Im Interview: Andreas Franzke

Einer der ersten Kunden, die vom Nachhaltigkeitsteam von Klasmann-Deilmann Torfmoose zur Ausbringung erhielt, war die Uni Heidelberg. Im Botanischen Garten der Ruprecht-Karls-Universität wurde 2019/2020 ein Torfmoosbecken angelegt.

Torfmoosfläche. Bild: S. Elfner, Botanischer Garten Universität Heidelberg.

Andreas Franzke, der einer der Projektverantwortlichen ist, gab jetzt einen Überblick über den aktuellen Stand.

Herr Franzke, wie groß ist Ihr Moorbereich und wie dürfen wir uns den Aufbau der Anlage vorstellen?

Die Basis der Anlage ist ein abgedichtetes Betonbecken, das ca. 15 x 9 Meter groß ist und eine Tiefe von 0,5 Metern hat. Als Grundlage dienen umgedrehte PE-Kunststoff-Kästen, die durchbohrt wurden und nun als Wasserreservoir für den Torfkörper dienen. Die Kisten stehen in einem Abstand von 10 cm zueinander. Auf den Kisten und in den Zwischenräumen wurde grober Weißtorf eingebracht. Darauf wurden mit feinem Weißtorf zwei höhere, relativ große Bultenbereiche modelliert.

In der ebenen Lage über den Kisten bzw. Schlenke ist der Torfkörper etwa 20 bis 25 cm stark und die Bulten haben eine Gesamtstärke von etwa 50 cm. Der Aufbau durfte sich dann ca. 9 Monate setzen, bevor die Fläche bepflanzt wurde. In der Mitte haben wir das sogenannte „Moorauge”, das ist ein völlig freier Bereich, der mit Wasser gefüllt ist. Dieses wurde mit Torfziegeln eingefasst, um ein Abrutschen der Randbereiche zu verhindern und das Moorauge freizuhalten.

Wie erfolgte die Ausbringung der Torfmoose?

Auf die modellierte Torfschicht wurden die Torfmoose gleichmäßig verteilt und etwas angedrückt. Über den Winter wurde die Fläche abgedeckt, um sie nicht nur vor der Kälte, sondern auch vor dem Laub zu schützen.

Wie haben sich die gelieferten Moose entwickelt?

Die Torfmoose haben sich durchweg positiv entwickelt. Zudem sind aus dem Samenspeicher unter anderem folgende Arten aufgelaufen: 'Mittlerer Sonnentau', 'Rundblättriger Sonnentau' und 'Glockenheide'. Diese haben sich alle fest in der Anlage etabliert und bilden gute Bestände. Das ist auch genau das, was wir erreichen wollten.

Mit welcher Art von Bewässerungssystem arbeiten Sie?

Das Becken besitzt keinen Ablauf. Die Bewässerung erfolgt also ausschließlich über Regenwasser. An Tagen ohne Niederschlag wird das Becken ein- bis zweimal über Kreisregner mit Regenwasser aus einer Zisterne, also einem unterirdischen beziehungsweise abgedeckten Sammelbehälter, bewässert.

Welche Erfahrungswerte konnten sie rückblickend zur Planung, Anlage und Pflege des Bereichs sammeln?

Ein wichtiger Punkt ist das Entfernen von Unkräutern. Damit wir beim Entfernen das Gewicht gleichmäßig verteilen können und keine bleibenden Abdrücke in dem weichen Unterboden hinterlassen, haben wir eine Leiter als Steg ausgelegt, die mit einem Brett als Auflage versehen ist. Dadurch wird eine Verdichtung der Torfkörper vermieden.

Einige der Pflanzen, die in die Anlage gehören, müssen regelmäßig im Bestand reduziert bzw. in die gewünschten Bereiche der Mooranlage umgepflanzt werden. 'Glockenheide' und 'Blaues Pfeifengras' sind beispielsweise so starkwüchsig, dass sie immer wieder von uns „eingefangen“ werden müssen. Anspruchsvollere Arten, wie 'Mittlerer Sonnentau' oder 'Weißes Schnabelried', haben sich hingegen an den vorgesehenen Stellen bereits fest etabliert.

Bei zu starken Niederschlägen muss mittels einer Tauchpumpe der Wasserstand gesenkt werden. Dies gestaltet sich als zeitaufwändig, da diese regelmäßig verstopft. Wahrscheinlich wäre ein regulierbarer Ablauf gut, um ein Verstopfen zukünftig zu vermeiden. Im Winter wird der Wasserstand nicht reguliert. Zu hohe Wasserstände im Winter führen dazu, dass ungewünschte Beikräuter in den niedrigen Bereichen ertränkt werden. Ein Nachteil für die Moorbepflanzung konnten wir dadurch bisher noch nicht beobachten.

Rückblickend hat sich die Anlage des Hochmoorbeckens tatsächlich wie geplant entwickelt. Da wir vorher in dem Bereich keinerlei Erfahrung hatten, ist das für uns natürlich besonders erfreulich.

Vielen Dank!