Gramoflor: Kokos als Torfersatzstoff

Seit Anfang letzten Jahres setzt die Gramoflor GmbH und Co. KG neben Holzfaser auch auf Kokos als Torfersatzstoff. Dabei hat das Unternehmen in Vechta die Aufbereitung des Rohstoffs selbst in die Hand genommen.

Gramoflor kauft das trockene, gepresste Rohmaterial bei zertifizierten Betrieben und bereitet den Rohstoff dann selber auf. Bild: GABOT.

Nach gut einem Jahr liegen nun belastbare Erfahrungen mit den eigenen Kokos-Produkten vor. Die Probleme von Kokos sind altbekannt: In den Herkunftsländern sind die sozialen Standards oftmals nicht so, wie man sich das wünschen würde. Dazu kommt der Vorwurf, dass man sehr viel Wasser benötigt, was dann an anderer Stelle fehlt und dass mit „Chemie“ gearbeitet wird, um den Salzgehalt deutlich nach unten zu bringen. „Da wir neben der Holzfaser auch Kokos als wirklich adäquaten Torfersatzstoff sehen, haben wir vor rund zwei Jahren damit begonnen, uns mit der Aufbereitung des Rohstoffs auseinander zu setzen, mit dem Ziel, dass wir die „offenen Flanken“ Arbeitsbedingungen, Wasserverbrauch und Chemieeinsatz zum Puffern ausmerzen können“, berichtet Josef Gramann, Geschäftsführer von Gramoflor.

Das Waschen und Puffern hat das Unternehmen aus Vechta jetzt selbst in die Hand genommen. Gramoflor kauft das trockene, gepresste Rohmaterial bei zertifizierten Betrieben und bereitet den Rohstoff dann selber auf. „Wir kaufen den Rohstoff jetzt bei vier verschiedenen Lieferanten ein, wo wir wissen, dass wir gutes Material bekommen. Wir kaufen nicht direkt ein, achten aber sehr darauf, dass die Hersteller im Rahmen der Standards zertifiziert sind“, erklärt Gramann.

Von der Kokosnuss wird im Prinzip über 95% wertgeschöpft. Das bleibt alles im Herkunftsland; wie bei den meisten Naturprodukten bleibt aber noch ein Reststoff übrig, aus dem man praktisch nichts mehr machen kann. Das ist dann der Ausgangsstoff, den Gramoflor nutzt. Und dieses Ausgangsmaterial verhält sich in der Umwelt-Bilanzanders als zuerst vermutet. Bei Gramoflor hat man eigene CO2-Bilanzen von Schwarz- und Weißtorf, Kokos, Holzfaser, Kompost und Reisspelzen erstellt. Es gibt viele große Studien über CO2-Bilanzen: Einige gehen bei norddeutschem Weißtorf von einem CO2-Äquivalent von 120 kg aus, andere sagen 80 kg, je nach dem, wie weit sie den Weg des Torfs bewerten. Schwarztorf hat 155 kg und mehr, die Holzfaser von Gramoflor hat ca. 20,8 kg und bei Kokos liegt der Wert berechnet bei ca. 16,3 kg! Das Ganze ist mehrfach überprüft worden. „Als ich diese Zahlen gesehen habe, musste ich feststellen, dass Kokos nicht so schlecht ist, wie man ihm mal nachsagt hat“, sagt Gramann.

Aktuell gibt es drei gütegesicherte Kokos-Typen für Mischkomponenten in Substraten: Typ-30 (bis zu 30 Vol.-%), Typ-60 (bis zu 60 Vol.-%) und Typ-100 (bis zu 100 Vol.-%). Bei Gramoflor werden die Lieferungen des Rohmaterials jeweils komplett analysiert und nach Auswertung der Daten wird das Rohmaterial vorklassifiziert. Nach der finalen Aufbereitung hat das Unternehmen dann ein Produkt, das der jeweiligen Typenklasse voll entspricht. Seit Anfang November hat das Unternehmen als einziger Hersteller in Deutschland eine RAL-Gütesicherung für Cocopeat Typ-30, Typ-60 und Typ-100, die zudem auch biokonform sind.