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Schwarze Sommerfäule greift Äpfel an
Schadpilze verursachen im Obstbau alljährlich Ertragsverluste in Millionenhöhe und können gut wirtschaftende Betriebe an den Rand des Ruins treiben. „Eine Vielzahl von Faktoren ist für den Befall durch Schadpilze verantwortlich. Hierzu gehören neben der Temperatur zu allen Jahreszeiten auch Niederschlag sowie Extremwitterungen, welche die Wirtspflanzen schwächen können. Bereits jetzt gibt es erste Hinweise darauf, dass der Klimawandel neue Schadpilze ins Alte Land bringt und zudem einige etablierte Arten stark fördert“ sagte Dr. Roland Weber von der Obstbauversuchsanstalt am Obstbau Versuchs- und Beratungszentrum (OVB) Jork. Im Rahmen des Projektverbundes KLIMZUG-NORD kann jetzt eine für das Alte Land zentrale Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel umgesetzt werden: die Einrichtung eines Diagnostiklabors am OVB Jork. Hier wird mit Hochdruck an der Erkennung, Infektionsbiologie und Bekämpfung neuer Schadpilze gearbeitet.
Die Schwarze Sommerfäule
Das bislang deutlichste Beispiel eines durch den Klimawandel begünstigten Schadpilzes ist Diplodia seriata, durch Dr. Roland Weber am OVB Jork erstmals im Sommer 2007 nachgewiesen. Dieser Wärme liebende Pilz verursacht die Schwarze Sommerfäule des Apfels, eine bis dahin an der Niederelbe völlig unbekannte Krankheit. Im Juli finden Infektionen der wachsenden Früchte statt, welche sich zunächst hinter unauffälligen kleinen schwarzen Punkten, dem Latenzstadium, verbergen. Kurz vor der Ernte kommt es dann zum Ausbruch einer aggressiven Fäulnis, welche die gesamte befallene Frucht in wenigen Tagen vernichtet. Vor allem Bio-Obstbauern müssen seit 2007 bei bestimmten Apfelsorten Ernteausfälle bis zu 10% hinnehmen. Einzelne Bäume weisen sogar Totalverluste auf. Die Ausbreitung dieser Krankheit an der Niederelbe wird durch die Forscher am OVB Jork akribisch verfolgt. Bislang gibt es kaum Bekämpfungsmöglichkeiten, jedoch arbeitet man am OVB Jork im Rahmen von KLIMZUG-NORD intensiv an Lösungen. Erste Ansätze gibt es bereits. Diplodia seriata ist als Fruchtfäule bislang nur aus wärmeren Regionen bekannt, z.B. Südfrankreich. Die Infektion findet bei unserem derzeitigen Klima nur an sehr warmen Tagen mit Starkregen statt. Daher ist ein Zusammenhang der Invasion von D. seriata mit dem aktuell stattfindenden Klimawandel sehr wahrscheinlich.
Obstbau an der Niederelbe
Das Alte Land erstreckt sich von den Toren Hamburgs südlich der Elbe entlang bis nach Stade. Obstbau wird hier seit über 650 Jahren betrieben und ist damit der nachhaltigste Wirtschaftszweig dieser Region. Heute ist das Alte Land Nordeuropas größtes zusammenhängendes Obstanbaugebiet: Auf fast 10.000 ha wird hier jeder dritte deutsche Apfel produziert. Auch die angrenzenden Gebiete Kehdingen und Stader Geest sind stark vom Obstbau geprägt. Die Produktion von Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Beerenobst bietet über 10.000 Menschen eine Existenzgrundlage. Der sehr hohe wirtschaftliche Erfolg dieses Wirtschaftszweiges wird durch die gewachsenen, eng vernetzten Strukturen aus Forschung, Beratung, Produktion und Vermarktung gewährleistet. Forschungs- und Beratungsinstitutionen sind unter dem Dach des Obstbau Versuchs- und Beratungszentrums (OVB) Jork angesiedelt. Demnächst wird auch die Obstbauschule hier ihren Platz finden.
Der Klimawandel
Obstbäume sind mit ihren langen Standzeiten von 15-20 Jahren den Elementen besonders ausgesetzt. Ein wichtiges Forschungsthema am OVB Jork ist daher der Klimawandel mit seinen Auswirkungen auf den Obstbau. Eine Auswertung der langjährigen Beobachtungen am OVB Jork hat gezeigt, dass die Temperatur in den letzten 35 Jahren um etwa 1,5 °C gestiegen ist. Die Obstbäume reagieren bereits auf diesen Klimawandel: So hat sich der Beginn der Obstblüte in den vergangenen 30 Jahren um über 5 Tage pro Jahrzehnt verfrüht. Auch die bereits etablierten Schaderreger der Obstbäume zeigen erste Reaktionen auf den Klimawandel. In den letzten Jahren ist der Apfelwickler (Cydia pomonella) zum wichtigsten Insektenschädling im Alten Land geworden. Seine Raupen befallen als Obstmaden die Früchte. Pro Jahrzehnt verfrüht sich der Falterflug des Apfelwicklers im Durchschnitt um 10 Tage. Somit finden die im Frühsommer aus den abgelegten Eiern schlüpfenden Raupen immer wärmere und längere Sommerperioden vor und können sich entsprechend besser entwickeln. Seit einigen Jahren beobachtet man im Alten Land das Auftreten einer zweiten Faltergeneration im Spätsommer. Kommt sie zur Eiablage, kann sie den Fruchtbefall kurz vor der Ernte erheblich verstärken. Somit sind nun immer größere Anstrengungen erforderlich, um den Apfelwickler zu kontrollieren. Hierzu werden am OVB Jork innovative Bekämpfungsmethoden ausprobiert und an die Obsterzeuger weitergegeben.
KLIMZUG-NORD
Steigendes Hochwasser an der Elbe, intensivere Schädlingsplagen in der Landwirtschaft und vermehrt vollgelaufene Keller durch Starkregenfälle sind mögliche Szenarien, die zeitnah in Norddeutschland auftreten können. Das Forschungsprojekt KLIMZUG-NORD soll bis zum Jahr 2014 Lösungsansätze finden, mit denen künftig den Folgen des Klimawandels in der Metropolregion Hamburg begegnet werden kann.
Auch durch einen erfolgreichen Klimaschutz ist eine kurzfristige Minderung der zu erwartenden Klimaänderungen nicht mehr möglich. Es besteht daher ein dringender Bedarf für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik an neuen, verbesserten Wegen zur Anpassung an den Klimawandel. Im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung zum Klimaschutz fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sieben ausgewählte deutsche Regionen über einen Zeitraum von fünf Jahren mit dem Programm KLIMZUG („Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten“). Von diesen sieben Modellregionen sollen erhebliche Impulse für die Anpassung an den Klimawandel in weiteren Landesteilen Deutschlands sowie in anderen Ländern ausgehen. KLIMZUG-NORD mit der Metropolregion Hamburg ist eine der Modellregionen.
Die Projektpartner von KLIMZUG-NORD erforschen Auswirkungen des Klimawandels auf Städte, ländliche Räume und das Einzugsgebiet der Elbe in der Metropolregion Hamburg. Durch die Auswertung von Klimadaten, Planungen für den Naturschutz, Feld- und Laborversuche, Analysen von Regelungsformen, konkrete bauliche Maßnahmen und wirtschaftliche Modelle werden vielfältige Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel vorgeschlagen. Chancen und Risiken werden untersucht. Ziel ist die Entwicklung eines abgestimmten Handlungskonzeptes und die Erstellung eines bis 2050 reichenden Masterplans „Klimafolgen-Management“. KLIMZUG-NORD ist ein Verbund anerkannter und renommierter Partner aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Behörden, behördennahen Einrichtungen und Unternehmen. Hinzu kommen zahlreiche weitere assoziierte Partner und als Unterstützer alle acht niedersächsischen Landkreise und sechs schleswigholsteinischen Kreise der Metropolregion Hamburg.
KLIMZUG-NORD fördert als Leitprojekt der Metropolregion Hamburg den Dialog zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Fachdisziplinen und mit Vertretern aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik und sucht den Austausch mit Interessenverbänden und der Bevölkerung. (klimzug)

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