Glyphosat: Kalifornien sieht Krebsgefahr

Kalifornien stuft den Wirkstoff Glyphosat ab 07. Juli offiziell als krebserregend ein. Der Wirkstoff stelle ein Gesundheitsrisiko dar. Produktverpackungen von Pflanzenschutzmitteln wie RoundUp müssen daher künftig mit 'krebserregend' gekennzeichnet sein.

Kalifornien stuft den Wirkstoff Glyphosat ab 07. Juli offiziell als krebserregend ein. Bild: GABOT.

Die im Bundesstaat Kalifornien zuständige Behörde für Umwelt und Gesundheit OEHHA (eine von sechs Agenturen der California Environmental Protection Agency CalEPA) teilte am Montag mit, dass der Wirkstoff Glyphosat (CAS Nr. 1071-83-6 ) mit Wirkung ab dem 07. Juli 2017 in die Liste der krebsauslösenden Chemikalien (Proposition 65 (The Safe Drinking Water and Toxic Enforcement Act of 1986, Health and Safety Code section 25249.5 et seq.), die dem Staat bekannt sind, aufgenommen werde.

Das verzögerte effektive Datum ergab sich durch eine Klage seitens des Unternehmens Monsanto gegen die OEHHA, die bereits am 28. März mitteilte, dass der unkrautvernichtende Wirkstoff in die Proposition-65-Liste aufgenommen werde. Die Klage wurde jedoch abgewiesen (Monsanto et al. V OEHHA et al., Fünftes Amtsgericht, Rechtssache F075362). Gegen das Urteil hat Monsanto jedoch Berufung eingelegt.

Künftig müssen alle Produktverpackungen in Kalifornien mit dem Begriff 'krebserregend' gekennzeichnet sein. Dieser Schritt könnte richtungsweisend auch für andere Länder werden.

Die Positionen in der Diskussion um die Zulassung des Wirkstoffs sind unterschiedlich. So kam die Internationale Krebsagentur IARC 2015 zu dem Schluss, dass der chemische Stoff Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend" sei. Diese Aussage führte schließlich zu der Bewertung durch die OEHHA.

Die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (Deutschland ist für den Wirkstoff Glyphosat Berichterstatter an die EU) und die der EU-Chemikalienagentur ECHA lautet anders. Beide stufen das Pflanzenschutzmittel als nicht krebserregend ein. Die Pestizidexperten der Weltgesundheitsorganisation WHO (PMPR) erklärten, dass die Chemikalie nur sehr gering akut toxisch sei.

Glyphosat wird zur Unkrautregulation im Gartenbau, in der Landwirtschaft, im Weinbau und auf Golfplätzen eingesetzt und ist der weltweit am meisten verbreitete Pflanzenschutzmittelwirkstoff.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) weist darauf hin, dass folgende Chemikalien ebenfalls als relevant einzustufen sind: 38641-94-0 (Glyphosat-Isopropylaminsalz) 40465-66-5 (Monoammoniumsalz) 69254-40-6 (Diammoniumsalz) 34484-03-6 (Glyphosat-Natrium) 81591-81-3 (Glyphosat-Trimesium), da diese Salze zu freiem Glyphosat dissoziieren.

Die Mitteilung der kalifornischen Agentur OEHHA dürfte Monsato aus Imagegründen sehr unpassend sein: Aktuell befindet sich der Konzern in einer Übernahme durch die Bayer AG.

Eine endgültige Entscheidung, ob Glyphosat weiterhin in der EU zugelassen bleibt, wurde zuletzt vertagt. Die EU-Kommission hat die Zulassung des Wirkstoffs im Juni um weitere 18 Monate verlängert und damit erneut keine klare Entscheidung getroffen (GABOT berichtete). Grund dafür ist sicherlich ein anderer hocheffektiver Wirkstoff: Lobbyarbeit. Redaktion GABOT