Bilanz: Extreme Frostschäden im Obst- und Weinbau

Die Frostnächte vom 18. bis 21. April 2017 haben bundesweit im Obst- und Weinbau zu extremen Schäden bis hin zu Totalausfällen geführt, so der Bundesausschuss Obst und Gemüse.

Windrat zum Frostschutz. Bild: GABOT.

Die großen Schäden im Obstbau und Weinbau haben dabei ein unterschiedliches Ausmaß je nach Region, Lage und Sorte. Sowohl beim Obst wie auch beim Wein sind besonders die frühen Sorten und die Junganlagen betroffen. Meist lagen die Temperaturen bei minus 3 bis minus 7 Grad Celsius.

Im Obstbau sind größere Schäden bei Kirschen, Pfirsichen, Äpfeln, Erdbeeren Johannisbeeren und Stachelbeeren zu vermelden, ein genaues Ausmaß der Schäden ist derzeit noch nicht zu beziffern. Besonders betroffen sind Gebiete in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, das südliche Rheinland-Pfalz, im Rheinland, Sachsen und Brandenburg. Große Schäden sind auch aus dem Weinbau zu melden. Alle deutschen Weinbaugebiete sind vom Frost betroffen, einige besonders stark. Beim Wein sind besonders stark die Gebiete Württemberg, Baden, Franken, Rheinhessen, Pfalz und Mosel in Mitleidenschaft gezogen worden.

Sowohl im Obstbau als auch im Weinbau sind derzeit noch keine seriösen Zahlen zu nennen. Dies betrifft sowohl die betroffenen Hektare als auch die Schadenshöhe. Insgesamt ist der Weinbau wohl am stärksten betroffen, gefolgt vom Stein- und Beerenobst, also Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche, Aprikosen, Erdbeeren und Johannisbeeren sowie Stachelbeeren. Hier wird es zu deutlichen Ernteausfällen kommen. Auch das Kernobst, also Äpfel und Birnen, als die wichtigste Obstart, hat deutliche Frostschäden zu verzeichnen. Besonders hart sind dann natürlich die Regionen betroffen, deren Kernobstanlagen in Vollblüte standen und zusätzlich über wenig Frostschutzberegnungsanlagen verfügen. Hervorzuheben ist hier die Region Bodensee (Baden-Württemberg und Bayern), hier werden hohe Ertragsausfälle erwartet. Auch das übrige Baden-Württemberg zeigt massive Schäden, mit Ausnahme der Regionen mit Frostschutzanlagen. In Rheinland-Pfalz werden bei Äpfeln ebenfalls hohe Ausfälle befürchtet. Der Westen, u.a. das Rheinland, ist stark betroffen, da sich bei Frosteinbruch die überwiegenden Apfelanlagen in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium befanden. In Brandenburg und Sachsen sind ebenfalls enorme Schäden beim Kernobst zu vermelden. An der Niederelbe standen die Äpfel in den Frostnächten im Stadium Grüne Knospe bis Rote Knospe. Ca. 70% der Flächen können beregnet werden, die Eisbildung war erheblich, Schäden konnten weitestgehend verhindert werden. In den nicht beregneten Flächen sind aber auch erhebliche Schäden entstanden.

Der Gemüsebau ist glimpflicher davongekommen, aber insbesondere Wachstumsverzögerungen, wie z.B. bei Spargel, führen auch hier zu Verlusten, neben direkten Schäden durch den Frost an den Kulturen wie z.B. bei Salaten.

Zur Abwehr wurden vielfach diverse Schutzmaßnahmen ergriffen, von der Frostschutzberegnung über Windräder bis hin zu Wachsfeuern und Hubschraubereinsätzen. Wo solche Schutzmaßnahmen eingesetzt werden konnten, konnte durch hohen Arbeits- und Materialeinsatz schlimmeres verhindert werden.

Gerade beim Kernobst hat die Frostschutzberegnung in den Betrieben, in denen dies möglich ist, schlimmeres verhindert. Frostschäden werden auch aus den Niederlanden, Belgien, Südtirol, der Steiermark, den Balkanländern und Polen gemeldet. In den Niederlanden wird die Kernobstproduktion deutlich kleiner als üblich ausfallen, insbesondere in den Gebieten ohne Frostschutzberegnung. Auch in Belgien sind Äpfel und Birnen massiv geschädigt. Österreich ist wiederum von Nachtfrösten betroffen. Man spricht von einer deutlichen Minderernte, aber nicht so stark wie im Vorjahr. In Südtirol halten sich die Schäden wohl in Grenzen. Den Ausschlag gibt der sehr hohe Anteil der Frostschutzberegnung. Auch Polen verzeichnete Ausfälle beim Steinobst. Eine Versicherung gegen Frost ist in Deutschland nur bei Wein und Erdbeeren möglich. Kern- und Steinobst sowie das übrige Beerenobst sind gegen Frost derzeit nicht versicherbar. Besonders betroffene Betriebe sind nun auf staatliche Unterstützung angewiesen, von direkten Beihilfen über Liquiditätsprogramme bis hin zu steuerlichen Erleichterungen. Darüber hinaus sind für die Zukunft bessere Risikoabsicherungsmöglichkeiten erforderlich und Mehrgefahrenversicherungen für alle Kulturen anzubieten. Dazu führt der Bundesausschuss Obst und Gemüse derzeit Gespräche mit der Politik und den Ministerien. (Quelle: bog)