ToSBa: Start mit 10 Demonstrationsbetrieben

Wie kann Torfersatz in der Baumschulpraxis gelingen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderte Modell- und Demonstrationsvorhaben ToSBa (Torfreduzierte Substrate in Baumschulen) in den nächsten drei Kulturjahren.

Carpinus mit torfreduziertem Substrat im Container. Bild: ToSBa.

Insgesamt 10 Demonstrationsbetriebe stellen sich in 2 Modellregionen der Herausforderung, torfreduzierte Substrate in einigen ausgewählten Kulturen zu etablieren und bis zum Projektende nur noch maximal 50% Torf in diesen Substraten einzusetzen. Sie werden dabei sehr engmaschig von den Regionalkoordinator*innen des Vorhabens betreut und beraten. Diese besuchen die Baumschulen regelmäßig, nehmen Substratproben und begutachten die Pflanzen. Auch Unterschiede in der Kulturführung und der Bewässerung werden erfasst.

Ziel ist es, mit den 10 Demonstrationsbetrieben einen guten Querschnitt durch die wichtigsten Baumschul-Containerkulturen darzustellen. Auch die Betriebsstrukturen, die Kulturverfahren und die Erfahrungen mit Torfersatz sollen sich bewusst unterscheiden, um verschiedene Herangehensweisen an die Torfminderung aufzeigen zu können.

Modellregion Ammerland (Niedersachsen)

Das Ammerland ist eines der wichtigsten Anbaugebiete für Bäume und Sträucher in Europa. Auf ca. 4.000 ha werden hier in mehr als 260 Baumschulen Gehölze kultiviert. Diese fünft Demonstrationsbetriebe beteiligen sich an ToSBa:
Wie der erste Schritt bei der Torfminderung funktionieren kann, wollen die Baumschulen Warnken (Edewechterdamm) und Hülsmann (Edewecht) zeigen.
Baumschule Warnken kultiviert große Stückzahlen an Containergehölzen wie Blütensträucher, Laubgehölze, Rhododendron und Nadelgehölze – bisher größtenteils in reinem Torfsubstrat. Das ändert sich 2021: verschiedene Blütengehölze wurden in 5 L Containern in einem selbst gemischten Substrat mit 20% Holzfaser getopft.
Auch die Baumschule Hülsmann nutzt die intensive Begleitung durch ToSBa, um ihre Produktion auf torfreduzierte Substrate umzustellen. Der Schwerpunkt des Betriebs liegt auf Heckenpflanzen, Ziergräsern und Blütensträuchern. Im ersten Projektjahr werden Rotbuchen, Kirschlorbeer und Liguster in einem Substrat mit 20% Holzfaser kultiviert.

Den nächsten Schritt hin zu stark torfreduzierten Substraten gehen die folgenden drei Baumschulen. Die Baumschule Roßkamp in Wiefelstede kultiviert ein umfangreiches Sortiment an Baumschulgehölzen, zum Teil in selbstgemischten Substraten. Erste Erfahrungen mit alternativen Substratausgangsstoffen wie Holzfaser, Ton und Kokos liegen bereits vor. Im ersten Projektjahr werden Ilex und Thuja in Substraten mit nur noch 50 % Torf und verschiedenen Anteilen an Holzfaser, Rindenhumus und Substratkompost getopft. Anders als in den übrigen Demobetrieben wird hier mit reiner Flüssigdüngung gearbeitet, so dass bei Problemen immer schnell nachgesteuert werden.

Während in den übrigen Demonstrationsbetrieben eher kleine bis mittelgroße Containergrößen (bis 7,5 L) für die ToSBa-Kulturen verwendet werden, stehen in der Baumschule Hinrichs aus Edewecht (NI) verschiedene Sträucher in 20-L-Containern im Mittelpunkt der Betrachtung. Der Torfanteil in den Containersubstraten wird schon seit mehreren Jahren schrittweise reduziert. In 2021 werden für ToSBa 40 % alternative Ausgangsstoffe (Holzfaser und Substratkompost) im Substrat eingesetzt.

In der Baumschule von Jens Meyer in Apen werden Jungpflanzen von Koniferen, Laubgehölzen, Ziergräsern und schwachwachsenden Rhododendron produziert. Im ersten Kulturjahr von ToSBa werden hier Heidelbeerjungpflanzen in einem Substrat mit nur 50% Torf und verschiedenen Anteilen an Kokos und Perlite näher betrachtet. Weitere Kulturen sollen in den nächsten Jahren folgen.

Modellregion Pinneberg (Schleswig-Holstein)

Die Pinneberger Baumschulregion umfasst etwa 250 Baumschulen auf rund 3.000 ha Anbaufläche. Schwerpunktmäßig werden hier vor allem Freilandgehölze kultiviert, doch die Bedeutung der Containergehölze nimmt stetig zu. Auch hier konnten fünf Baumschulen als Demonstrationsbetriebe für ToSBa gewonnen werden.

Die Baumschule Heydorn Söhne GmbH & Co. KG aus Klein Nordende produziert ein sehr breites Sortiment an Heckenpflanzen, Laubgehölzen und Sträuchern. Der Betrieb hat bisher noch wenig Erfahrung mit alternativen Substratausgangsstoffen. Für ToSBa werden im ersten Jahr Johannisbeeren, Hainbuchen und Bodendecker in einem Substrat mit 15 % Holzfaser kultiviert.

Erste Erfahrungen mit torfreduzierten Substraten liegen bei Johannes Clasen aus Rellingen bereits vor. Die Baumschule ist ein reiner Containerbetrieb mit den Hauptkulturen Alleebäume, Heckenpflanzen und Obstgehölze. Bei Hain- und Rotbuchen, Liguster und Thuja soll im ersten Projektjahr der Anteil an alternativen Substratausgangsstoffen im Substrat von aktuell 25% weiter auf bis zu 60% angepasst werden. Dabei werden Holzfaser, Kompost und Blähton in unterschiedlichen Anteilen eingesetzt. In zwei Demonstrationsbetrieben in Schleswig-Holstein werden die Spezialkulturen Rosen und Heidelbeeren im Modelvorhaben betrachtet.

Die Rosenbaumschule W. Kordes Söhne GmbH & Co. KG aus Klein Offenseth-Sparrieshoop züchtet und kultiviert Garten-, Schnitt- und Topf-Rosen. Bei verschiedenen Gartenrosen im 5 Liter Container wird der Torfanteil im Substrat von 80% auf 50% stark reduziert. Als alternative Substratausgangsstoffe sollen vor allem Holzfaser und Kompost zum Einsatz kommen.

In dem Betrieb Heinz Clasen Container-Baumschulen GmbH aus Tangstedt werden Heidelbeeren im Container vor allem für den Weiterverkauf an Plantagen kultiviert. Die Baumschule nutzt für diese Kultur bereits ein Substrat mit 40% alternativen Substratausgangsstoffen. Der Anteil soll im ersten Projektjahr von ToSBa weiter auf 50% gesteigert werden, bestehend aus Perlite, Holzfaser und Kokos.

Kordes Jungpflanzen aus Bilsen produziert Baumschuljungpflanzen in rund 1.000 Arten und Sorten. Ein Standardsubstrat mit nur noch 40% Torf ist bereits seit mehreren Jahren im Einsatz. Im ersten Projektjahr von ToSBa wird der Torfanteil weiter auf 20% reduziert und das Substrat für verschiedene Kulturen verwendet, u.a. für Ficus-Jungpflanzen. Holzfaser und Kokosmark sind hier die Hauptbestandteile des neuen Substrates.