Baden-Württemberg: Landschaftsarchitektur-Preis 2022 verliehen

Der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla), Landesverband Baden-Württemberg e.V., hat erstmals den Baden-Württembergischen Landschaftsarchitektur-Preis vergeben.

Edith Heppeler und Roland Leitner, Marianne Mommsen, Alexander Mezger und Lars Reineke von relais Landschaftsarchitekten, Überlingens Oberbürgermeister Jan Zeitler und Ministerin Nicole Razavi MdL. Bild: Verlag Eugen Ulmer/FREIRAUMGESTALTER.

Anzeige

Die Jury unter der Leitung von Prof. Ulrike Böhm, Städtebau-Institut/Freiraumgestaltung, Universität Stuttgart, hatte von 75 eingereichten Arbeiten in der finalen Bewertungsrunde 24 nominierte Projekte gesichtet und bewertet. Den Preis 2022 durften relais Landschaftsarchitekten Heck Mommsen (Berlin) bei der festlichen, vom Frank Dupree Trio musikalisch begleiteten Verleihung im Hospitalhof in Stuttgart für den Entwurf „Neue Ufer, Überlingen“ entgegennehmen. relais LA hatten für die Landesgartenschau 2021 in Überlingen ein naturnahes Ufer am Bodensee geschaffen sowie die innerstädtische, urban geprägte Uferpromenade umgestaltet. Weitere zehn Preise wurden vergeben.

Anlass des bdla für die Auslobung des Wettbewerbs waren die in starkem Maße gewachsenen Anforderungen, die Städte und Gemeinden vor neue Herausforderungen im Umgang mit der zunehmend knapper werdenden Ressource „Landschaft“ stellen. Bei der Ausschreibung gefordert waren Projekte, denen ein erkennbar innovativer und nachhaltiger Planungsansatz zugrunde liegt. Das darin ein enormes Potenzial steckt und welche Bedeutung gut gestaltete öffentliche Grün- und Landschaftsräume angesichts des globalen Klimawandels für das Stadtklima und lokale Ökosysteme haben, unterstrich Schirmherrin Nicole Razavi, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg.

„Die Schirmherrschaft habe ich mit meiner Kollegin, Frau Ministerin Walker, sehr gerne übernommen. Spiegelt doch bereits die Schirmherrschaft von zwei Ministerien – dem Bauministerium und dem Umweltministerium – treffend wider, dass die Landschaftsarchitektur Verknüpfungen zwischen Disziplinen herstellen kann. Es sind Verknüpfungen, die Perspektiven für die Zukunftsfähigkeit und Resilienz einer gut gebauten und gestalten Umwelt aufzeigen. Genau das ist ein zentrales Anliegen der Baukultur-Initiative des Landes. Und ich denke, genau das zeigt sich auch stellvertretend in den Arbeiten, die wir heute Abend gemeinsam würdigen wollen.“

Eine zukunftsgerechte Stadt- und Siedlungsentwicklung brauche innovative und am Gemeinwohl orientierte Lösungen. „Klar ist aber auch, dass die städtebaulichen und gestalterischen Qualitäten, ebenso wie die Prozesse stimmen müssen. Als Bauministerin ist es mir wichtig, dass diese Dinge zusammen gedacht werden. Denn das ist gemeint, wenn wir von nachhaltiger Baukultur sprechen: Klimaschutz und nachhaltige Mobilität, Gesundheit und Sicherheit, Identität und Ästhetik. Das alles gehört zusammen, insbesondere wenn es um Lebensqualität im 21. Jahrhundert geht“, so die Ministerin weiter.

Klimachutz und Anpassung an den fortschreitenden Klimawandel sind neben dem Erhalt der biologischen Vielfalt die größten Herausforderungen unserer Zeit, hob Umweltstaatssekretär Andre Baumann in seinem Grußwort hervor. „Wir dürfen deshalb keine weitere Zeit verlieren und müssen den Klimaschutz umso schneller und beherzter voranbringen." Dazu gehöre neben dem massiven Ausbau der erneuerbaren Energien auch, dass wir unsere Städte so naturnah gestalten, dass wir genügend Rückzugsorte für uns Menschen, aber auch für Tiere und Pflanzen schaffen.

„Grüne und blaue Infrastrukturen zu stärken, ohne dabei unnötige Flächen zu verbrauchen, lautet daher das Gebot der Stunde“, fügte Baumann hinzu. „Viele der heute ausgezeichneten Projekte spiegeln genau dies wider. Freiflächen, Grünflächen und Wasserflächen reduzieren die Hitzebelastungen, können Versickerungen erleichtern, wirken sich positiv auf unsere Gesundheit sowie die Biodiversität aus und bieten zahlreiche Verknüpfungen zu anderen Handlungsfeldern, bis hin zu alternativen Mobilitätskonzepten.“

Die Freude über die Resonanz auf den Preis, die Qualität der Arbeiten und auch auf das gemeinsame Feiern mit rund 150 Gästen aus Politik und Wirtschaft sowie den Austausch mit Kolleg:innen war dem Vorsitzenden des bdla Baden-Württemberg e.V. anzumerken. „Erstmalig, einzigartig, erfolgreich“. So beschrieb Urs Müller-Meßner das Ergebnis des Wettbewerbs. „Zum Erfolg der Projekte tragen nicht nur die Planungsexperten der Landschaftsarchitektur und ausführenden Firmen bei. Nein, zum Erfolg gehört auch eine mutige und aufgeschlossene Bauherrschaft. Ohne sie würde es die Vielfalt und Einzigartigkeit an Projekten nicht geben.“ Planen und Bauen werde aktuell immer schwieriger, so Müller-Meßner weiter. „Unwetterereignisse und Hitzeperioden als Boten des bereits wahrnehmbaren Klimawandels, die Verknappung von Rohstoffen und die Verteuerung von Energie stellen uns vor immense Herausforderungen. Was heute gilt ist morgen bereits Geschichte. Dazu bedarf es viel Innovationskraft und neuer Zielsetzungen. Unsere heutige Preisverleihung steht im Zeichen dieses Wandels und versucht Antworten zu finden auf die allgegenwärtigen Zukunftsfragen, als wertvollen Beitrag für einen lebendigen Dialog mit Landschafts- und Stadträumen.“ Künftig soll der Baden-Württembergische Landschaftsarchitektur-Preis alle zwei Jahre vergeben werden.

Der Wettbewerb

Vom 31. Mai bis zum 16. Juli 2021 hatten 35 Landschaftsarchitekturbüros 75 Projekte eingereicht. Die Jury wählte in der ersten Wertungsrunde die besten 24 Entwürfe aus. Zugelassen waren Projekte, die im Zeitraum zwischen dem 01.01.2015 und der Auslobung am 31.05.2021 in Baden-Württemberg realisiert wurden. Nach Entwürfen des bdla entstanden die Plastiken für den Baden-Württembergischen Landschaftsarchitektur-Preis 2022. Jedes der kubischen Objekte ist ein Unikat und wurde in Handarbeit aus GODELMANN Architekturbeton hergestellt.

Baden-Württembergischer Landschaftsarchitektur-Preis 2022

Entwurf: relais Landschaftsarchitekten Heck Mommsen, Berlin. Marianne Mommsen, die federführend das Projekt begleitet hat, beschreibt den Entwurf wie folgt: „Im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs sind Klimawandel, Artenvielfalt und die Entwicklung von Ökosystemen bestimmende Themen. Das Konzept für die Gestaltung des Bodenseeufers in Überlingen griff diesen Fokus auf und entwickelte daraus eine kulturlandschaftliche Perspektive. Uferpark und urbane Promenade wurden dabei als Gegenpole entwickelt, deren Rahmen die Ufersituation auf einer Strecke von 2,5 Kilometern neu definierte. Im Kontrast zur Landschaftsbezogenheit des Parks setzte die Promenade das urbane Leben in Szene..“ Der Uferpark wurde im Zuge der Landesgartenschau eingeweiht und ist nun öffentlich zugänglich.

- Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung / Grüne Infrastrukturprojekte Neue Landschaften im Neckarbogen, Heilbronn Entwurf: SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin

- Landschaftsarchitektur im Bestand / im Bereich Denkmalschutz Barockgarten – Ort des Lernens, Heidelberg Entwurf: Glück Landschaftsarchitektur GmbH, Stuttgart

- Gestaltung des Wohn- und Arbeitsumfelds Hanns-Glückstein-Park, Mannheim Entwurf: GREENBOX Landschaftsarchitekten Hubertus Schäfer + Markus Pieper PartG mbB, Köln

- Pflanzenverwendung / Bauwerksbegrünung Umfeld Bushaltestelle, Schwieberdingen Entwurf: SETUP Landschaftsarchitektur PartG mbB, Leonberg

- Landschaftsplanung, Landschaftsentwicklung und Umweltplanung Neugestaltung des Neckarufers, der Zabermündung & Lamparter Park, Lauffen am Neckar Entwurf: Luz Landschaftsarchitektur Planungsgesellschaft mbH, Stuttgart

- Landschaftsarchitektur im Bereich Tourismus, Freizeit, Spiel und Sport Talauenpark, Waiblingen, Entwurf: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn

- Sonderpreis Bauen im Detail Talauenpark, Waiblingen, Entwurf: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn

- Sonderpreis Klimaanpassung im urbanen Raum Mailänder Platz, Stuttgart, Entwurf: Ramboll Studio Dreiseitl, Überlingen

- Sonderpreis Junge Landschaftsarchitektur Uferpromenade Neckarlauer, Heidelberg Entwurf: GDLA I gornik denkel landschaftsarchitektur, Heidelberg

- Publikumspreis Uferpromenade Neckarlauer, Heidelberg Entwurfs: GDLA I gornik denkel landschaftsarchitektur, Heidelberg

Die Preisträger in den weiteren Kategorien, siehe auch im Internet: www.bdla.de/de/landschaftsarchitektur-preis-baden-wuerttemberg/2022 (bdla)

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.