Kirschfliege: Zunehmende Ausbreitung und Befallsdruck

Seit der letzten Juniwoche breitet sich die Kirschessigfliege zunehmend in Südtirol aus. Bislang blieben die Befallszahlen jedoch hinter den Werten von 2016 zurück.

Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) (c) Versuchszentrum Laimburg

Das Versuchszentrum Laimburg empfiehlt die Kirschessigfliege mittels Eiablagekontrollen in den Anlagen sorgfältig zu überwachen.

Aufgrund der großen Hitzewelle und Trockenheit, die dieses Jahr bis zum 20. Juni angedauert hat, ging der Populationsaufbau der Kirschessigfliege auf Kirsche und Beerenobst zunächst nur langsam vonstatten. Erst infolge des Witterungsumschlags in der letzten Juniwoche, der ergiebige Niederschläge mit sich brachte, kam es dann zu einer verstärkten Präsenz der Kischessigfliege im Unterland, in der Gegend um Bozen und im Eisacktal. Die aktuelle Hitzewelle macht nicht nur dem Menschen zu schaffen, sondern schränkt auch die Aktivitäten der Kirschessigfliege ein.

Populationsdruck bislang weniger stark wie 2016

In der ersten Juliwoche war ein Anstieg im Befall und auch bei den Fallenfängen zu beobachten. Beim Beerenobst war in einzelnen unbehandelten Anlagen gar ein Befall von bis zu 100% festzustellen. Momentan ist der Schädling in ganz Südtirol präsent. In einigen Tälern, wie zum Beispiel im Martelltal, ist die Kirschessigfliege jedoch erst im Kommen. Bislang ist der Populationsdruck der Kirschessigfliege nicht so hoch wie 2016, langfristige Vorhersagen sind aufgrund des großen Einflusses der Witterung auf die Vermehrungsraten jedoch nicht möglich, erklärt Silvia Schmidt, Expertin für invasive Schädlinge am Versuchszentrum Laimburg. Die Vermehrungsraten der Kirschessigfliege sind stark von der Witterung abhängig. Die optimale Temperatur für den Populationsaufbau liegt zwischen 20°C und 28°C. Eine hohe Luftfeuchtigkeit kann das Wachstum der Fliege begünstigen, Trockenheit hingegen bremst deren Vermehrung. Aufgrund der hohen Temperaturen ist die Flugaktivität der Kirschessigfliege derzeit stabil. Wenn die aktuelle Hitzewelle jedoch noch weiter anhält, ist zu erwarten, dass die Aktivitäten der Kirschessigfliege deutlich gehemmt werden – so lautet die Prognose der Entomologen am Versuchszentrum Laimburg.

Sorgfältiges Monitoring unabdingbar

Anhand von Eiablagekontrollen sollte der Schädling in den Anlagen regelmäßig überwacht werden, betont die Expertin Silvia Schmidt vom Versuchszentrum Laimburg. Auch in Rebanlagen mit bereits umgefärbten Trauben sollten solche Kontrollen regelmäßig durchgeführt werden. Silvia Schmidt und ihre Kollegen vom Versuchszentrum Laimburg monitorieren die Kirschessigfliege schon seit dem ersten Aufkommen in Südtirol im Jahr 2011, erforschen Biologie und Verhalten des Schadinsekts und führen Mittelprüfungen durch, um mögliche Bekämpfungsstrategien gegen die Fliege zu entwickeln.

Forschungsprojekt soll innovatives Hefelockstoffverfahren als nachhaltige Bekämpfungsstrategie gegen den Schädling entwickeln

Verschiedene Methoden wie Pflanzenschutzmittel (z. B. Spinosad), Massenfang mit auf dem Markt verfügbaren Köderfallen, Einnetzung oder der Einsatz einheimischer natürlicher Gegenspieler sind im Test, zeigen aber keine Wirkungssicherheit. Da der Schädling europaweit auftritt, haben sich mittlerweile umfassende Netzwerke zwischen zahlreichen Forschungsinstituten in Europa gebildet und man arbeitet mit vereinten Kräften an einer Lösung für das Problem. Im Dezember 2016 hat das Versuchszentrum Laimburg zusammen mit der Freien Universität Bozen die Arbeiten an dem zukunftsweisenden und interdisziplinären Kooperationsprojekt DROMYTAL aufgenommen. Ziel des Projekts ist es eine innovative und nachhaltige Bekämpfungsstrategie gegen die Kirschessigfliege zu entwickeln, die auf einem Hefelockstoffverfahren beruht und durch ihre gezielte Wirkung die Menge an eingesetzten Pestiziden reduzieren soll. Finanziert wird das auf drei Jahre ausgelegte Forschungsvorhaben aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) (Programm „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung“, EFRE 2014–2020) mit einem Budget von 880.000 Euro.

Kirschessigfliege verursacht beträchtliche Schäden

Die aus dem asiatischen Raum eingeschleppte Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) hat seit ihrem erstmaligen massiven Auftreten in Südtirol im Jahr 2011 große Schäden verursacht. Besonders betroffen sind das Stein- und Beerenobst (vor allem Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren, Aprikosen, Zwetschgen, Heidelbeeren) und Trauben der lokalen Rotweinsorte Vernatsch. Es handelt sich weitgehend um Kulturen, welche einen wichtigen Nebenerwerb für die Berglandwirtschaft darstellen und zu Lebensmittelprodukten (Joghurts, Fruchtsäfte, Konfitüren) verarbeitet werden. Die Früchte werden während der Reifephase befallen. Die Fliege sticht die intakte Fruchthaut an und legt ihre Eier ins Fruchtfleisch. Aufgrund der hohen Vermehrungsrate kann der Schädling erhebliche Ernteverluste verursachen. Im Jahr 2015, einem Jahr mit mittlerem Befallsdruck und einer nicht übermäßig hohen Populationsdichte der Kirschessigfliege, wurde der durch die Drosophila verursachte Schaden in Südtirol auf 2,6 Mio. Euro geschätzt. Im Jahr 2016 mussten die Südtiroler Beeren- und Steinobstproduzenten Ernteausfälle von bis zu 70% hinnehmen. Im Durchschnitt vermeldeten die Obstgenossenschaften Ausfälle von 30%.

Das Versuchszentrum Laimburg

Das Versuchszentrum Laimburg versteht sich als führende Forschungsinstitution für die Landwirtschaft und Lebensmittelqualität in Südtirol. Das Versuchszentrum Laimburg betreibt vor allem angewandte Forschung mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Südtiroler Landwirtschaft zu steigern und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte zu sichern. Über 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten jährlich an rund 300 Forschungs- und Versuchsprojekten aus allen Bereichen der Südtiroler Landwirtschaft, vom Obst- und Weinbau bis hin zu Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie. Das Versuchszentrum Laimburg wurde 1975 gegründet. (Laimburg)