Forschung: Der Stress der Pflanzen beim Landgang

Die Entstehung sämtlicher Flora an Landpflanzen (die Embryophyten) – vom Mooswuchs auf Steinen über die Gerste auf den Feldern bis zum Mammutbaum – kann evolutionär auf ein einziges Schlüsselereignis zurückverfolgt werden: den Landgang der Pflanzen (Terrestrialisierung).

Die ersten Pflanzen an Land... Bild: GABOT.

Anzeige

Der Biologe Prof. Dr. Jan de Vries von der Universität Göttingen hat einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) erhalten. Für einen Zeitraum von fünf Jahren fördert der ERC sein Projekt „Terrestrialization: stress signalling dynamics in the algal progenitors of land plants (TerreStriAL)“ mit rund 1,5 Mio. Euro. Mit der Förderung untersuchen de Vries und sein Team einen zentralen Faktor beim Landgang der Pflanzen vor mehr als 500 Mio. Jahren.

Die Entstehung sämtlicher Flora an Landpflanzen (die Embryophyten) – vom Mooswuchs auf Steinen über die Gerste auf den Feldern bis zum Mammutbaum – kann evolutionär auf ein einziges Schlüsselereignis zurückverfolgt werden: den Landgang der Pflanzen (Terrestrialisierung). Während dieses Ereignisses etablierten sich die Algenvorläufer der Landpflanzen erfolgreich im terrestrischen Habitat – und brachten in der Folge die beeindruckende Diversität an Landpflanzen hervor, die heute die Basis des Lebens an Land ist. Welche Faktoren ermöglichten diese Erfolgsgeschichte? Mit der ERC-Förderung werden de Vries und sein Team einen Schlüsselfaktor, der den Landgang ermöglichte, näher beleuchten: den Umgang mit Stressfaktoren, die spezifisch für das Leben an Land sind.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen dabei einen systembiologischen Ansatz: Hierfür werden Genome von spezifischen Algen, wie der Sternalge Zygnema aus der Sammlung von Algenkulturen der Universität Göttingen, entschlüsselt. Auf diese Genomdaten projizieren sie sowohl Genexpressionsmuster unter Stressbedingungen als auch die produzierten Sekundärstoffe. Diese Daten werden dann mit denen landpflanzlicher Modellsysteme wie der Acker-Schmalwand, Reis, oder dem Blasenmützenmoos bioinformatisch verglichen. Mittels dieser Vergleiche lassen sich Einblicke in die Evolution von Stressantwortsystemen über mehr als 600 Mio. Jahre pflanzlicher Geschichte gewinnen.

Jan de Vries, Jahrgang 1989, absolvierte sein Bachelorstudium in Biologie an der Technischen Universität Braunschweig, sein Masterstudium in molekularen Pflanzenwissenschaften an der Universität Uppsala in Schweden und wurde 2016 an der Universität Düsseldorf promoviert. Ein Postdoktorat führte ihn als DFG-Forschungsstipendiat an die Dalhousie University in Halifax, Kanada. Seit September 2019 ist er Juniorprofessor für Angewandte Bioinformatik an der Universität Göttingen. Seine Arbeiten wurden bereits mit verschiedenen Preisen und Auszeichnungen gewürdigt. Unter anderem erhielt er 2019 den Gray-Doolittle Award for Research Excellence im Bereich Evolutionsbiologie.

Mit den Starting Grants des ERC unterstützt die Europäische Union herausragende Nachwuchsforscherinnen und -forscher beim Aufbau ihrer wissenschaftlichen Karriere. Die Fördergelder sollen ermöglichen, ein eigenständiges wissenschaftliches Profil zu entwickeln und innovative Ideen zu verfolgen. (Uni-Göttingen)

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.