Honigbienen: Nehmen Fungizidbelasteten Sirup auf

Untersuchungen an der Universität in Illinois haben gezeigt, dass Honigbienen, bis zu einem gewissen Mischungsverhältnis, einen mit bestimmten Chemikalien gestreckten Zuckersirup der unbelasteten in der Natur vorkommendem Nektar vorziehen. Potentiell ist dies für die Gesundheit der Bienen schädlich.

Auch mindestens eine Hummelart bevorzugt Nahrung die mit Neonicotinoid-Pestiziden belastet ist. Bild: GABOT.

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Forscher in der Zeitschrift Scientific Reports berichten, dass Honigbienen es vorziehen, Zuckersirup zu sammeln, der mit dem Fungizid Chlorothalonil gestreckt ist. Der rätselhafte Befund folgt anderen Studien, die Fungizide mit dem Rückgang der Populationen von Honigbienen und Wildbienen in Verbindung bringen. Eine kürzlich durchgeführte Studie fand beispielsweise Parallelen zwischen der Verwendung von Chlorthalonil und dem Vorkommen von Nosema bombi, einem Pilzparasiten, bei Hummeln. Größerer Chlorothalonilgebrauch wurde auch mit Streckenverkürzungen bei vier Arten von Hummeln, deren Bestände zurückgehen, in Verbindung gebracht.

Andere Untersuchungen haben gezeigt, dass europäische Honigbienen ein sehr begrenztes Repertoire an entgiftenden Enzymen haben und dass die Exposition gegenüber einer potenziell toxischen Verbindung, einschließlich Fungiziden, ihre Fähigkeit andere Toxine zu verstoffwechseln beeinträchtigen kann.

"Die Leute gehen davon aus, dass Fungizide nur Pilze befallen" sagt der Entomologieprofessor und Abteilungsleiter May Berenbaum von der University of Illinois, der die neue Forschung mit dem Postdoktoranden Ling-Hsiu Liao leitete. "Aber Pilze sind viel enger mit Tieren verwandt als mit Pflanzen. Toxine, die physiologische Prozesse in Pilzen stören, können somit auch Tiere, einschließlich Insekten, negativ beeinflussen."

Einige Wissenschaftler haben argumentiert, dass Bienen möglicherweise weniger anfällig für landwirtschaftliche Chemikalien sind, als Laborstudien vermuten lassen, weil die Bienen potenziell giftige Chemikalien in der Umwelt entdecken und vermeiden könnten. Eine Studie aus dem Jahr 2015 hat jedoch ergeben, dass europäische Honigbienen und mindestens eine Hummelart Sirup mit Neonicotinoid-Pestiziden bevorzugen.

Um zu testen ob die Honigbienen bei der Nahrungssuche eine Vorliebe für andere Chemikalien zeigten, die sie wahrscheinlich in freier Wildbahn antreffen, richtete Liao zwei Futterstationen in einem großen Gehege ein. Die Honigbienen konnten frei von einer Fütterungsstelle zur anderen fliegen, wo sie entweder Zuckersirup mit einer Prüfsubstanz oder Zuckersirup, der mit einem Lösungsmittel als Kontrolle gemischt wurde, einsammelten. Im Laufe der Studie testete sie die Reaktionen der Honigbienen auf neun natürlich vorkommende Chemikalien, drei Fungizide und zwei Herbizide in verschiedenen Konzentrationen.

Die Versuche ergaben, dass Honigbienen bei allen getesteten Konzentrationen das natürlich vorkommende chemische Quercetin den Kontrollsubstanzen vorziehen.

"Das macht Sinn, denn alles, was die Honigbienen essen, enthält Quercetin" sagte Berenbaum. "Es gibt Quercetin im Nektar, es gibt Quercetin in Pollen. Quercetin ist in Honig und Bienenbrot enthalten, und es ist ein zuverlässiger Anhaltspunkt, den die Bienen benutzen, um Nahrung zu erkennen."

Zur Überraschung der Forscher bevorzugten die Bienen auch Zuckersirup, der mit Glyphosat, dem Wirkstoff des Monsanto-Herbizids Roundup, versetzt ist, mit 10 ppm, jedoch nicht in höheren Konzentrationen. Und während die Bienen aktiv Sirup vermieden haben, der das Fungizid Prochloraz enthielt, zeigten sie eine milde Präferenz für Zuckersirup, der mit Chlorothalonil bei 0,5 und 50 ppb gestreckt wurde, jedoch nicht mehr bei 500 ppb.

"Die Bienen meiden dieses Fungizid nicht nur, sie konsumieren es in bestimmten Konzentrationen bevorzugt", sagte Berenbaum.

Fungizide gehören zu den häufigsten Kontaminatoren von Honigbienenstöcken, und es ist wahrscheinlich, dass die Bienen selbst diese Pestizide durch ihre Nahrungsaufnahmeaktivitäten in die Kolonie bringen. Die Vorlieben der Bienen für einige potenziell giftige Chemikalien könnte das Ergebnis ihrer eigenen Evolutionsgeschichte sein so Berenbaum.

"Honigbienen sind Sammler" äußerte er sich weiter. "Sie sind vom frühen Frühling bis zum späten Herbst aktiv und es gibt keine Blumenquelle, welche die ganze Saison verfügbar ist. Wenn sie keinen Antrieb haben, etwas Neues zu suchen, wird das ihre Fähigkeit ernsthaft gefährden, die Blumen zu finden, die sie brauchen. Unnatürliche Chemikalien könnten ein Signal für ein neues Lebensmittel sein."

Die neuen Entdeckungen sind im Licht der Forschung besorgniserregend. Die Exposition gegenüber Fungiziden stört die Fähigkeit der Honigbienen, die von den Imkern verwendeten Akarizide, welche parasitären Varroamilben töten sollen, zu metabolisieren. Verroamilben befallen Vermehrt die Bienenstöcke.

"Die Dosis bestimmt die Giftigkeit", sagte Berenbaum. "Wenn Ihre Fähigkeit, Gifte zu verstoffwechseln, beeinträchtigt ist, kann eine therapeutische Dosis zu einer toxischen Dosis werden. Und das scheint zu passieren, wenn Honigbienen auf mehrere Pestizide treffen."

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