NABU: Fordert Offenlegung von Pestizideinsatzdaten

Nach dem Urteilsspruch im baden-württembergischen Pestizidstreit fordert der NABU eine bundesweite Offenlegung der Pestizideinsatzdaten.

Der NABU fordert eine bundesweite Offenlegung der Pestizideinsatzdaten. Bild: GABOT.

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„Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft belastet die Natur und ist einer der Haupttreiber für den Insektenschwund. Das aktuelle Urteil aus Baden-Württemberg ist ein großer Erfolg für den Artenschutz. Es sollte der Startschuss für eine bundeseinheitliche Regelung zur Veröffentlichung der Einsatzdaten sein, um die Umweltauswirkungen durch Pflanzenschutzmittel präziser auswerten und gegensteuern zu können“, sagte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger auf einer Pressekonferenz des NABU zum Thema.

Artenschutz braucht bundesweite Transparenz beim Einsatz von Pestiziden

„Wie umfangreich Pestizide eingesetzt werden und in welcher Relation dies zum Rückgang unserer Insektenvielfalt beiträgt, lässt sich nur anhand genauer Daten bewerten. Diese Daten können wir jetzt in Baden-Württemberg endlich einsehen“, erklärt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle. Sein Verband hatte jüngst vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim geklagt und in letzter Instanz Recht bekommen: „Mit dem Urteil wurde klargestellt, dass es sich bei Daten zum Pestizideinsatz um Umweltinformationen handelt, die jeder Bürger und jede Bürgerin auf Wunsch erhalten können muss.“ Nach Wunsch des NABU sollen Pestizideinsatzdaten künftig in ganz Deutschland ausgewertet werden können. Die Ergebnisse sollen dann für Umweltverträglichkeitsprüfungen sowie für Gesellschaft und Wissenschaft verfügbar gemacht werden. Der Verband hat deshalb in zehn weiteren deutschen Flächenländern Einsicht in die Aufzeichnungen zu Pestizidanwendungen beantragt und wird auch dort im Zweifel den Klageweg beschreiten.

Studie sieht eklatante Mängel in der Risikobewertung von Pestiziden

Eine im Juni vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig veröffentlichte und vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebene Studie belegt bundesweit viel zu hohe Pestizidbelastungen von Kleingewässern. Die staatlich festgelegten Grenzwerte werden in 81% der untersuchten Bäche überschritten, teils sogar um mehr als das 100-fache. Besonders gefährdet sind empfindliche Insekten wie Köcherfliegen und Libellen, die deutlich niedrigere Grenzwerte bräuchten. Für Prof. Matthias Liess sind die Pestizideinsatzdaten deshalb ein wertvoller Schatz: „Die Daten sind fundamental wichtig für uns, um die Modelle, auf deren Grundlage die Pestizidwirkstoffe von den Bundesbehörden derzeit zugelassen werden, in der Praxis zu validieren. Unsere Studie zeigt ja, dass die Modelle der deutschen und europäischen Zulassungsbehörden falsch sein müssen, da sie nicht mit der unter Freilandbedingungen gemessenen Wirklichkeit übereinstimmen.“

Die eindeutigen Studienergebnisse unterstreichen für NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger den Reformbedarf bei der Pestizidzulassung: „Das Zulassungsverfahren für Pestizide beruht offensichtlich auf falschen Annahmen zu ihrer Speicherung und Konzentration in der Umwelt. Deshalb wird auch das Risiko durch Pestizide für Insekten im Verfahren geringer eingeschätzt, als es tatsächlich ist. Die neue Bundesregierung ist aufgefordert schnell die Verfahren für Risikobewertungen und die Zulassungen zu überprüfen und weiter zu entwickeln. Nur mit offen einsehbaren Pestizideinsatzdaten kann eine Basis für die Reduzierung der Umweltauswirkungen von Pestiziden entstehen. Gemäß den Empfehlungen aus der Zukunftskommission Landwirtschaft, sollen Konzepte dafür gemeinsam mit den landwirtschaftlichen Betrieben entwickelt und umgesetzt werden und angemessen entlohnt werden.“ (NABU)

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