Dümmen Orange: "Erfolgreiche Züchter benötigen eine gewisse Größe"

Thomas Bousart: "Von den in Europa 70 kommerziellen Sorten konnte bei exakt sieben eine gentechnische Veränderung nachgewiesen werden. Weltweit führt das Unternehmen ein Sortiment von ca. 150 Petuniensorten."

Serie zu den Züchtungsunternehmen: Teil 2 Dümmen Orange

Dümmen Orange hat sich von Anfang an als betroffener Züchter gesehen und in der Petunienkrise sofort umfangreich mit den zuständigen Behörden kooperiert. Das Unternehmen ist erkennbar nicht nur durch unternehmerische Weitsicht geprägt, sondern fühlt sich vor allem auch fundamentalen Werten wie Nachhaltigkeit und Transparenz verpflichtet. Fremde Petuniensorten wurden nicht systematisch getestet, bevor sie in die eigenen Sortenlinien eingekreuzt wurden. Die Züchtung und Vermarktung von GVO-Petunien sei nie das erklärte Ziel gewesen. Thomas Bousart, Managing Director von Dümmen Orange in Rheinberg betrachtet die bisher nicht durchgeführten Testungen auf gentechnische Veränderungen heute als Fehler.

Blickt man auf die Geschichte von Dümmen Orange, so wird klar, dass es in einem Züchtungsunternehmen dieser Größe ein hohes Maß an Effizienz und Professionalität benötigt, mit dem die Züchtungsarbeit für die Breite dieses Produktprogramms bewerkstelligt werden kann.

Im Interview mit Thomas Bousart von Dümmen Orange konnte die GABOT-Redaktion hinter die Kulissen blicken und genauer erfahren, zu welchen Erkenntnissen der Züchter Dümmen Orange gelangt ist.

Dümmen Orange heute

Dümmen Orange produziert und vertreibt weltweit Beet- und Balkonpflanzen, Schnittblumen, Stauden und Topfpflanzen. Zu den Produkten zählen Kräuter und Einjährige Beetpflanzen, Poinsettien, Schnitt- und Topfchrysanthemen, Kalanchoe, Begonien, Limonium, Sukkulenten, Schnitt- und Topfnelken, Gerbera, Geranien, Petunien, Neu-Guinea-Impatiens, Calibrachoa, Verbenen, Osteospermum, Dahlien, Schnitt- und Topfanthurien, Bougainvillea und Heliconia und viele andere. Das Unternehmen Dümmen Orange wurde 2010 gegründet und hat seinen Sitz in De Lier, Niederlande. Chief Executive Officer (CEO) des Unternehmens ist Biense T. Visser.

Im Segment der Beet- und Balkonpflanzen setzt der Züchter auf diverse eigene Bewurzelungsbetriebe (Rooting Stations) in Europa, die das Dümmen Orangen Sortiment produzieren und vertreiben. Der größte Produktionsbetrieb ist derzeit in Rheinberg, aber auch in De Lier, Italien und Spanien wird produziert. Darüber hinaus hat das Unternehmen viele Kooperationspartner wie z.B. in Polen oder England.

Die Fusion zur DNA Green Group

2013 fusionierten die im Bereich Züchtung und Jungpflanzenproduktion tätigen Unternehmen Dümmen und Agribio Group. Durch den Zusammenschluss wurden die modernen Züchtungstechniken von Agribio und die fundierten Kenntnisse Dümmens im Bereich des Supply-Chain-Managements zusammengeführt. Tobias Dümmen sagte damals: "Modernere Züchtungstechnologien seien mit hohen Ausgaben verbunden. Züchtungsunternehmen benötigen eine gewisse Größe, um mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten."

Thomas Bousart ergänzt dazu heute: "Dümmen Orange kommuniziert seit Jahren sehr transparent über die Strategie des Unternehmens. Neben organischem Wachstum werden auch gezielt Zukäufe getätigt, die das Produktportfolio für den globalen Markt weiter abrunden. Es ist richtig, dass man eine gewisse Größe benötigt, damit man auch in moderne Technologie und Infrastruktur investieren kann. Neben den Kosten sind allerdings die richtigen Mitarbeiter der Schlüssel zum Erfolg. Wir stellen seit Jahren sehr viele hochqualifizierte Mitarbeiter ein, denn wir brauchen Kolleginnen und Kollegen, die mit neuer Technologie vertraut sind und diese beherrschen. Wir sehen große Chancen zum Beispiel in der Resistenzzüchtung, um finanzielle Einbußen durch Krankheiten oder auch die Reduzierung von chemischen Pflanzenschutzmittel voran zu bringen."

Im April 2015 firmierte die DNA Green Group, die aus den Unternehmen Agribio Group und Dümmen hervorgegangen war, zu Dümmen Orange (rund 6.000 Mitarbeiter weltweit, ca. 175 Mio. Euro Jahresumsatz) um.

Dümmen

Das Unternehmen Dümmen war bis zur Fusion mit der Agribio Group im Jahr 2013 einer der führenden Jungpflanzenproduzenten und Züchter von Beet- und Balkonpflanzen sowie Weihnachtssternen. Die wichtigsten Märkte waren Europa und Nordamerika. Die Unternehmenszentrale befand sich in Rheinberg, wo auch der Großteil der europäischen Geschäftsaktivitäten abgewickelt wurde. Weitere Verkaufsniederlassungen befanden sich in den USA, Frankreich und Italien. Neben diesen Standorten existieren Produktionsbetriebe in El Salvador, Costa Rica, Äthiopien und Italien.

Agribio Group

Die Agribio Group war damals in 56 Ländern aktiv und vertrieb mehr als eine Milliarde Stecklinge pro Jahr. Das Unternehmen gehörte zu den drei weltweit wichtigsten Akteuren im Bereich der Züchtung und vegetativen Vermehrung von Pflanzen und Blumen. Die Agriobio Group umfasste nach diversen Zukäufen Top-Züchtungsunternehmen wie Fides, Ecke (PLA Paul Ecke Ranch), Japan Agribio, Barberet & Blanc, Bartels Stek und Lex+. Im Jahr 2010 wurde das Unternehmen unabhängig. Die Kirin Agribio Group konnte an den niederländischen Finanzinvestor H2 (Investment-Gesellschaft H2 Equity Partners B.V. verkauft werden. Seit dieser Zeit hat die Agribio Group große Schritte bei der Effizienzsteigerung gemacht und konzentriert sich seitdem vollständig auf die Züchtung von Blumen und Pflanzen.

Genetwister Technologies

2011 übernahm das Unternehmen Agrobio Group eine Beteiligung an Genetwister Technologies, Wageningen. Damit setzte das Mutterunternehmen von Fides und Barberet & Blanc auf durch Biomarker gesteuerte Pflanzenzüchtung. Genetwister Technologies war in der Lage, Biomarker (Gene) von Pflanzen und Planzenprodukten mit den modernsten Genomik-Techniken zu identifizieren und zu isolieren.

Damit sollte die Forschungsarbeit in Bezug auf die Entwicklung neuer Sorten modernisiert werden und zu effizienteren Produktionsmethoden führen. Roger Peeters, damals Vorstand R&D bei der Agribio Group sagte: "Wir sind Vorreiter im Bereich Blumen- und Pflanzenzucht und unser erklärtes Ziel ist es weltweit zu den Top 3 zu gehören und zwar bei allen Pflanzengattungen, die wir züchten.“ Die Markertechnologie wurde zum damaligen Zeitpunkt bereits seit 20 Jahren im Gemüsebau und Ackerbau angewandt, aber noch nicht bei Zierpflanzen. „Die Nutzung der Markertechnologie bei der Zucht oder andere moderne Techniken, die Agribio Group einsetzte, hatten allerdings nichts mit genetischer Manipulation zu tun. Es sind Techniken, die auf der Einsicht in die vorhandenen DNA-Strukturen basieren und diese sollten dazu führen, dass neue, gute Sorten schneller entwickelt werden. Die Erfolgsrate unserer Sorten wird weiter steigen“, prognostiziert Roger Peeters damals. (Redaktion GABOT)

Lesen Sie hier das komplette Interview mit Thomas Bousart, Managing Director bei Dümmen Orange in Rheinberg.

Kommentare (1)


Olli Pullnitz 13. Jul. | 00:07

Kann man nicht verstehen, daß Dümmen Orange die fremden Sorten vorm Einkreuzen nicht getestet hat!!!

 

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