BVZ: Grüne Startups und Urbanes Grün

Auf die Reise von einer Idee bis zum jungen Unternehmen nahmen vier Grüne Startups die Teilnehmer der Herbsttagung des Bundesverbandes Zierpflanzen (BVZ) im Zentralverband Gartenbau e. V. (ZVG) mit. Die Tagung fand vom 11. bis 13. Oktober 2018 unter dem Motto „Grüne Startups und urbanes Grün“ in Berlin statt.

Traumgärten so gestalten, dass sie zum persönlichen Lebensstil passen, ist das Ziel der Gründerinnen von „Green For Me“. „Botanicly“ will Vertrieb neu denken, Trends und Chancen des digitalen Gartenmarkts für ein neues Firmenkonzept nutzen. (v. l.: Die beiden Gründerinnen von „Green For Me“, Julia Hack und Nathalie Odermann, Botanicly-Gründer Jonas Wegener). Bild: BVZ/Gutberlet.

Die Gründerszene in Deutschland entwickelt sich rasant. Auch im Bereich der Grünen Startups ist eine dynamische Entwicklung zu verzeichnen, oft abseits des traditionellen Gartenbaus. „Vor allem im Bereich des Onlinehandels und von maßgeschneiderten Konzepten für Pflanzeninteressierte ist ein interessanter Markt entstanden“, so Matthias Bremkens, Vorsitzender des BVZ. „Auch für die Zierpflanzenproduzenten verspricht dieser Bereich interessante neue Partnerschaften und schlägt neue Wege von Blumen und Pflanzen zum Verbraucher ein.“

Traumgärten so gestalten, dass sie zum persönlichen Lebensstil passen, ist das Ziel der Gründerinnen von „Green For Me“. Zielgruppe ist die junge Generation, die „digital natives“, die häufig keine Ahnung von Pflanzen und Gärten haben. Diejenigen, die sich selbst verwirklichen wollen, keine Zeit haben und auf der Suche nach Identität ihr eigenes Ding machen wollen, kommen mit „Green For Me“ zu ihrem ganz eigenen Wunsch-Garten. Über einen Quizberater werden den Kunden online die richtigen Fragen gestellt und so die Basis für ein Pflanzkonzept erstellt. Farben und Höhen werden visualisiert. Über einen Kalender soll die Pflanzenpflege begleitet werden. Die Online-Plattform befindet sich aktuell mit der beta-Version in der Testung und soll im Frühjahr 2019 starten. Erste Partnerschaften sind mit Produzenten in Berlin auf den Weg gebracht.

Botanicly“ will Vertrieb neu denken, Trends und Chancen des digitalen Gartenmarkts für ein neues Firmenkonzept nutzen. Zeichnete sich der Pflanzenvertrieb früher durch hohe Kompetenz und individuelle Beratung aus, so handelt es sich heute zumeist um einen anonymen Markt. Online-Vertrieb von Pflanzen ist oft wenig inspirierend. Dem will „Botanicly“ mit Storytelling etwas entgegensetzen, mit Chat-Bots in den Dialog mit Kunden treten und durch die Zusammenarbeit mit Gärtnereien Lieferketten auf ein Minimum reduzieren. „Botanicly“ sieht sich als Vorreiter für den technologiegetriebenen Vertrieb und will durch den Ausbau seines Partnernetzes eine zentrale Vertriebsplattform werden. Über die Chancen des Konzepts, mögliche Partnerschaften und die Suche nach Investoren wurde intensiv diskutiert.

Bereits seit gut fünf Jahren auf dem Markt ist „Blumixx“. Die drei Gründer von „Blumixx“ wollen mit ihrem Unternehmenskonzept Kundenprobleme lösen bevor sie entstehen und repräsentative Bepflanzungen mit minimalem Aufwand umsetzen. Der „Blumixx-Bag“ bietet Verbrauchern die „einfachste Balkonbepflanzung der Welt“. Geliefert werden fertig fachmännisch bepflanzte Blumenkasteneinsätze, direkt bis an die Haustür. Das junge Unternehmen ist inzwischen den Kinderschuhen entwachsen und sieht noch großes Marktpotential, um die geschätzt 30 Mio. Balkone in Deutschland mit Blumenkästen zu bestücken. Intensiv wurde mit den Teilnehmern über strategische Partnerschaften und die Weiterentwicklung des Unternehmens diskutiert.

Die Idee von gebäudeintegrierten Dachfarmen zur Ernährung der Stadt von morgen verfolgt „Dachfarm Berlin“. Aufgrund des zunehmenden Wegfalls von Ackerflächen muss nach alternativen Anbaustandorten gesucht werden. Mit einem interdisziplinären Ansatz soll eine Vernetzung von Stoff- und Energiekreisläufen eine nachhaltige Produktionsform ermöglicht werden. Gebäude und Gewächshäuser sollen zu einem System, städtische Flächen aufgewertet und regionaler und saisonaler Anbau - z.B. auf den Dächern von Supermärkten in Innenstädten - realisiert werden.

In Gebäudefarmen werden unterschiedliche Nutzungen umgesetzt. Im Rahmen einer begleitenden Exkursion konnten die Zierpflanzenproduzenten des BVZ die ECF-Farm - Eco Friendly Farming - kennenlernen. Diese engagiert sich für ein ganzheitliches und umweltfreundliches Verfahren bei der Produktion von Barsch und Basilikum in Aquaponik. Die Aufzucht von Buntbarschen mitten in Berlin wird kombiniert mit dem Anbau von Kräutern, die zumindest teilweise durch das nährstoffreiche Wasser aus der Fischzucht gedüngt werden. Der lokale Anbau soll Transportwege und Kühlketten für mehr Nachhaltigkeit und Frische verkürzen. (ZVG/BVZ)