Mooratlas: Autorenkollektiv veröffentlicht Anmerkungen und Kommentare

Ein Autorenkollektiv hat jetzt Anmerkungen und Kommentare zum Mooratlas der Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlicht.

Uchter Moor. Bild: © Schmatzler.

Anfang letzten Jahres wurde der „Mooratlas 2023 – Daten und Fakten zu nassen Klimaschützern“ durch die Heinrich-Böll-Stiftung, den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Michael Succow Stiftung herausgegeben. Die Broschüre beschäftigt sich hauptsächlich mit der Wiedervernässung von Moorböden. In der  aktuellen Ausgabe der Telma, Band 53, der jährlichen Fachzeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde (DGMT) e.V., diskutiert ein breit aufgestelltes Autorenkollektiv die Inhalte des Mooratlas und verweist dabei unter anderem auf sprachliche Ungenauigkeiten, tendenziöse Interpretationen und Aussagen sowie überaus ambitioniert formulierte Zielsetzungen im Hinblick auf die Wiedervernässung. Auch der Industrieverband Garten (IVG) e.V. hat sich an der Erstellung des kommentierenden Artikels beteiligt.

Der Mooratlas beschreibt auf 50 Seiten die ökosystemare Bedeutung von Mooren als Bestandteile der Naturlandschaft – mit Schwerpunkt auf ihrer Bedeutung als Kohlenstoffspeicher, für die Biodiversität und als Produktionsstandorte für die Landwirtschaft. Es wird umfangreiches Zahlenmaterial dargeboten und mit dem Verweis auf neue Nutzungsformen nasser Standorte werden Diskussionsansätze für eine zukünftige landwirtschaftliche Wertschöpfung dargelegt. „Mit den Aussagen zur Paludikultur, die zur Erzeugung von Torfmoosen dienen kann, aber auch mit deutlich überschätzten Angaben zum Einfluss der gartenbaulichen Torfnutzung in Bezug auf die europäischen Emissionen aus organischen Böden, wird der Mooraltas sehr relevant für die Branche der Substratindustrie“, sagt Philip Testroet, Referatsleiter Gartenbau und Umwelt beim IVG. „Dies ist ein Grund, warum wir uns bei der Erarbeitung der Kommentare im Sinne einer Richtigstellung und Eröffnung der gesellschaftlichen Diskussion eingebracht haben.“

„Das Ansinnen der Herausgeber, das komplexe Thema in komprimierter Form anhand von Grafiken und in einer auch Nicht-Fachleuten verständlichen Sprache und altersübergreifend zu vermitteln, ist zu begrüßen.“, heißt es zu Beginn der Telma-Analyse in Bezug auf den Mooratlas. „Sprachliche Ungenauigkeiten und schwer nachzuvollziehende Aussagen aus Zitaten“ werden jedoch kritisch gesehen. Die Autoren ziehen das Fazit, dass Moorgebiete „integrativ unter dem Gesichtspunkt als Fläche für Siedlungen, Infrastruktur, Erholung, Naturschutz und Wertschöpfung betrachtet werden müssen“. Es wird dazu aufgefordert, diese Funktionen zu erhalten und je nach Bevölkerungswachstum und wirtschaftlicher Entwicklung auch klimawandelangepasst auszubauen. Da die Moorregionen Lebens- und Identitätsräume der in ihnen lebenden und agierenden Menschen seien, müssten jedwede Maßnahmen auch der Akzeptanz und Unterstützung durch die Bevölkerung sicher sein. Nur so würden die Maßnahmen auch tragfähig und damit letzten Endes erfolgreich. In den betroffenen Regionen sei ein breiter, nicht nur auf die Bereiche Landnutzung und Naturschutz beschränkter, faktenbasierter und ideologiefreier gesellschaftspolitischer Diskurs hierfür eine Grundvoraussetzung.

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Mooratlas: Autorenkollektiv veröffentlicht Anmerkungen und Kommentare

Ein Autorenkollektiv hat jetzt Anmerkungen und Kommentare zum Mooratlas der Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlicht.

Uchter Moor. Bild: © Schmatzler.

Anfang letzten Jahres wurde der „Mooratlas 2023 – Daten und Fakten zu nassen Klimaschützern“ durch die Heinrich-Böll-Stiftung, den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Michael Succow Stiftung herausgegeben. Die Broschüre beschäftigt sich hauptsächlich mit der Wiedervernässung von Moorböden. In der  aktuellen Ausgabe der Telma, Band 53, der jährlichen Fachzeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde (DGMT) e.V., diskutiert ein breit aufgestelltes Autorenkollektiv die Inhalte des Mooratlas und verweist dabei unter anderem auf sprachliche Ungenauigkeiten, tendenziöse Interpretationen und Aussagen sowie überaus ambitioniert formulierte Zielsetzungen im Hinblick auf die Wiedervernässung. Auch der Industrieverband Garten (IVG) e.V. hat sich an der Erstellung des kommentierenden Artikels beteiligt.

Der Mooratlas beschreibt auf 50 Seiten die ökosystemare Bedeutung von Mooren als Bestandteile der Naturlandschaft – mit Schwerpunkt auf ihrer Bedeutung als Kohlenstoffspeicher, für die Biodiversität und als Produktionsstandorte für die Landwirtschaft. Es wird umfangreiches Zahlenmaterial dargeboten und mit dem Verweis auf neue Nutzungsformen nasser Standorte werden Diskussionsansätze für eine zukünftige landwirtschaftliche Wertschöpfung dargelegt. „Mit den Aussagen zur Paludikultur, die zur Erzeugung von Torfmoosen dienen kann, aber auch mit deutlich überschätzten Angaben zum Einfluss der gartenbaulichen Torfnutzung in Bezug auf die europäischen Emissionen aus organischen Böden, wird der Mooraltas sehr relevant für die Branche der Substratindustrie“, sagt Philip Testroet, Referatsleiter Gartenbau und Umwelt beim IVG. „Dies ist ein Grund, warum wir uns bei der Erarbeitung der Kommentare im Sinne einer Richtigstellung und Eröffnung der gesellschaftlichen Diskussion eingebracht haben.“

„Das Ansinnen der Herausgeber, das komplexe Thema in komprimierter Form anhand von Grafiken und in einer auch Nicht-Fachleuten verständlichen Sprache und altersübergreifend zu vermitteln, ist zu begrüßen.“, heißt es zu Beginn der Telma-Analyse in Bezug auf den Mooratlas. „Sprachliche Ungenauigkeiten und schwer nachzuvollziehende Aussagen aus Zitaten“ werden jedoch kritisch gesehen. Die Autoren ziehen das Fazit, dass Moorgebiete „integrativ unter dem Gesichtspunkt als Fläche für Siedlungen, Infrastruktur, Erholung, Naturschutz und Wertschöpfung betrachtet werden müssen“. Es wird dazu aufgefordert, diese Funktionen zu erhalten und je nach Bevölkerungswachstum und wirtschaftlicher Entwicklung auch klimawandelangepasst auszubauen. Da die Moorregionen Lebens- und Identitätsräume der in ihnen lebenden und agierenden Menschen seien, müssten jedwede Maßnahmen auch der Akzeptanz und Unterstützung durch die Bevölkerung sicher sein. Nur so würden die Maßnahmen auch tragfähig und damit letzten Endes erfolgreich. In den betroffenen Regionen sei ein breiter, nicht nur auf die Bereiche Landnutzung und Naturschutz beschränkter, faktenbasierter und ideologiefreier gesellschaftspolitischer Diskurs hierfür eine Grundvoraussetzung.

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