Veilchen im Herbst: Modern oder unmodern?

Was ist zur Zeit modern? Diese Frage stellt man sich nicht nur in Bezug auf den Kleiderschrank, auch bei der Planung eines Gartens und sogar bei der Grabbepflanzung.

Eine kontrastreiche und leuchtende Kombination aus lila Veilchen, verschiedenen Blattschmuckpflanzen und Heide. Bild: TBF.

Für jeden, der sich noch nie damit beschäftigen musste oder durfte, erscheint diese Frage nach „modernen“, zeitgemäßen oder "trendigen" Pflanzen vielleicht absurd - gerade an einem Ort, der die Ewigkeit symbolisiert. Aber für diejenigen, deren Weg in den vergangenen zwanzig Jahren regelmäßig auf einen Friedhof geführt hat, ist das durchaus eine berechtigte Frage.

Das Frühjahr war und bleibt die Zeit der bunten, groß- und kleinblütigen Veilchen und Zwiebelblumen. Der Sommer zeichnete sich aus durch die pflegeleichten und trockenheitsverträglichen Eisbegonien, die die Gießarbeit auf ein Minimum reduzierten. Der Herbst hingegen war laut Hermann Löw von Blumen Krempl in Murnau vor allem für Glockenheide (Erika gracilis) reserviert, deren kleine Blüten bis in den Oktober hinein blühen. Die leuchtkräftigeren Sommerheiden (Calluna) folgten erst später. Eine gern gesehene Abwechslung boten fast nur die Veilchen, die manchmal zwischen den etwas trist wirkenden Heidepflanzen mit ihrem nadelförmigen Laub heraus leuchteten. Ein Highlight, das heute sehr viel weniger gepflanzt wird, waren die großblütigen Chrysanthemen. Diese durften aber, erinnert sich Löw, erst ein bis zwei Tage vor Allerheiligen gepflanzt werden, da die Nachtfröste der Blütenpracht meist schnell wieder ein Ende bereiteten.

Seitdem hat sich viel getan. Es ist bunter und farbenfroher geworden auf unseren Grabstätten. Im Zuge des Wandels der Friedhofskultur und der fortschreitenden Züchtung immer neuer Sorten, stehen mehr verschiedene Pflanzen zur Verfügung, die für die Bedingungen auf dieser sehr begrenzten Pflanzfläche geeignet sind. Vor allem im Sommer ist das Angebot an bunten Langzeitblühern und die Auswahl an Begoniensorten beträchtlich gewachsen. Der Herbst wurde zur Jahreszeit der Blattschmuckpflanzen, auf die sich Züchter spezialisierten. Angeboten werden bunte Mischungen beispielsweise mit Heuchera, Salbei, Gräsern oder Beerenpflanzen. Heute haben diese Kombinationen auf manchen Friedhöfen fast alle Heidepflanzen verdrängt, auf anderen entwickeln Friedhofsgärtner stimmige Kombinationen aus Blattschmuck- und Heidepflanzen, die ebenfalls leuchtender und vielseitiger geworden sind, als noch vor einigen Jahren.

Sind Veilchen in der Herbstbepflanzung also aus der Mode gekommen? Das ist wohl Ansichtssache und auch regional unterschiedlich. Hermann Löw würde das sicher mit „nein“ beantworten. Die Friedhofsgärtner von Blumen Krempl pflanzen sogar immer öfter kleinblütige Veilchen (Viola cornuta) gemeinsam mit „modernen“ Blattschmuckpflanzen und Callunen. Sie nutzen dabei fast die gesamte Farbpalette der Veilchen aus, die in unzähligen verschiedenen Farbtönen angeboten werden. Sie können einfarbige oder mehrfarbige Blüten haben, sind leuchtend oder eher gedeckt, und sie blühen eben nicht nur im Frühling, sondern auch im Herbst. Es ist somit möglich, zu allen herbstlichen Blattschattierungen eine passende Sorte zu finden – eine, die die Pflanzung durch ihre Kontrastfarbe oder Leuchtkraft belebt oder sich ganz in das Farbschema eingliedert, Ton in Ton. Das Fingerspitzengefühl für eine stimmige Gestaltung, die als angenehm und schön empfunden wird, gehört natürlich auch dazu. Die Grabgestalter der Gärtnerei Blumen Krempl scheinen es zu besitzen, da ihre Pflanzungen mit Viola ein Hingucker im Herbst sind und von den Kunden gerne angenommen werden. (TBF)

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