Torfmoosanbau: Praxisreife rückt näher

Win-win-win durch Torfmoose - das zeigte das Greifswald Moor Centrum beim Infotag am 4. September auf der Versuchsfläche im Hankhauser Moor.

Die Hankhauser Torfmoosfläche liefert ein Beispiel dafür, das Niedersachsen ein Vorreiter in nachhaltiger Moorbewirtschaftung (Paludikultur) und Klimaschutz ist. Bild: GABOT.

Nördlich von Oldenburg im Hankhauser Moor werden auf wiedervernässten, zuvor als Grünland genutzten Hochmoorflächen Torfmoose angebaut. In dem Feldversuch erprobt die Universität Greifswald zusammen mit dem langjährigen Praxispartner Torfwerk Moorkultur Ramsloh sowie der Universität Rostock erfolgreich den Anbau von Sphagnum. Im Kern soll der Feldversuch drei Eckpfeiler belegen:
- Der Anbau kann ein klimafreundliches Produktionssystem sein
- Der Anbau kann neue Einkommen im ländlichen Raum ermöglichen
- Torfmoos kann die endliche Ressource Torf im Gartenbau ersetzen

Alle drei Punkte für sich können bejaht werden und doch stockt die Überführung in die Praxis etwas. Knackpunkt ist und bleibt die Wirtschaftlichkeit: Wie hoch sind die Produktionskosten, wie hoch können die Erlöse sein und wie sieht es mit Förderungen und Subventionen aus? Gerade dieser Punkt kostet Zeit, da die politischen Institutionen nur sehr langsam reagieren und so nötige Rahmenbedingungen noch nicht vorhanden sind.

Der Anbau funktioniert mit dem richtigen Wassermanagement gut und sicher und doch sind immer noch nicht alle Fragen geklärt, z.B. wie am sinnvollsten geerntet wird. Gleichzeitig sind die Forscher dabei, das vorhandene Anbausystem zu verbessern; so sollen die Fahrdämme verkleinert und die Grabenfläche ebenfalls verringert werden. Auch wird getestet, ob der bisher vorhandene Mittelgraben wirklich nötig ist.

Ungeachtet dieser Fragen hat sich gezeigt, dass sich Torfmoose zur Herstellung von Pflanzerde gut eignen. Anbauversuche mit Calluna und verschiedenen Gräsern zeigen, dass Torf komplett durch Torfmoos ohne Ertrags- und Qualitätsverluste ersetzt werden kann.

Die Torfmooskultur auf Hochmoorgrünland bietet einen Lebensraum für viele seltene, moortypische Tier- und Pflanzenarten. Dieser positive Nebeneffekt wird aber kaum eine Rolle spielen, wenn es darum geht, die Erlöse aus dem Anbau dem Investitionsrisiko und den Produktionskosten gegenüber zu stellen. Solange die Rahmenbedingungen zu unsicher sind, werden interessierte Landwirte nicht in den kommerziellen Torfmoosanbau einsteigen. Damit das aber möglich wird, wird noch ein einigen Stellschrauben gedreht werden müssen.