Paludikultur-Pilot-Site: Erster Spatenstich

Wie können wir etwas für den Klimaschutz tun und Moorböden weiterhin landwirtschaftlich nutzen? Dieser Frage geht das neue Verbundvorhaben "Produktketten aus Niedermoorbiomasse" auf den Grund.

„Erster Spatenstich“: Von links nach rechts: Rolf Schölzel (Domänenamt Oldenburg), Stephanie Siefken-Hahn (Leitung Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft Landkreis Oldenburg), Colja Beyer (Kompetenzstelle Paludikultur NLWKN / 3N Kompetenzzentrum), Peter Meyer (Fachbereichsleitung Gemeindeentwicklung Gemeinde Ganderkesee), Wilhelm Rohlfs (NLWKN), Torben Müller (Heino Müller Baggerbetrieb), Bjarne Müller (Heino Müller Baggerbetrieb). Bild: 3N e.V.

Innerhalb eines Partnerkonsortiums werden Produkte, Ökosystemleistungen und Anbau untersucht. Gefördert wird das Projekt mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. Projektträger ist der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Kooperation mit dem 3N Kompetenzzentrum. Dabei werden die ersten Pilot Sites für eine Niedermoor-Paludikultur in Niedersachsen eingerichtet. Da die Pilotflächen in unterschiedlichen Regionen entstehen, können regionalspezifische Aussagen getroffen werden. Mit einer Größe von mindestens 5.000 m² sind sie repräsentativ für die praktische Umsetzung und geeignet für Demonstrationszwecke.

Im Hohenbökener Moor, Landkreis Oldenburg, wurde am Freitag, den 9. Oktober 2020 der erste Spatenstich von Vertretern des Landkreises Oldenburg, der Gemeinde Ganderkesee, des Flächeneigentümers (Domänenamt Oldenburg), des Projektträgers (NLWKN) und des ausführenden Bauunternehmens (Heino Müller Baggerbetrieb) gesetzt. Hier entsteht eine ungefähr 0,5 Hektar große Pilotfläche, auf der der Anbau von Rohrkolben und Schilf erprobt sowie die Auswirkungen auf Klima, Wasser und Biodiversität untersucht werden. Wissenschaftler sammeln kontinuierlich Daten auf dieser Fläche. Unter anderem führt das Thünen-Institut für Agrarklimaschutz Treibhausgasaustausch-Messungen durch. Erwartet wird eine drastische Senkung der Treibhausgasemissionen. Veränderungen hinsichtlich Wasserqualität und Biodiversität sollen vom Fachbereich „Raum- und Umweltwissenschaften“ der Universität Trier und vom Institut für Umweltplanung der Leibniz Universität Hannover untersucht werden. Das Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde des Julius Kühn-Instituts erhebt pflanzenbauliche Daten und wertet diese aus, um zukünftige Anbauverfahren zu optimieren.

Aus den Rohstoffen – Rohrkolben und Schilf – werden von den Projektpartnern Jade Hochschule Oldenburg, der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, der Floragard Vertriebs-GmbH und dem 3N Kompetenzzentrum e.V. Produkte wie Dämmstoffe und Torfersatzstoffe entwickelt und in der Praxis getestet.

Für die Pilotanlage wird derzeit ein ungefähr 300 Meter langer Polderdamm mit Ringgraben angelegt. Photovoltaik-Anlagen liefern Strom für die Wasserpumpe. Neben dem Versuchspolder wird eine Wetterstation errichtet.