Ausbildung: Künftig mehr Schüler ohne Abschluss?

Agentur für Arbeit und GaLaBau-Unternehmen in Ostwestfalen-Lippe sehen gemeinsame Herausforderung beim Fachkräftebedarf.

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Agentur für Arbeit und GaLaBau-Unternehmen in Ostwestfalen-Lippe sehen gemeinsame Herausforderung beim Fachkräftebedarf. 

Ostwestfalen-Lippe gilt bei den Agenturen für Arbeit demografisch als jüngste Region Deutschlands. Dennoch ist es für die Fachunternehmen des Garten- und Landschaftsbaus auch in diesem östlichen Teil Nordrhein-Westfalens nicht einfach, gut geeignete Bewerber für Ausbildungsplätze zu finden. Die Herausforderung der Fachkräftesicherung gemeinsam anzunehmen, war daher das Ziel einer gemeinsamen Informations-Veranstaltung von der Bundesagentur für Arbeit und dem Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW im Wilhelm-Normann-Berufskolleg in Herford. 

Wie Thomas Gerber als Sprecher der GaLaBau-Bezirksverbände „Ostwestfalen Lippe“ und „Ostwestfalen Hochstift“ betonte, ist der Nachwuchsmangel inzwischen „auch in der hintersten Ecke der Region angekommen“. Und dies in einer Zeit, in der sich der Garten- und Landschaftsbau als Wirtschaftszweig kontinuierlich positiv entwickelt. Fakt bleibt aber, dass künftig generell 23% weniger Jugendliche für eine Berufsausbildung zur Verfügung stehen. „Eine problematische Entwicklung“, wie Klaus Meister, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit (AA) Herford, beipflichtete. Seinen Worten zufolge werden die Unternehmen nicht umhin kommen, zur Fachkräftesicherung stärker als bisher auf vermeintlich schwächere Bewerber zu zu gehen und vorhandene Mitarbeiter durch Weiterbildung zu qualifizieren. 

Wie nötig dies wird, verdeutlichte AA-Mitarbeiterin Andrea Wiegard mit Zahlen: Bis 2030 wird die Bevölkerung in Ostwestfalen-Lippe um 5,9% abnehmen (NRW: -3,7%). Und nicht nur, dass aufgrund des demografischen Wandels die Zahl der Schulabgänger abnimmt – dem Zahlenmaterial zufolge wird es mehr Jugendliche ohne Schulabschluss geben. Erfreulich: „In der Gärtnerbranche in OWL gibt es aktuell 3.835 Beschäftigte.“ Diese Zahl sei in den vergangenen Jahren um 150 gestiegen. Für die AA gibt es derzeit statistisch eine Eins-zu-eins-Situation bei freien Stellen und geeigneten Arbeitssuchenden. Aber: 60% der aktuell Beschäftigten sind zwischen 35 und 50 Jahren. Ein künftig verstärktes Ausscheiden von Fachkräften aus dem Arbeitsleben ist folglich absehbar. 

Um vermeintlich schwächeren Bewerbern einen Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen, hilft die AA mit der „Einstiegsqualifizierung für Jugendliche und junge Erwachsene ohne Ausbildung nach Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht“, die Thomas Fischer, Geschäftsstellenleiter der AA Minden vorstellte. Dabei handelt es sich um ein Betriebspraktikum von sechs bis zwölf Monaten Dauer als Vorbereitung auf eine betriebliche Ausbildung. Für Ausbildungsbetriebe sei dies kostenlos, für die Praktikanten eine Anrechnung auf eine anschließende Berufsausbildung möglich. Eine Einstiegsqualifizierung kann im Regelfall im Oktober begonnen werden, weil ein Ausbildungsvertrag fürs aktuelle Jahr dann für die Bewerber nicht mehr wahrscheinlich ist. 

Ferner gibt es Ausbildungsbegleitende Hilfen von den AA, beispielsweise Nachhilfe in Theorie, um einen Abbruch der Ausbildung zu vermeiden. Gefördert wird aber auch die Weiterbildung von älteren und gering qualifizierten Mitarbeitern ohne Berufsabschluss als Vorbeugung von Erwerbslosigkeit. Fischer stellte hierbei das Programm WEGEBAU vor, in dem Bildungsgutscheine vergeben werden und Betriebe Entschädigungen für die Freistellung von Mitarbeitern für die Weiterbildung erhalten können. „Jugendliche sind durchaus bereit, hart zu arbeiten. Sie wollen aber wissen wofür“, berichtete Sarah Dickmann, Referentin für Nachwuchswerbung im Verband GaLaBau NRW, von ihren Erfahrungen. Die Mehrzahl sei gegen Hierarchie und zunehmend in sozialen Internetnetzwerken aktiv. Und fast alle 14 bis 29-Jährigen könnten sich ein Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen. Um Kontakt zum Nachwuchs aufzunehmen, empfahl sie, in Berufsinformationsveranstaltungen an Schulen und auf Berufsmessen als Ausbildungsbetrieb vertreten zu sein. Auch gemeinsame Infostände mit Verbandsunternehmen könnten sinnvoll sein. Wichtig seien dabei aber Aktionen für Jugendliche, die ihnen Spaß machen – wenn sie zum Beispiel beim Pflastern ihr Geschick zeigen können. „Der Verband unterstützt seine Fachunternehmen auf vielfältige Weise bei der Werbung für eine landschaftsgärtnerische Berufsausbildung“, so Sarah Dickmann. (Quelle: pcw)

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