Moor: Wie geht das mit dem Rohrkolben?

Feldtag zu Paludikultur zeigt klimaverträgliche Nutzung auf nassen Mooren - Förderbescheidübergabe durch Umweltstaatsekretär Jochen Flasbarth.

Forscher begutachten einen Rohrkolbenbestand im Winter. Bild: Tobias Dahms.

„Paludikultur in der Praxis“ zeigt ein öffentlicher Feldtag am 3. September 2021 anhand einer 10 ha großen Versuchsfläche zum Rohrkolbenanbau bei Neukalen (Mecklenburg-Vorpommern). Auf einem Rundgang mit mehreren Stationen erleben Besucher von 11 Uhr bis 15 Uhr Forschung zum Anfassen. Wissenschaftler und Kooperationspartner des Greifswald Moor Centrum informieren über Erfahrungen und Untersuchungen zu Einrichtung der Fläche, Anbau von Rohrkolben, Wassermanagement, Ernte und Verwertung der Biomasse sowie zur Bedeutung nasser Moore für das Klima und die Biodiversität. Als „rollende Ausstellung“ zeigt ein Paludi-Tiny House, wie Rohstoffe aus Paludikultur als ökologische Baumaterialien genutzt werden können.

Hintergrund:

Nasse Moore sind Klimaschützer, denn sie speichern in ihren Torfen große Mengen Kohlenstoff und zwar doppelt so viel wie die Biomasse der Wälder weltweit. Ein Großteil der Moore sind jedoch zur land- und forstwirtschaftlichen Nutzung trockengelegt. Durch das Eindringen von Sauerstoff in den Torf wird der Kohlenstoff als CO2 in die Atmosphäre freigesetzt. In Deutschland machen Moore zwar nur 7% der landwirtschaftlichen Fläche aus, sind aber für 37% der Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft verantwortlich. Ihre Wiedervernässung ist eine effiziente und umsetzbare naturbasierte Maßnahme für den Klimaschutz, ohne die sich die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele nicht erreichen lassen. Gleichzeitig sind nasse Flächen nicht für die Landwirtschaft verloren. In einer innovativen Form der Landwirtschaft – genannt Paludikultur (lat. palus Sumpf, cultura die Landwirtschaft) – lassen sich z.B. Schilf, Rohrkolben, Seggen oder Torfmoos kultivieren. Abgesehen von traditionellen Praktiken wie der Mahd von Schilf für die charakteristischen Reetdächer, steckt Paludikultur noch in den Kinderschuhen. Pilotprojekte erforschen, wie sich Paludikultur umsetzen lässt und welche einheimischen Pflanzenarten für den Anbau auf nassen Mooren geeignet sind. Rohrkolben (Typha) lässt sich vor allem für Bauplatten und Dämmmaterialien verwenden und hat daher ein hohes Wertschöpfungspotenzial. Paludikultur bietet gerade in moorreichen ländlichen Gebieten eine Chance, neue Verwertungsketten aufzubauen und zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Fläche bei Neukalen in Mecklenburg-Vorpommern wurde vor zwei Jahren im Projekt Paludi-PRIMA mit Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft eingerichtet. Der Feldtag ist eine gemeinsame Veranstaltung der Projekte Paludi-PRIMA, MoKli und PRINCESS und wird vom Greifswald Moor Centrum in Zusammenarbeit mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV organisiert.