"Apfel des Jahres" in Norddeutschland 2025: 'Ontario'

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg hat die Apfelsorte 'Ontario' zusammen mit dem BUND Hamburg, Apfelexperten und der Projektleitung der "Norddeutschen Apfeltage" am Donnerstag, dem 3. April, gepflanzt.

Pflanzung des "Apfel des Jahres" in Norddeutschlands 2025 am 3.4. im Freilichtmuseum am Kiekeberg, v. l.: S. Zimmermann, E. Brandt, N. Kolter, U. Kubina und M. Schuh. Bild: FLMK.

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Die etwa 150 Jahre alte, sehr gut lagerfähige Sorte passt gut zur Selbstversorgung in der Nachkriegszeit und in den Garten des Flüchtlingssiedlungshauses.

Apfel mit Geschmack und Geschichte

Apfelexperte Eckart Brandt, Mitglied der Jury zur Auswahl des „Apfel des Jahres", erinnert sich: „Ich kenne diesen Apfel aus meiner Kindheit. Meine Tante Mimi aus Tostedt hat ihn, wegen seiner guten Lagereigenschaften, zum Backen verwendet. Als Wirtschaftsapfel eignet er sich dazu hervorragend! Den 'Ontario' kann man im Herbst pflücken, aber dann noch nicht reinbeißen. Denn er enthält viel Vitamin C und ist deswegen sehr sauer. Die Säure wird erst mit dem Lagern abgebaut. Durch seine guten Lagerfähigkeiten wird er schon immer wertgeschätzt." Anfangs ist die Schale des Apfels noch grasgrün – während der Lagerung hellt sie sich ins Gelbe auf. Die Deckfarbe variiert von einem streifigen trüben Rot bis zu deckendem ins Violette reichende Rot, das eine Großteil der Frucht überziehen kann. Darüber liegt ein abwaschbarer bläulicher Reif. Das Fruchtfleisch bleibt lange feinzellig ohne mürbe zu werden. Der Baum wächst mittelstark und bildet breitkugelige Kronen aus. Eckart Brandt klärt auf: „Ursprünglich kommt der 'Ontario' aus Kanada und ist keine regionale Sorte. Aber mit der Regionalität darf man es aber nicht so eng sehen, denn in der Realität wurde das gepflanzt, was sich bewährt hat und das hat der 'Ontario'."

Robuste Sorten für raues Klima

„Der 'Ontario' ist außerdem dafür bekannt, dass seine Früchte sehr lange am Baum hängen. Damit bietet er Vögeln eine schöne Nahrungsquelle. Zur jetzigen Jahreszeit kann man die Frucht nicht mehr direkt vom Baum essen, weil sie mit dem Frost matschig und für Menschen ungenießbar wird, aber sie hält noch Stürme und Temperaturschwankungen aus", ergänzt Matthias Schuh, Gärtner im Freilichtmuseum am Kiekeberg.

„Um die Vielfalt zu erhalten, ist es wichtig alte Sorten zu erhalten. Auch robuste Sorten werden immer wichtiger, weil das Wetter durch den Klimawandel extremer wird", ergänzt Nora Kolter vom BUND Hamburg.

Geschichte ins Museum pflanzen

Die Tradition passt gut ins Freilichtmuseum am Kiekeberg: „Die Pflanzung des 'Apfel des Jahres' bei uns vervollständigt den ganzheitlichen Ansatz unseres Freilichtmuseums. Wir zeigen nicht nur die Häuser und Tiere der vergangenen Jahrhunderte, sondern eben auch die Pflanzen. Gerade hier in die Königsberger Straße passt der Apfelbaum sehr gut hin, da in den Nachkriegsjahrzehnten die Selbstversorgung ein zentraler Gedanke war", erklärt Stefan Zimmermann, Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg. Mit der Königsberger Straße zeigt das Museum den Dorfalltag von 1949 bis 1979 – mit fünf Häusern einschließlich Gärten und Spielplatz.

Matthias Schuh ergänzt: „Hier zeigen wir die jüngere Vergangenheit. Viele Menschen haben diese Zeit noch selbst erlebt. Auch die Obst- und Gemüsesorten der damaligen Zeit wecken häufig Erinnerungen. Es macht uns Freude, diese individuellen Erfahrungen der emotionalen Nachkriegsgeschichte dann nachzuerleben." Im Garten des Flüchtlingssiedlungshauses in der „Königsberger Straße" stehen bereits die Bäume zum „Apfel des Jahres" aus den letzten drei Jahren.

„Norddeutsche Apfeltage", 27-28. September, 9-18 Uhr, im Loko-Schmidt-Garten in Hamburg

Ulrich Kubina, Projektleiter der „Norddeutschen Apfeltage", berichtet: „Wir wählen den 'Apfel des Jahres' seit 2011 für die 'Norddeutschen Apfeltage' aus. Sie finden jedes Jahr am letzten Septemberwochenende statt. Mit der Pflanzung leisten wir unseren Beitrag zur Erhaltung der Sortenvielfalt"

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