Im Interview: Josef Gramann

Josef Gramann ist Geschäftsführer der Gramoflor GmbH und Co. KG mit Sitz in Vechta. Im Interview mit GABOT spricht er über Torfreduktion, den Einsatz von Ersatzstoffen und die Bedeutung von CO2 im Torfabbau.

Josef Gramann zeigt das Kokos-Rohmaterial. Bild: GABOT.

Sie bezeichnen sich selbst oft scherzhaft als „Torfkopf“ – doch Torf ist ja in unseren Substraten auf dem Rückzug. Müssen Sie sich bald „Holzkopf“ nennen? Gehen wir weg vom Torf?

Weniger Torf ja – weg vom Torf kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Wir sind ja im Bereich Substrate für den Profigartenbau zu Hause und da wage ich mal die Behauptung, dass wir auch noch die nächsten zwei Jahrzehnte Torf einsetzen müssen. Aber immer weniger! Wir sind jetzt schon bei den Profisubstraten bei einer Torfersatzquote von 20 Vol.-% und hier ist auch das Exportgeschäft komplett mit eingerechnet, das insgesamt noch deutlich „torflastiger“ ist als hier in Deutschland. Damit liegen wir auf jeden Fall über dem Branchendurchschnitt. Und dies wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen – also immer weniger Torf und dafür mehr Torfersatzstoffe. Dabei wird sicherlich der Holzfaser eine große Rolle spielen, Kokos wird, weil es nicht so viele Alternativen gibt, ebenfalls von großer Bedeutung. So wird aus dem „Torfkopf Gramann“ der „Torf-, Holz-, Kokoskopf“! Es wird ein Mix aus allem sein und deshalb ist auch unser Motto "Gut kombiniert - Torf reduziert!" so treffend.

20% Torfreduktion klingt ja erst einmal noch nicht so viel...

Das ist nicht schöngerechnet – das ist das, was an Torf tatsächlich eingespart werden kann. Das sind Volumenprozente – nicht Gewichtsprozente! Würden wir in Gewichtsprozenten rechnen, wären wir sicher bei einer Quote von 40%, aber das wäre nicht korrekt: Es geht wirklich darum, Torf volumenmäßig einzusparen. Und wie gesagt ist diese Angabe eine Gesamtbetrachtung inklusive Export und bezogen auf unser Kerngeschäft - den Profisubstraten. Da sind 20 Vol.-% schon sehr viel und wir gehen hier in der Branche voran.

Wie geht es denn mit der Torfreduzierung weiter?

In der Schweiz wird ja gerade ein Torfausstiegskonzept erarbeitet. Das deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft guckt da natürlich hin und sagt: „Warum können die das und warum können wir das in Deutschland nicht?“ Wir wissen ja, dass wir unsere Klimaziele nicht erreichen werden und jeder Bereich ist angehalten sich zu verbessern – so wird auch verstärkt an Torfminderungsstrategien gearbeitet. Der Druck ist inzwischen auch beim letzten Erdenhersteller angekommen. Aber wie gesagt: Wir setzen nicht auf ein bisschen torffrei – wenn wir wirklich beginnen wollen, „die Welt zu retten“, ist es nur konsequent, wenn wir 10, 20 oder 30% Torf bei allen Substraten einsparen – dann haben wir wirklich einen Effekt. Ich würde mich freuen, wenn wir zusammen mit dem Gartenbau ein Ausstiegsszenario oder eine Torfminderungsstrategie entwickeln, die auch wirklich umsetzbar ist. Nach unserer Erfahrung fängt es so ab 50 Vol.-% Torfersatzstoff und je nach Kultur an, richtig schwierig zu werden. Auch besteht die Herausforderung der weiteren Torfreduzierung darin, geeignete Rohstoffe vorzuhalten, die funktionieren, bezahlbar und dauerhaft verfügbar sind.

In der Vergangenheit haben Sie intensiv eigene Forschung nach Torfersatzstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen betrieben. Haben Miscanthus und Co. keine Chance gegen Holz und Kokos?

Wir waren begeistert von der Idee: Nachhaltige Landnutzungskonzepte, die einen ökologischen Mehrwert erbringen, die wir stofflich verwerten und dadurch Torf einsparen. Doch das Problem geht schon los bei der Ernte, denn das Rohprodukt ist für sich nicht lagerfähig, weil es noch zu feucht ist. Also muss man es erst noch einmal nachtrocknen – das ist ein Verarbeitungsschritt mehr und macht es nicht leichter. Doch das wäre nicht das Schlimmste gewesen: Das Problem ist, dass bei allen alternativen nachwachsenden Rohstoffen in den Versuchen immer eine Zersetzung stattgefunden hat. Das bringt eine Geruchsemission mit sich und zieht Trauermücken an; Verpilzung und Stickstofffixierung kommen noch dazu. Es hat bei keinem alternativen Zuschlagstoff wirklich gut geklappt. Und auch die Aufdüngung eines solchen Substrats ist schwierig – es muss ja beim Gärtner während der gesamten Kulturzeit zuverlässig funktionieren - und später auch beim Kunden. Gleichwohl, wir forschen in diese Richtung weiter, aber im Moment sind wir von der allgemeinen Praxistauglichkeit noch weit entfernt.

CO2 ist aktuell ein Top-Thema und Torf hat wie jede fossile Biomasse einen schweren Stand. Wie gehen Sie als Unternehmen damit um?

Der Diskussion, dass Torf ein fossiler Rohstoff ist, ist nichts entgegen zu setzen. Wenn ich den Torf raushole, fängt er an sich in CO2 aufzulösen. Das kann man nicht schönreden – aber wir brauchen den Torf in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch. Gleichzeitig muss man sagen, dass wenn wir den Torf nicht abbauen, emittieren diese Flächen auch. Das geht nicht so schnell, aber am Ende des Tages kommt es aufs Gleiche raus.

Wir können selbstbewusst sagen: Durch unsere Art der Torfgewinnung entsteht über den Torfabbau ein Mooraufbau und schlussendlich eine CO2-Senke. Leider ist es aber so, dass das keinen wirklich interessiert. Dass Torfabbau auch über die Landwirtschaft stattfindet und dass der auch weiter stattfindet, wenn wir dort nicht weiter machen, dass wird einfach verdrängt. Trotzdem: Wir gehen unseren Weg weiter. Fehlende Torfmengen, die wir nicht auf unseren eigenen Flächen in Niedersachsen ernten oder mit Torfersatzstoffen kompensieren konnten, kaufen wir aktuell aus dem In- und Ausland zu.

Vielen Dank!