertigen und verkaufsfähigen Pflanze. Im Herbst wird gerodet und die Pflanzen an die Kunden versendet.

 

Stammrosen-Unterlagen: Stammrosen erfreuen sich in den letzten Jahren steigender Beliebtheit bei privaten Verbrauchern. Erwähnenswert ist dabei, dass die Lebensdauer wegen falschem oder unterlassenem Winterschutz reduziert wird. Da nicht jede Pflanze einen Stamm ausbildet, pflanzt Hans-Hermann Rechter 30.000 Rosenwildlinge auf, um nach zwei Jahren Standzeit ca. 20.000 Stück Stammrosen-Unterlagen zu erhalten. Dann hat sich ein 100 cm hoher Trieb herausgebildet. Zunächst wird ringsum der Busch entfernt und der Stamm frei geschnitten. Danach erfolgen das Roden der Wildlinge und die Versendung an die Rosenveredlungsbetriebe. Der Versand erfolgt bundesweit.

 

Winterschutz: Bei Stammrosen bieten sich zwei Möglichkeiten an: Bei der herkömmlichen Art wird der Stamm zur Erde gebogen und mit Flies überdeckt. Darauf wird Erde gehäufelt. Bei Rechter bleiben die Stämme stehen und werden mit einem Fliesstück umwickelt. Dabei wird das Flies direkt auf die Edelaugen gelegt und gewickelt. Diese Technik hat sich viele Jahre lang gut bewährt. Im Jahr 2003 allerdings sind 80% der Stammrosen durch starken Frost von 17 Grad minus erfroren und das innerhalb von zwei Tagen (9. und 10. Januar 2003).

Der Betrieb wurde 1935 vom Vater Johannes Rechter gegründet. Durch den Krieg wurde alles verloren und eine erneute Firmengründung erfolgte. Durch die Hungerszeit hat sich der Anbau besonders von Himbeeren ergeben. Es wurde ein Kundenkreis aufgebaut und die Ware in ganz Deutschland vermarktet. Lag damals das Hauptgewicht mit 50% auf dem Obstanbau, so werden heute ca. 40% Rosen, 20% Obst, 20% Rosenunterlagen und 20% Koniferen angebaut. Bis in die 90er Jahre handelte es sich dabei ausschließlich um Freilandware, als der Wandel zu der Containerware anstand. Dabei werden nur Pflanzen im Container herangezogen, die auch im Freiland gezogen werden können. Das Sortiment wurde bewusst nicht vergrößert. Der Absatz erfolgt bundesweit an den Facheinzelhandel und Großhandel. Für die Anzucht von Pflanzen aus der Familie der Rosengehölze, zu denen Rosen gehören, wird die dreifache Anbaufläche zum Flächenwechsel benötigt. So stehen heute 37 ha mit Wechselflächen unter Kultur. Sieben 7 Mitarbeiter und 7 Saisonarbeitskräfte werden beschäftigt. (bdb-sh)

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