Forschung: Wie Pflanzen ihren Chlorophyllstoffwechsel kontrollieren

Forscher der HU haben neue Regulatoren entdeckt, die gleichzeitig die Synthese und den Abbau von Chlorophyll koordinieren.

Chlorophyll ist das am häufigsten vorkommende Pigment auf der Erde. Es ermöglicht Pflanzen, Sonnenenergie zu absorbieren. Bild: GABOT.

Chlorophyll ist das am häufigsten vorkommende Pigment auf der Erde. Es ermöglicht Pflanzen, Sonnenenergie zu absorbieren, um die Photosynthese zu initiieren. Im Frühling beginnen auskeimende Pflanzen die Chlorophyllsynthese, die sich zunächst in einem leichten Grün der Pflanzen zeigt und dann im Laufe des Pflanzenwachstums für ein immer kräftigeres Grün der Pflanze sorgt. Erst am Ende der Wachstumsperiode verlieren die Pflanzen durch Chlorophyllabbau wieder ihre grüne Pigmentierung.

Dr. Peng Wang und Prof. Dr. Bernhard Grimm von der Arbeitsgruppe Pflanzenphysiologie am Institut für Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin erforschen, wie Pflanzen entscheiden, wie lange Chlorophyll synthetisiert werden und wann es zum Abbau des Chlorophylls kommen soll. Die Wissenschaftler entdeckten die ähnlichen Regulationsfaktoren BALANCE of CHLO-ROPHYLL METABOLISM (BCM) 1 and 2 in Arabidopsis thaliana (Ackerschmalwand), der Modellpflanze für Molekularbiologen der Pflanzenwissenschaften. Diese beiden Faktoren tragen zur Kontrolle bei, wie lange und wie intensiv Chlorophyll neu gebildet wird und wann der Abbau des Chlorophylls in Blättern beginnen soll. Die Ergebnisse veröffentlichten sie in dem Magazin Nature Communications.

Die Funktion von BCM1 und BCM2 besteht also in der gleichzeitigen Kontrolle der zwei antagonistischen Chlorophyllstoffwechselwege, indem die beiden Faktoren mit entscheidenden Proteinen der Synthese und des Abbaus des Chlorophylls interagieren. BCM interagiert mit dem Regulator GENOMES UNCOUPLED 4 (GUN4), der die Magnesium Chelatase stimuliert, dem ersten Enzym der Chlorophyllsynthese, während gleichzeitig die Interaktion des BCM mit dem STAY-GREEN 1 Protein, dem ersten und dominanten Enzym des Chlorophyllkatabolismus (des Abbaus), dafür sorgt, dass dieses Enzym destabilisiert und abgebaut wird. Damit wird gleichzeitig die Chlorophyllsynthese stimuliert und der Chlorophyllabbau unterdrückt.

Interessant ist nun die Tatsache, dass obwohl beide Regulatoren BCM1 und BCM2 ähnliche Funktionen haben, die zeitlich unterscheidbare Bildung aber beider Proteine im Verlauf der Blattentwicklung der Pflanzen über die Kontrolle von Chlorophyllsynthese und –abbau entscheidet. BCM1 wird sehr ausgeprägt im jungen Entwicklungsstadium der Pflanzen produziert, während BCM2 kurzzeitig zu Beginn des Alterungsprozesses der Pflanzen (der Seneszenz) hergestellt wird. Damit besitzen Pflanzen eine fein ausbalancierte posttranslationale Kontrolle des Chlorophyllgehalts und eine eindrucksvolle Möglichkeit, den Chlorophyllgehalt im Verlauf der Blattentwicklung, von der Entstehung bis zur Alterung, zu kontrollieren.

Die Forscher gehen davon aus, dass sich mit Hilfe dieser beiden Regulatoren die Chlorophyllgehalte der Pflanzen wesentlich beeinflussen lassen und damit der grüne Zustand des Blattes verlängert und verzögert werden kann. Die Kontrolle der Bildung von Blüten und der Reifung von Früchten könnte sich so durch die Wirkung von BCM beeinflussen lassen, so die Wissenschaftler.

In weiterer Forschung soll untersucht werden, wie sich die Wirkungsweise der BCM Faktoren auf die Produktion und die Alterungsprozesse von grünem Gemüse und damit auf seine Haltbarkeit und Lagerfähigkeit auswirken kann. (HU Berlin)

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