Nikotin aus Tabak: Kein "natürliches" Mittel

Auf verschiedenen Foren für Gärtnerei oder Haushaltstipps im Internet finden sich "Rezepte", wie man aus Tabak ein vermeintlich natürliches, ökologisches und dennoch sehr wirksames Mittel gegen Schädlinge herstellen kann.

Auf verschiedenen Foren für Gärtnerei oder Haushaltstipps im Internet finden sich "Rezepte", wie man aus Tabak ein vermeintlich natürliches, ökologisches und dennoch sehr wirksames Mittel gegen Schädlinge herstellen kann. Bild: GABOT.

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Auch einzelne Gärtner raten ihren Kunden zur Anwendung von Tabaksud. Tatsächlich finden die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA) vereinzelt auffällige Rückstände an Nikotin in Obst- und Gemüseprodukten, auch aus Deutschland. Dabei ist Nikotin sehr giftig und von der Anwendung des Tabaks als „ökologisches“ oder gar „harmloses Pflanzenschutzmittel“ ist dringend abzuraten!

Nikotin in Obst und Gemüse - wo liegt das Problem?

In letzter Zeit findet man zwar vereinzelt, aber immer wieder Rückstände an Nikotin in Obst- und Gemüseprodukten, auch in Produkten aus Deutschland. Nikotin ist ein Nervengift, das für den Menschen und in noch höherem Maße für Insekten schädlich ist. Es kann natürlich in Pflanzen wie z.B. den Nachtschattengewächsen vorkommen, abgesehen vom Tabak sind die Gehalte hier jedoch gering. Der Stoff gehört mit zu den giftigsten Pestiziden, die einmal in Europa zugelassen waren. Während Nikotin in Drittländern teilweise noch angewendet wird (als Pestizidwirkstoff oder als Tabakzubereitung), ist der Stoff auf Grund seiner hohen Giftigkeit (Toxizität) in der EU bereits seit 2010 nicht mehr als Pestizidwirkstoff in Pflanzenschutzmitteln zugelassen.

Verwendung von Tabak als „natürliches“ oder „harmloses“ Mittel gegen Schädlinge

Umso überraschender waren für die CVUA die vielfältigen Funde an „Rezepten“ in verschiedenen Foren für Gärtnerei oder Haushaltstipps im Internet. Dort wird beschrieben, wie man aus Tabak als Naturprodukt vermeintlich natürliche, ökologische und dennoch sehr wirksame Mittel gegen Schädlinge herstellen kann. Der Tabak soll dabei in der Regel nicht direkt ausgestreut werden. Stattdessen wird empfohlen, aus beispielsweise einem Liter Wasser und einigen zerbröselten Zigaretten einen Sud anzusetzen, der dann mehrere Tage lang ziehen soll bevor er mit einer Blumenspritze auf die Pflanzen gesprüht wird.

Teilweise findet man in diesem Zusammenhang auch Warnhinweise in den Foren, den Sud nur im Außenbereich, in Abwesenheit von Kindern und/oder nur für Zierpflanzen zu verwenden. In vielen Fällen wird jedoch in keiner Weise auf die hohe Giftigkeit des Nikotins in dem Tabak hingewiesen. Nachforschungen zufolge raten einzelne Gärtner ihren Kunden sogar zur Anwendung von Tabaksud als natürliches, Insekten abwehrendes Mittel, auch für Lebensmittel produzierende Pflanzen.

Tatsächlich finden die Untersuchungsämter in ihren Proben vereinzelt auffällige Rückstände an Nikotin, auch in Obst- und Gemüseproben aus der EU und aus Deutschland. Als auffällig sieht man Befunde an, die über den Werten liegen, die durch natürliche Gehalte der Pflanzen selbst, durch Kontamination mit Tabakstäuben oder durch Raucherhände zu erwarten wären. Die gesetzlich festgelegten Höchstmengen für Nikotin in pflanzlichen Produkten liegen dabei für die meisten Lebensmittel bei 0,01 mg/kg. Nur für einige wenige Produkte sind sie höher angesetzt (z.B. für Tee, Pilze, Gewürze oder Kräuter). 229 Proben pflanzlicher Lebensmittel mit der Höchstmenge von 0,01 mg/kg wurden in den vergangen 18 Monaten am CVUA Stuttgart auf Nikotin untersucht. Von 94 deutschen Proben wiesen vier auffällige Nikotinbefunde über der Höchstmenge nach Verordnung (EG) Nr. 396/2005 auf. Bei zwei dieser vier Proben waren die Höchstmengen sogar nach Berücksichtigung der analytischen Schwankungsbreite von 50% gesichert überschritten und die Proben mussten beanstandet werden (eine Eichblattsalat- und eine Johannisbeeren-Probe). (CVUA)

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