EU: Endokrine Disruptoren in Pestiziden und Bioziden

Die EU hat einen wichtigen Schritt hin zu einem europäischen Regelungsrahmen zur Bestimmung endokriner Disruptoren im Zusammenhang mit Pflanzenschutzmitteln und Biozidprodukten gemacht.

Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten einigten sich auf einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission. Endokrine Disruptoren sind sowohl natürlich vorkommende als auch chemische Stoffe, die die Funktion des Hormonsystems stören und dadurch schädigende Wirkung bei Menschen oder Tieren hervorrufen können. Der zuständige EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andiukaitis begrüßte die heutige Abstimmung und rief zu einer zügigen Annahme der neuen Regeln durch Europäisches Parlament und Rat auf.

Nach Verabschiedung der Vorschläge wird der Regelungsrahmen der EU der erste weltweit sein, in dem wissenschaftliche Kriterien für endokrine Disruptoren rechtlich verankert sind. Künftig soll bei der Identifizierung von endokrinen Disruptoren ein solider wissenschaftsgestützten Ansatz zugrunde gelegt und der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gefolgt werden.

EU-Kommissar Vytenis Andiukaitis , zuständig für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, sagte: „Die heutige Abstimmung ist ein großer Erfolg. Sobald die Regelung umgesetzt wird, kann sichergestellt werden, dass jeder Inhaltsstoff in Pestiziden, der als endokriner Disruptor für Menschen und Tiere identifiziert wird, geprüft und vom Markt genommen werden kann. Wir zählen jetzt auf die Unterstützung des Europäischen Parlaments und des Rates, um eine reibungslose Annahme und das Inkrafttreten der Kriterien zu gewährleisten." Der Regelungsrahmen zu den neuen Kriterien umfasst die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie definiert einen Stoff als endokrinen Disruptor, wenn:

  • er schädigende Wirkung für die menschliche Gesundheit hat,
  • er eine endokrine Wirkungsweise aufweist,
  • wenn eine Kausalbeziehung zwischen der schädigenden Wirkung und der endokrinen Wirkungsweise besteht.

Das neue Regelwerk wird als Sprungbrett für weitere Maßnahmen zum Schutz von Gesundheit und Umwelt dienen und es der Kommission ermöglichen, eine neue Strategie gegen die Belastung mit endokrinen Disruptoren abseits von Pestiziden und Bioziden zu erarbeiten. So sind zum Beispiel Regelungen für Spielzeug, Kosmetika und Lebensmittelverpackungen geplant. Um noch mehr über die Wirkungsweise von endokrinen Disruptoren zu erfahren, werden 2018 im Zuge des Programms Horizon 2020 rund zehn Forschungsprojekte mit einem Budget von 50 Mio. Euro unterstützt.